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Venus abgespeckt

Es ist bloss ein kleiner, feiner Unterschied – Photoshop macht es möglich. Wie aus der Muse der Renaissance ein Hardbody der Neuzeit wird.

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Andächtig vor Botticellis Venus stehend kommt der kritische Zeitgenosse nicht umhin, sich zu fragen: Findet diese Frau auf dem Gemälde tatsächlich jemand schön? Schliesslich verkörpert Venus – die Göttin der Liebe, des erotischen Verlangens – die Schönheit par excellence. Etwas gar prall und pummelig mag sie dem Betrachter erscheinen, etwas zu rund und korpulent.

Vorstellungen divergieren

Die Italienerin Anna Utopia Giordano schafft hier Abhilfe. Sie hat sich der altehrwürdigen Venus angenommen und diese mittels Photoshop auf heutige Masse getrimmt. Giordano ist selbst Model und weiss somit, was sie tut, wenn sie die Körper der Musen Tizians oder Hayez' «abrundet», sprich auf Diät setzt. Kaum merklich werden Hüften verschmälert, Schenkel gestrafft, Bäuchlein retouchiert. Aus der üppigen Primadonna wird bald ein graziles, feenhaftes Wesen. Des Weiteren werden Taillen akzentuiert, Arme verschlankt und Brüste optimiert. Die Posen von damals ähneln jenen aus Editorials von heute, und ein paar Mausklicks später fläzen sich keine behäbigen, leicht aufgedunsen Körper mehr auf den samtenen Chaiselongues, sondern es räkeln sich galant die zierlichen Modepüppchen mit dem Body-Mass-Index einer Gisele Bündchen.

Dass die Vorstellungen von der idealen Körperform je nach Kultur und Zeitepoche divergieren, ist wissenschaftlich verbrieft. Giordano selbst schreibt auf ihrer Website: «Der Schönheitsbegriff hat sich im Laufe der Geschichte gewandelt. Von den klassischen Proportionen der Antike zu den üppigen Formen der Renaissance bis hin zur schmalen Linie der Neuzeit.»

Was aber hätte Botticelli zu Bündchen gesagt, wenn sie ihn um ein Nacktportrait gebeten hätte? Etwa: «Danke, nein, Sie entsprechen nicht dem geläufigen Schönheitsideal»?

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.03.2012, 15:41 Uhr

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