Kultur
Sigi von Koeding, der Zeichen-Zerstäuber
Von Alexander Marzahn. Aktualisiert am 09.03.2010 19 Kommentare
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Dare in Aktion
Quelle: YouTube.
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Am Anfang war die Schrift. Dann kam die Spraydose, und die Buchstaben begannen zu tanzen. Sie wanderten auf Beton, eroberten Wände, Unterführungen, CD-Hüllen, Uhren, am Ende gar ein Schloss: Als Sigi von Koeding alias Dare 2007 das noble Reich von Gunther Sachs am Wörthersee gestalten durfte, bedeutete dies für ihn den zweiten künstlerischen Ritterschlag – der erste war im Jahr 2000 die Benennung des Farbtons «085 Dare Orange» nach seinem Pseudonym.
1991, als Sigi von Koeding aus der Unterführung bei der Tramstation Neue Welt eine surrealistische Tiefsee mit geflügelten Toastern und maritimen Monstern machte, war das alles nicht absehbar. Der gelernte Schriftenmaler, der lieber Art-Rock als Hip-Hop hörte, wurde in der Sprayerszene als Quereinsteiger beäugt, zumal seine Kunst schon bald den Segen von Tiefbauämtern und Galerien fand: Seine Bilder, im Atelier mit dem Pinsel gemalt, standen der Pop-Art näher als den visuellen Egotrips, die das Genre auf Fassaden und Verschalungen denunzieren. Zugleich gibt es heute keinen Sprayer, der sich vor dem Pionier nicht verneigt: Sein ornamental-kalligrafischer Stil kennt viele Nachahmer, sein bescheidenes, humorvolles, zielbewusstes Wesen bleibt in Erinnerung.
Workaholic und Vinyl-Sammler
Sigi von Koeding war ein Selfmade-Man, Workaholic, Künstler mit Herz, Verstand, Ehrgeiz und einer Vision, der ihn 1990 seine Ich-AG gründen liess, nachdem er für Onorio Mansutti eine Wand im Basler Medienhaus sowie eine Unterführung in Münchenstein gestalten durfte. Nicht nur die ersten Aufträge beschaffte er sich selber, und während die Szene mit Neid und Argwohn beobachtete, wie er sich in New York, Prag oder Paris einen Namen ersprayte, hatte er den Wechsel von der Haus- zur Leinwand schon vollzogen.
Basel blieb er treu, hier gestaltete er ein BVB-Theatertram, die City-Disk-Filialen, Diskotheken, immer wieder Fassaden. Neben seiner riesigen Vinyl-Sammlung – er war zeitweise DJ und Rocksänger – wuchsen die Ordner mit Skizzen, Fotos und Werkdokumentationen. Als er 2004 ein Atelier im Kesselhaus Weil am Rhein bezog, war er in Galerien und an Kunstmessen bereits gern gesehener Gast; er trat bei Live-Paintings auf, gab Workshops und Interviews, signierte Bücher. Auf dem Zenit seines Erfolgs ist Sigi von Koeding am Samstag in einem Basler Spital seinem Krebsleiden erlegen. Mit ihm verliert Basel jenen Künstler, der die Anerkennung der Strassenkunst massgeblich vorangetrieben hat. (Basler Zeitung)
Erstellt: 09.03.2010, 13:43 Uhr
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19 Kommentare
Liebe Yvette und Ueli, ich bin bestürzt, dass Sigi so früh sterben musste. Er hinterlässt eine grosse Lücke, doch auch viele, schöne Erinnerungen. Sigi wird man nie vergessen, denn seine Bilder sprechen von ihm weiter! Liebe Grüsse und herzliches Beileid schickt euch Lea Antworten
R.I.P. DARE du hast uns alle inspiriert und gekämpft für die Sache wie ein Lowe... Sollst du in Ruhe frieden und Deine Werke noch lange bestehen. Also Ihr Sprayer da draussen, don't touch his styles!!! @Peter Berger: Eine Gernation trauert um ein Vorbild, das nicht geschmiert sonder kreiert hat. !! Bisschen Pietät wäre angebracht nun !! Danke Antworten
Ich kann es immer noch nicht fassen, es ist so Traurig und macht sehr weh im Herzen. Sigi wurde uns aus dem Leben gerissen, so brutal und schnell, ich kann es immer noch nicht fassen. Ein wunderbarer Freund und lieber Mensch ist nun im Himmel und immer wenn uns ein Sonnenstrahl im Gesicht streift sendet er uns eine Liebe Botschaft. Ich vermisse Dich, Erich Antworten
ja, da haben wir eine grossen kuenstler verloren. sigi durfte ich eine zeitlang mit meiner graffitti-agentur begleiten. er war immer da und sprayte in den 90-er-jahren bei meinen bemuehungen, die graffitti-kunst salonfaehig zu machen, an verschiedenen happenings. nun ist er leider so frueh von uns gegangen. seine kunst wird mich mit guten gedanken bis zu meinem ableben begleiten. peter schweizer Antworten
Ich bin sehr traurig, dass Siggi von Koeding so früh hinübergehen musste. Ich habe, seit er in unserer Galerie "Pathologie und Kunst" vor vielen Jahren mit einigen Freunden seine Arbeiten life gesprayt und dann ausgestellt hat, seine Aktivitäten interessiert und begeistert bewundert. Seine unvergleichliche Persönlichkeit hat mich immer fasziniert. Basel ist auch durch seinen Tod äermer geworden. Antworten
Ich muss Peter Berger Recht geben. Ich hätte es auch vorgezogen, wenn DARE mehr Häuschen mit einem Baum daneben, vielleicht mit einem springenden Hund und zwei Strichmännchen-Kindern gemalt hätte. So wie richtige Kunst eben aussieht. Buchstabenzüge aus einer flachen Wand herausspringen, sich drehen, biegen und sie lebendig werden lassen kann ja jedes Kind! Antworten
@Lardi: Bitte informieren Sie sich zuerst, bevor Sie Gefühle anderer verletzen. DARE war ein ganz Grosser der Szene und wird mit seinem Tod zur Lengende und somit unsterblich. Basel kann stolz sein auf Leute wie ihn. Sehen Sie die weltweiten Artikel über seinen Tod. Er hat tausende mit seiner Art berührt. Seine Kunste hatte nichts mit Schmiererei zu tun. Antworten
Ich bedaure den Tod von Sigi. Aber Kollegen von ihm würdigt ihn indem ihr etwas Besseres macht. Deshalb mein Aufruf an die " Verschmierer". Wieso malt ihr zu 90% nur Buchstaben? Das finde ich unschön. Seid ihr nicht zu mehr, nämlich zu Bildern fähig? Wie die Mauer beim Felix-Platter Spital. Dies, unter der Voraussetzung des Einverständnisses des Grundbesitzers, wäre wesentlich akzeptabler. Antworten
in der Tat einer der grössten zeitgenössischen Künstler der Schweiz. ein Pionier der Strassenkunst. Ein Mentor für viele NoNames. Er hat viel dazu beigetragen dass Graffiti sich endlich etabliert und nicht nur als Schmiererei abgetan wird. Leider nimmt das die Tagespresse nicht ernst genug, denn alle schreiben den gleichen Text über sein Meisterwerk - sein Leben. Scha(n)de! Antworten





erich Maurer
Lieber Sigi Bald sind schon zwei Jahre vorbei wo du uns in den Himmel entflohen bist. Ich denke sehr viel an dich und sehe Dich immer noch vor meinem dritten auge wie du in unserem Garten sitzt und an deinem lieben Cappuccino nippst. Ich vermisse dich. Erich Antworten