«Ein Porträt sollte ähnlich sein»

Fürst Hans-Adam II. von Liechtenstein sammelt Kunst im Sinne seines Vaters. Er selber sieht es ziemlich nüchtern.

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Haben Sie den Trinkautomaten in Hirschform selber schon benutzt?
Nein.

Was erhoffen Sie sich von der Berner Ausstellung?
Wir stellen immer wieder Leihgaben aus unseren Sammlungen den verschiedenen Museen weltweit für Ausstellungen zur Verfügung.

Wie wichtig war und ist die Beschäftigung mit Kunst am Hof? Wie wichtig ist sie für die Bildung und Erziehung der Thronfolger?
Zuerst möchte ich vorausschicken, dass es bei uns keinen Hof gibt, ausser dem Schlosshof, in dem wir unsere Autos parkieren. Im Schloss bin ich mit meinen Geschwistern aufgewachsen – umgeben von Kunstgegenständen. Eine Bildung oder Erziehung in diesem Bereich hat es nicht gegeben, abgesehen davon, dass es uns und unseren Freunden immer nahegelegt wurde, sehr aufzupassen bei den Kunstgegenständen, die entweder an der Wand hängten oder irgendwo herumstanden.

Die Ausstellung zeigt viele religiöse Gemälde. Hat die Sammlung Ihren Glauben beeinflusst?
Nein.

Was macht ein gutes Porträtbild eines Fürsten aus?
Es sollte ähnlich sein, was bei modernen Porträts leider allzu oft nicht der Fall ist.

Sie selber haben die Sammlung um einige Stücke erweitert. Nach welchen Kriterien kaufen die Fürstlichen Sammlungen ein?
Nachdem es mir gelungen ist, das fürstliche Vermögen zu reorganisieren und neu aufzubauen, habe ich meinem Vater vorgeschlagen, wieder einen Direktor für unsere Sammlungen anzustellen. Ausserdem berät uns ein Kunstbeirat, der mit Fachleuten besetzt ist. Uns ging es immer darum, entweder Kunstwerke, die in den Sammlungen waren und die mein Vater zwischen 1945 und 1970 verkaufen musste, zurückzukaufen oder ähnliche Stücke zu erwerben, die in die Sammlungen passen.

Ihre Sammlung ist über 400 Jahre hinweg gewachsen. Ist die Monarchie demokratischen Institutionen in der Pflege von Kunst überlegen, weil ihre Vertreter – im Gegensatz zu demokratisch gewählten Verwaltern – in längeren Zeiträumen planen und klarer Akzente setzen können?
Es ist sicher von Vorteil, wenn man bei der Pflege einer Kunstsammlung in Generationen denkt.

Gibt es andere Monarchen, deren Kunstsinn Sie bewundern?
Was andere Monarchen anbelangt, war das – soweit ich mich erinnere – nie ein grosses Gesprächsthema. Ich selbst verstehe nicht allzu viel von Kunst zum Unterschied zu meinem Vater, der diesbezüglich nicht nur interessiert sondern auch begabt war. Deshalb war es für ihn besonders tragisch, dass er Teile unserer Kunstsammlung verkaufen musste, aber glücklicherweise haben meine Eltern noch erleben dürfen, dass es uns wieder möglich war, die Sammlungen zu erweitern.

Woher stammt Ihre Vorliebe für Skulpturen und Möbel?
Ich habe keine besondere Vorliebe für Skulpturen und Möbel. Mir sind Bilder, Porzellan oder andere Bereiche aus unseren Sammlungen genauso lieb.

2004 haben Sie das Badminton Cabinet für 27,5 Millionen Euro gekauft. Nie war für ein Möbelstück mehr bezahlt worden. Warum der Kauf? Warum zeigen Sie das Cabinet nicht in Bern?
Wir hatten bereits eine bedeutende Pietra Dura-Sammlung, und das Badminton Cabinet ist zweifellos mit Abstand das bedeutendste Kunstwerk in diesem Bereich. Es ist vielleicht vergleichbar mit einem Bild von Leonardo, aber davon gibt es einige, und es gibt sicher unterschiedliche Ansichten darüber, welches das bedeutendste Gemälde ist – sei es von Leonardo oder anderen Malern. Ich weiss nicht, ob es überhaupt eine Anfrage gab, das Cabinet in Bern auszustellen, aber ich nehme an, man hätte so einen Wunsch auch abgelehnt. Der Transport eines so grossen Möbelstücks ist nicht nur sehr aufwendig sondern auch mit erheblichen Risiken verbunden. Sie müssen das ganze Möbelstück auseinandernehmen, sorgfältigst verpacken und dann wieder zusammensetzen.

Warum haben Sie 2008 das Bild «Der Steuereintreiber» erworben? Doch nicht etwa, um Ihrem Ärger über Finanzregulatoren Ausdruck zu verleihen?
Nein, es ist ein sehr schönes Bild in hervorragendem Zustand, was bei so alten Bildern nicht immer der Fall ist, und der Preis war relativ günstig.

