Kultur

Steht hinter der 100-Millionen-Absage ein Erbstreit?

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 14.10.2010 29 Kommentare

Die Rücknahme der 100-Millionen-Franken-Spende hinterlässt in Luzern einen Scherbenhaufen. Hinter der Spende wird eine deutsche Milliardärsfamilie vermutet, die kürzlich einen Todesfall zu verkraften hatte.

Lebte bescheiden und zurückgezogen: Mäzen Christof Engelhorn.

Video

Der letzte öffentliche Auftritt des Kunstmezäns: Christof Engelhorn hält eine Rede bei der Diplomfeier der Luzerner Hochschule für Gestaltung 2007. (Video: kultpavillon.ch)

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Das Projekt ist für die Schweiz beispiellos. Luzern präsentierte 2007 die Pläne für einen neuen Musiktheater-Bau nach den Vorstellungen von Pierre Boulez, dem grossen alten Mann der zeitgenössischen Musik. 120 Millionen Franken sollte die Salle Modulable kosten, die einst in Paris gescheitert war. Selbst die «New York Times» zeigte sich bei der Projektpräsentation beeindruckt über dieses Haus, das der Musik völlig neue Möglichkeiten zu eröffnen versprach.

Die Finanzierung hätte rein privat erfolgen sollen. 2007 wurde kommuniziert, anonyme Gönner hätten das nötige Geld bereits zugesichert. Wer war bereit, Luzern 120 Millionen Franken für ein Kulturhaus von internationaler Bedeutung zu spenden? Wer verfügt über solche finanziellen Mittel? Die Augen richteten sich rasch auf den deutschen Milliardär Christof Engelhorn, der seit über 20 Jahren mit seiner Frau in Meggen lebte und zahlreiche wohltätige Stiftungen ins Leben rief. Darunter die Art Mentor Foundation, die unter anderem die Lucerne Festival Academy von Pierre Boulez grosszügig unterstützt. 2005 initiierte Christof Engelhorn in Luzern die Student Mentor Foundation, die preisgünstigen Wohnraum für Studierende schaffen möchte. Die Stiftung will für 31 Millionen Franken bis zum Herbst 2011 in Luzern Wohnungen für 280 Studenten errichten.

1,9 Milliarden Euro Vermögen

Christof Engelhorn starb im August dieses Jahres im Alter von 84 Jahren. Er hinterlässt neben seiner Ehefrau eine Tochter und zwei Enkel. Die Familie Engelhorn hatte nie offiziell bestätigt, hinter der 120-Millionen-Franken-Spende zu stehen. Auch der Kommunikationsberater Sacha Wigdorovits, der für die Kommunikation des Spendenrückzugs beauftragt wurde, sagt nichts zu den Spendern, obwohl die «SonntagsZeitung» bereits im Dezember 2009 Engelhorn als Spender offenbart hatte.

Indirekt bestätigt nun aber eine Mitteilung der Stiftung Salle Modulable, dass sich hinter der Spende Engelhorn verbirgt: «Der Stiftungsrat nimmt mit grosser Überraschung zur Kenntnis vom Willen der Nachkommen des privaten Gönners, die zugesagte Unterstützung von 120 Millionen Franken für die Salle Modulable zurückzuziehen. Diese Absicht widerspricht klar dem Willen des kürzlich verstorbenen Gönners.» Offiziell erfolgte der Rückzug der Spende wegen der Ungewissheit bezüglich Standort, Bau- und Betriebskosten, die Stellungnahme des Stiftungsrats legt jedoch nahe, dass auch Erbstreitigkeiten mitspielen könnten.

Lebte bescheiden und zurückgezogen

Christof Engelhorn ist der Cousin von Carl Engelhorn, dem deutschen Pharma-Unternehmer, der 1997 die Boehringer Mannheim für 16 Milliarden Franken an Roche verkaufte. Mithilfe einer verworrenen Holdingstruktur schaffte es Carl Engelhorn, dass bei dem Deal der deutsche Fiskus leer ausging, was in Deutschland für Empörung sorgte. Die Familie Engelhorn zählt heute zu den reichsten Familien Deutschlands. Das deutsche «Manager-Magazin» schätzte 2007 das Vermögen allein von Christof Engelhorn auf 1,9 Milliarden Euro.

«Christof Engelhorn und seine Frau Ursula lebten hier sehr bescheiden und zurückgezogen», zitierte die «Neue Luzerner Zeitung» den Megger Gemeindepräsidenten Andreas Heer nach dem Tod Engelhorns. Zuletzt trat der Kunstliebhaber 2007 öffentlich auf, als er an der lokalen Hochschule für Gestaltung und Kunst die Diplomrede hielt (siehe Video). Er bezeichnete sich darin als «Laie, unstudiert, seit über 60 Jahren mit Ehefrau Ursula an Kunst interessiert». (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.10.2010, 12:19 Uhr

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29 Kommentare

lisa schaller

14.10.2010, 11:52 Uhr
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Eine 100 Mio-Spende vom deutschen Milliardär Christof Engelhorn für ein Kultur-Prestigeobjekt, mit dem sich dann die CH wieder brüsten kann/will. Da muss man die Nachkommen absolut verstehen, diese Spende (von einem DE !) nicht zu veranlassen. Nehmen würden die CH's das Geld typischerweise aber schon gerne, trotz der latenten DE-Feindlichkeit der CH gegenüber DE. Antworten


Kurt Hauser

14.10.2010, 11:37 Uhr
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Luzern ist doch mit dem KKL gut bedient! Antworten




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