Kultur

Baschi ist jetzt auch ein anderer

Traurig und einsam soll er den deutschen Markt erobern: Baschi überzeugt auch als melancholischer Musiker.

Er hat kluge Marketingstrategen: Baschi präsentiert sich mit neuem Look und traurigen Liedern.

Er hat kluge Marketingstrategen: Baschi präsentiert sich mit neuem Look und traurigen Liedern.
Bild: PD

Baschi gibt es jetzt doppelt, einmal für uns und einmal für unsere nördlichen Nachbarn. Also «Baschi national» und «Baschi Deutschland». Die beiden sind unterschiedlich erfolgreich. «Baschi Deutschland» wartet seit Monaten darauf, dass sein in akzentfreiem Hochdeutsch eingesungenes Album «Auf grosser Fahrt» im drittgrössten Musikmarkt der Welt veröffentlicht wird. Das Label hat den Release mehrmals verschoben. Nun hat die Schweizer Filiale der Plattenfirma beschlossen, «Baschi Deutschland» zunächst mal im überschaubaren Heimmarkt herauszubringen. Zwei Baschis in einem kleinen Land – das wird eng und ziemlich kompliziert.

Nun stellt sich nämlich heraus, dass dieser 23-jährige Sebastian Bürgin aus Gelterkinden, eine nationale Berühmtheit seit der ersten «Musicstar»-Staffel auf SF 1, nicht der ist, für den man ihn hielt. Er, der früher gerne im Fussballtrikot auftrat, vom Kiffen sang und sich mit Pornostar Rocco Siffredi verglich, erweist sich als introvertierter Zauderer, Zweifler und Profimelancholiker. So erzählt er, wie es sich anfühlt, «wenn es regnet, obwohl die Sonne scheint». Ausserdem weiss Baschi: «Jedes Wort ist ’n Ort, wo die Lüge eine Heimat hat.»

Überzeugendes Soft-Emo-Produkt

Sicher: Das hinkt und holpert noch ein bisschen. Ebenso sicher: Der neue Baschi ist vor allem das Produkt kluger Marketingstrategen. Mit einem traurigen, einsamen und überdurchschnittlich verzweifelten Interpreten lässt sich der deutsche Markt derzeit am leichtesten erobern. Bei Silbermond, Tokio Hotel und Christina Stürmer hat ja exakt diese Rezeptur bestens hingehauen. Trotz allem: Baschi macht das auf «Auf grosser Fahrt» ziemlich überzeugend. Selbst wenn es sich bei den Songs grösstenteils um Stangenware aus der Soft-Emo-Abteilung handelt (Produzent: Mirko Schaffer). Sehr wohltuend ist etwa, dass Baschi sein apartes Stimmorgan nun für Intimeres als die hinlänglich bekannten Mitgröl-Nummern einsetzt. Und besser aussehen tut er auch, seit sie ihm in Deutschland diesen James-Dean-Look verpasst haben.

Bereits auf den nächsten Dezember hat Universal Music Schweiz ein neues Album von Baschi angekündigt. Bleibt zu hoffen, dass es ein Mundart-Werk von «Baschi Deutschland» wird. Und nicht die Rückkehr des «Baschi national». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.09.2010, 06:25 Uhr

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3 Kommentare

Christian Cortesi

07.09.2010, 10:32 Uhr
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Auch wenn seine Musik nicht unter meinen Lieblingen ist, ich mag seine schnoddrige Art. Neben den ganzen Weichgespülten immerhin ein Charakterkopf. Ich wünsche ihm alles Gute und den Erfolg den er sich wünscht. Mit ihm und Stefanie Heinzmann kann ich international jedenfalls viel besser leben als mit Bobo und Marco Rima. Antworten


Dino Weber

06.09.2010, 11:11 Uhr
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Fraglich, wie "klug" diese Marketingstrategen waren. Einfach das Rezept von Silbermond und Co. zu kopieren - wenig originell. Zudem kommt das Album nicht an die Vorbilder heran. Daher ist höchst fraglich, ob es in Deutschland 'einschlagen' wird. Die beiden Singles haben jedenfalls gefloppt. Man würde Baschi wahrlich bessere Marketingstrategen wünschen! Antworten


Edith Habermann

06.09.2010, 10:59 Uhr
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Baschi gibts nicht nur zwei mal, sondern drei mal. Der 'richtigen' Baschi' hat der Autor des Artikels vergessen. Der war früher mal bei den Lovebugs, als diese noch rockten. Und er rockt noch heute als Musiker. Die anderen beiden Baschis werden sang- und klanglos untergehen, wie alle auf dem Reissbrett entworfenen Casting-Produkte... Antworten



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