In der Ausstellung ist von «schmerzlichen Verkäufen» die Rede. Welcher dieser Verkäufe erachten Sie als besonders schmerzhaft?
Als besonders schmerzhaft erachte ich die Tatsache, dass diese Kunstwerke allzu oft sehr schnell und deswegen zu niedrigen Preisen verkauft wurden. Ausserdem wurde ein Teil dieses Geldes in Unternehmen investiert, die nicht sehr erfolgreich waren und die dann weitere Verluste verursacht haben.

Die Sammlungen haben nach dem Zweiten Weltkrieg sukzessiv Kunst zurückgekauft, die wegen Geldmangels verkauft werden mussen. Ging es dabei um die Wiederherstellung eines monarchischen Stolzes? Warum haben Sie stattdessen nicht einfach neue Kunst gekauft?
Mein Vater hatte bei den Verkäufen zwischen 1945 und 1970 immer noch die Hoffnung, dass es eines Tages wieder gelingen wird, einen Teil der Kunstwerke entweder zurückzukaufen oder gleichwertige Kunstwerke zu erwerben, die in die Sammlungen passen. Ich selbst bin kein Kunstkenner und hätte nie begonnen, eine Sammlung anzulegen. Mir gefällt die alte Kunst besser als die moderne Kunst. Ausserdem haben wir bei der alten Kunst ein gewisses Know-How und dieses müssten wir bei der modernen Kunst erst aufbauen.

Weshalb kaufen Sie keine moderne, keine zeitgenössische Kunst? Welche würde Sie reizen?
Keine.

Ausstellung «Die Fürstlichen Sammlungen». Kunstmuseum Bern, bis 19.3.2017 (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.01.2017, 15:52 Uhr

Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein wurde 1945 in Zürich geboren. Sein Taufpate war Papst Pius XII. Er ist der Sohn von Franz Josef II. und seit dessen Tod 1989 der 15. Fürst Liechtensteins. Er steht damit an der Spitze des Staates Liechtenstein und des Fürstenhauses. 2004 delegierte er die Regierungsgeschäfte an seinen Sohn, den Erbprinzen Alois. (lsch) (13. Februar 2015) (Bild: Keystone )

Die Ausstellung

Hans-Adam II. ist im Besitz einer der grössten privaten Kunstsammlungen der Welt. Meisterwerke europäischer Kunst aus fünf Jahrhunderten von der Gotik bis zum Barock bilden den Kernbestand dieser Sammlung.

Das Mäzenatentum sowie die Sammeltätigkeit des Hauses Liechtenstein reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück, konsequent wurde dieses Ideal von der Familie Liechtenstein über Generationen gepflegt.

Die Kunstwerke dienten ursprünglich zur Ausstattung der Residenzen, Schlösser und Paläste der Familie. Ab 1705 wurde der Kern der Sammlungen im Stadtpalais der Familie in der Wiener Innenstadt präsentiert. Ab 1807 wurden die Sammlungen im barocken Gartenpalais in der Wiener Rossau öffentlich zugänglich gemacht. Bis 1938 war Wien Mittelpunkt der Sammlungen. In den letzten Kriegswochen wurde die Sammlung vor der Beschlagnahmung durch die Nazis nach Vaduz in Sicherheit gebracht. Durch die aktive Ankaufspolitik des seit 1989 regierenden Fürsten konnten die Bestände durch über 800 Neuerwerbungen ergänzt werden.

Bereits die Fürsten Karl I. (1569–1627) und Johann Adam Andreas I. (1657–1712) bauten noch im 17. Jahrhundert eine der hochkarätigsten Sammlungen flämischer Malerei auf, die in den vergangenen Jahren um Werke von Quentin Massys bis Peter Paul Rubens erweitert wurde. Die Malerei – vertreten durch Gemälde alter Meister der wichtigsten europäischen Schulen vom 14. bis zum 18. Jahrhundert sowie Künstler des Biedermeier – bildet bis heute den Kernbestand der Fürstlichen Sammlungen.

Viele der Verluste aufgrund von Verkäufen in der Nachkriegszeit wurden seit den 1970er-Jahren durch Neuerwerbungen kompensiert, vor allem die Skulpturensammlung wurde durch wichtige Akquisitionen wesentlich aufgewertet. Zum heutigen Zeitpunkt umfassen die Sammlungen etwa 1700 Gemälde, italienische Bronzen, Emaillen, Elfenbeine, Porzellane, Tapisserien und Möbel. Die Kunstwerke verteilen sich auf das Schloss und diverse Depots in Vaduz sowie seit 2004 auf das Garten- und Stadtpalais Liechtenstein in Wien, welche beide ausschliesslich im Rahmen von Führungen besichtigt werden können.

Alexander Sury

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