Kultur
Angeschlagene Houston kämpft sich durch Zürcher Konzert
Von Adrian Schräder. Aktualisiert am 10.05.2010 30 Kommentare
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Das Konzert begann eigentlich schon Tage, vielleicht sogar Wochen, bevor die Sängerin vor dem Zürcher Publikum stand. Einerseits waren da Meldungen von der laufenden Welttournee – der ersten seit zig Jahren –, die von Australien und England herüberschwappten. Von einer abgekämpften, fahrigen, schwachbrüstigen Whitney Houston war zu lesen. Einer, die sich nicht mehr an die Namen ihrer Bandmitglieder erinnerte und mitten in einem Lied absetzen musste, um Wasser zu trinken.
Andererseits hörte man sich in der Vorbereitung wieder einmal durch ihr Repertoire der letzten 25 Jahre, durch die kraftvollen Balladen und R-&-B-PopFetzer, die Houston im Laufe ihrer Karriere eingesungen hat. Und auch wenn einigen anzuhören ist, dass sie einige Jahre auf dem Buckel haben – etwa an den langen Saxofon-Solos, wie sie in den Achtzigern en vogue waren –, so war man doch immer wieder angetan von der Kraft, die von ihnen ausgeht. Diese lang ausgehaltenen Töne, diese Stimmbewegungen, dieses kurze Antönen der Zwischentöne beim Heraufund Herabsteigen der Melodiebögen: Wer hat sonst so eine klare, Schmerz in Kraft verwandelnde, alles bodigende Stimme? Sogar den Kitsch, der vielen dieser Lieder anhaftet, macht sie erträglich. Wer an ewig währende Liebe denkt, der denkt an «I Will Always Love You», gesungen von Whitney Houston. Nur dass ihre Liebesbeziehung zum Sänger Bobby Brown eben nicht ewig hielt und wohl für einen grossen Teil ihrer Missgeschicke verantwortlich ist.
Liebeserklärung an Zürich
Rund 8300 Fans sahen am Sonntagabend im bestuhlten Zürcher Hallenstadion eine Whitney Houston, die einen etwas ratlos zurückliess: Ganz klar nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte, kämpfte sie sich tapfer durch ihr Programm. Sie war deutlich gewillt, zu zeigen, was ihre Stimme und ihr Körper noch hergeben. Trotzdem fragte man sich: Geht sie auf Tour, um sich wieder in Form zu bringen? Wieso wartet sie damit nicht, bis sie vollends wieder bei Kräften ist? Wird sie das je wieder sein?
Jugendlichkeit kann sie niemandem mehr vorschwindeln. Bereits nach den einleitenden zwei Stücken ihres aktuellen Albums «I Look to You» nahm sie eine Auszeit, tupfte das schweissnasse Gesicht ab und gab schwer atmend einen Ausblick auf den Abend. In diesen Pausen, die immer wiederkehrten, erzählte sie, wie sehr ihr Zürich gefalle, oder wies auf verstorbene Idole und Freunde wie Donny Hathaway oder Michael Jackson hin. Eigentlich war es clever, wie sie ihre Stimme nur punktuell einsetzte, ihre vierköpfige Background-Gesangstruppe die Lücken auffüllen liess und sich wie einst Boris Becker auf die Big Points konzentrierte. Doch der deutsche Tennisspieler stand stundenlange Fünfsätzer durch, Houston servierte höchstens zweiminütige Häppchen. So setzte sie etwa lange ab und holte tief Luft, bevor sie jenen ausgehaltenen Liebesschwur im Refrain von «I Will Always Love You» doch noch ansatzweise hinter sich brachte. Zur Belohnung erhielt sie warmen Applaus. Doch die Fragen bleiben. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 09.05.2010, 21:09 Uhr
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30 Kommentare
Was die Leute so alles wollen... ! Ire Stimme ist sicherlich nicht mehr die frühere, aber man müsste OBJEKTIV genug sein, um das Verbleibende (und das, was noch kommen wird!) zu schätzen: sie IST und BLEIBT eine der schönsten Stimmen weltweit! Manche Ex-Models z. B. sehen mit ihren Fältchen und Alterszeichen DEUTLICH faszinierender aus als manch junge Bohnenstange...und ich bin 24 Jahre jung! Antworten
Was soll DAS? ... "etwa an den langen Saxofon-Solos, wie sie in den Achtzigern en vogue waren" - meine Nerven. Da war wenigstens noch was los mit der Musik, nicht so wie heute. No melody, stupider beat - einsförmig, uniformiert und laaaaangweilig bis zum geht nicht mehr. Und von wegen langen Solis: hört Euch mal Coltrane, Adderley, Parker etc. an, da geht die Post wenigstens noch ab ! Antworten








