Kultur
Vollgepumpt mit Adrenalin
Aktualisiert am 22.06.2011 14 Kommentare
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Nicolai Howalt wurde 1970 in Kopenhagen geboren und studierte 1992 Fotokunst an Dänemarks School of Fatamorgana. Das Merkmal seiner Arbeit ist die Schnittstelle zwischen konzeptioneller Fotografie und Kunstinstallation.
Im August erscheinen Howalts Fotografien, die er bereits vor Jahren aufgenommen hat, unter dem Titel «78 Boxers» in einem Bildband bei Forlaget Hjørring.
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Wilfried Sauerland, der deutsche Boxpromoter, hat einmal gesagt: «In 12 Runden lernen sich Boxer besser kennen als so manche Menschen in 12 Jahren im Büro.» Es ist schon so: Im Boxkampf geht es letztlich darum, seine physische, aber auch psychische Kraft einzusetzen und anhand eines Gegenübers die gemeinsamen Grenzen auszuloten. Tut man dies nicht, ist der Kampf respektive die Beziehung vorbei. Man könnte auch sagen: Boxen stellt eine Begegnung von zwei Menschen dar, die sich gegenseitig den maximal möglichen Respekt erweisen.
So weit die Sicht der Box-Fans. Andere sehen Boxen freilich schlicht als barbarisch und brutal an. Wie auch immer man zum Boxen steht – dass von diesem Sport eine Faszination ausgeht, der man sich nur schwer entziehen kann, steht fest. Der dänische Künstler Nicolai Howalt hat dies in seinem Projekt «Boxer» auf die Spitze getrieben – indem er keine Profis aufgenommen hat, sondern Jugendliche.
Von dem eigentlichen Kampf ist auf den Bildern allerdings nichts zu sehen. Von den Spuren hingegen sehr wohl. Auf der linken Seite seiner Bilder sind Boxer vor dem Kampf zu sehen, ernst, angespannt und unversehrt. Rechts sieht man die Jungen nach dem Kampf: die einen verschwitzt, blutig und vollgepumpt mit Adrenalin. Andere unversehrt, aber mit vor Schrecken weit geöffneten Augen.
Schwelle zum Erwachsenenalter
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Nicolai Howalt mit den Auswirkungen physischer Gewalt auseinandersetzt. Bereits im Projekt «Car Crash Studies» widmete er sich dem Thema; Aufnahmen von zersplitterten Windscheiben, aufgeblasenen Airbags, demoliertem Blech. «Was mich am Boxen interessiert hat», so Howalt gegenüber baz.ch/Newsnet, «ist die Metamorphose der Jungen. Zuerst sehen wir in ihren Augen Unschuld und Angst, dann so etwas wie eine neu gefundene Identität.»
Howalt, der früher selber boxte, will mit dem Kunstprojekt auch jenen Moment im Leben eines Jungen einfangen, «wo er an der Schwelle zum Erwachsenenalter» ist. Tatsächlich blicken einem auf den Bildern links Teenager entgegen – rechts, also einen Boxkampf später, wähnt man die Protagonisten gealtert. Nicht nur wegen der Erschöpfung, auch ihr Blick hat etwas Erwachsenes. Seine Fotografien, sagt Howalt, dokumentieren «Veränderung und Verletzlichkeit.» Sowohl physisch als auch mental. Ob und was die jungen Kämpfer gelernt haben, bleibt aber ihr Geheimnis. (phz)
Erstellt: 22.06.2011, 14:20 Uhr
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14 Kommentare
Der Kampf ist so alt wie die Menschheit. Wenn man von Jugendgewalt redet, sollte man sich vielleicht auch mal wieder überlegen ob in unser durchgesteilten Welt nicht auch dem Kampf sein angemessener Raum gegeben werden muss. Kräfte messen gehört zur Jugend dazu. Darum ist es besser in geordneten Bahnen zu lenken, als es den Zufall zu überlassen.Gebt dem Boxen den Platz zurück, dem Ihm gebührt. Antworten
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