Kultur
BAP, forever young
Von Nick Joyce. Aktualisiert am 28.11.2008 1 Kommentar
Begeisterte: Wolfgang Niedecken von BAP. (Bild: Keystone)
Entweder man war in den 80er-Jahren selber dabei, als sich BAP zur Hausband der deutschsprachigen Sozialdemokratie entwickelte, oder man hat die LPs der Kölner von den Eltern in den Kinderwagen gelegt bekommen. In den Biografien der anwesenden Zuschauergenerationen scheint die Euphorie begründet, die das Volkshaus am Mittwochabend erschüttert: Bis ans Ende des 140 Minuten langen Sets wird gejubelt, gesungen und getanzt, und ohne einen langen Zugabenblock lässt das begeisterte Publikum Wolfgang Niedecken und seine Weggefährten nicht von der Bühne.
Nichts gegen das Kernrepertoire, das ja das unverwüstliche «Kristallnacht» enthält und mit Inbrunst und Freude aufgeführt wird. Nur haben die alten Arrangements eine irritierende Mastigkeit, die umso mehr auffällt, weil der Jahrgang eines Stücks sowohl Stil wie auch Spielart bestimmt. Die Songs aus den jüngst erschienenen Parallelalben «Radio Pandora» kommen ohne Schwunghebelsalat oder Arpeggioattacken von Gitarre und Keyboards aus – und machen deutlich, dass die aktuelle BAP-Besetzung viel näher bei den musikalischen Vorbildern operiert als frühere Ausgaben.
Energiegeladener Konzerthöhepunkt
Als «Für immer jung» wird Bob Dylans «Forever Young» hymnisch und bleibt doch berührend, «Et ess wie’t ess» fügt sich nahtlos ins Riffvokabular der Rolling Stones ein, und «Diego Paz wohr nüngzehn» erweist sich als Hardrock-Variation auf den TalkingBlues eines John Lee Hooker. Bei diesem energiegeladenen Konzerthöhepunkt muss man BAP schon fast mit den jungen Deep Purple vergleichen, an anderer Stelle fallen einem hingegen ungünstige Gemeinsamkeiten mit den späten Dire Straits ein.
Dieses Wechselbad aus Stilen und Spielweisen macht die Reise, auf die Wolfgang Niedecken sein Publikum mitnehmen will, denn auch etwas holperig: «Songs sind wie fremde Länder, wo man schon immer hin wollte», verspricht der sympathische Sprechsänger schon früh. Für die spät Hinzugekommenen im Zuschauerraum, die BAPs Musik nicht aus der Studentenwohngemeinschaft oder vom Elternhaus her kennen, ist das Repertoire aber mit einigen Destinationen gespickt, zu denen man nur ungern aufbricht. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.11.2008, 08:36 Uhr
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1 Kommentar
Nabend zusammen, irgendwie kann ich ´mich ja fast mit der Meinung von Nick Joyce identifizieren, nur das der Gig nicht 140 Minuten kurz war sonder über 190 Minuten. Die wollen wir dem hoffentlich breiten Publikum doch icht wirklich vorenthalten oder ? LG Georg Antworten
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