«Basel ist eine tolle Rock 'n' Roll City»

Vor seinem einzigen Schweizer Konzert traf sich die BaZ mit Slash, dem Ausnahme-Gitarristen und Rocklegende, zu einem Interview. Dass Slashs einziges Konzert in der Schweiz in Basel stattfindet, ist kein Zufall.

Vor seinem Konzert in der St.Jakobshalle Basel, gab der ehemalige Guns N'Roses Gitarrist der BaZ ein exklusives Interview. Wir zeigen einen Zusammenschnitt.
Video: Serkan Abrecht

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An der Garderobentür hängt ein grosses Schild, und es sagt schon alles. «El Jefe» steht da, der Chef residiert hier, Slash. Gitarrengott, lebende Legende, einst Mitglied der «gefährlichsten Band der Welt», Guns N’Roses, jener Hardrocktruppe, die Ende der 1980er und Anfang der 1990er den Ton in den Charts und auf den Konzertbühnen dieser Welt angab. Laut dem «Time Magazine» ist Slash nach Jimi Hendrix der zweitgrösste E-Gitarrist aller Zeiten.

Dass Slash im Gegensatz zu Hendrix noch lebt, hat mit mehr Glück als Verstand zu tun. Bereits zwei Mal klopfte der heute 49-jährige an die Himmelspforte: 1988, als man ihn vollgepumpt mit Heroin vor der Lifttüre eines Hotels in San Francisco liegen fand – ganze acht Minuten lang hatte Slash keinen Puls. Und 2001 bekam er einen Herzschrittmacher, weil er sich «fast totgesoffen» hatte. Seither trinkt er keinen Alkohol mehr, den Drogen hat er auch abgeschworen. Das Gitarrenspiel sei für ihn heute ein viel berauschenderer Trip.

Und nun sitzt er da, elf Minuten für ein Interview, das kürzer dauert als eines seiner Soli, «El Jefe», in einer Garderobe in den Katakomben der St. Jakobshalle, vier Stunden vor seinem Schweizer Konzert im Rahmen seiner «World on Fire»-Tour. Beantwortet noch kurz eine SMS, bevor er sich aufs schwarze Ledersofa setzt.

BaZ: Wir haben Dir eine Schachtel mit Schweizer Schokolade mitgebracht.
Slash: Könnt Ihr Gedanken lesen? Ich hab gerade vorhin jemandem den Auftrag gegeben, mir Schokolade zu besorgen. Vielen Dank!

Wie geht es Dir? Bist Du mit dem Verlauf der Tour bis jetzt zufrieden?
Sehr. Wir kommen direkt aus Paris, da haben wir zwei Konzerte gegeben. Es war genial. Tolles Publikum.

Du hast das auch auf Twitter kommentiert und gepostet.
Ja, Social Media geben mir die Gelegenheit, mit meinen Fans zu kommunizieren, und sie sind ein tolles Promotion-Tool. Meine jetzige Tour habe ich auf Facebook, Twitter und Instragram beworben. Privat nutze ich die Plattformen allerdings nicht. Ich mag das echte Leben besser.

Auf der Foto-App Instagram lädst Du insbesondere Deine Liebe zu alten Horrorfilmen hoch. Das ist ja schon länger ein Hobby von Dir, oder?
Ja, da poste ich laufend tolle Bilder. Seit Kurzem ist das auch Business: 2013 habe ich den Horrorfilm «Nothing left to fear» produziert, damit habe ich mir einen alten Traum erfüllt, ich bin seit jeher Fan solcher Filme. Und Ende Jahr beginnt die Produktion des nächsten Streifens.

Slash trägt immer noch den gleichen Look wie damals, als er mit Guns N’Roses die Welt eroberte: verspiegelte Sonnenbrille, schwarze wilde Mähne – und den kultigen Zylinderhut.

Insbesondere der Hut ist Dein unverkennbares Markenzeichen, seit fast 30 Jahren. Was hat es damit auf sich?
Ich denke, ich habe eine Art Schutz gesucht, als ich begann, mich unter dem Hut zu verstecken. Jetzt bin ich einfach zu faul, den Look zu ändern.

Hast Du Dir also nie überlegt, Deine Haare kurz zu schneiden?
Oh nein, keine gute Vorstellung! Ich lasse es wohl lieber so, ich bin ein Gewohnheitstier. Aber man soll nie nie sagen, vielleicht überlege ich es mir irgendwann doch anders.

Du spielst heute Abend vor 7000 Menschen, nächstes Jahr sieht man Dich an Festivals wie Rock am Ring. Was ist Dir eigentlich lieber, Konzerte im kleineren oder grösseren Rahmen?
Ich hatte ja schon alles. Und tatsächlich ist es ein unglaubliches Gefühl, wenn Dir abertausende Menschen zujubeln. Mittlerweile aber mag ich Konzerte im intimeren Rahmen viel besser.

Du bist seit bald zehn Jahren clean. Wie ist es, heute auf der Bühne zu stehen, stocknüchtern, im Vergleich zu den wilden Jahren mit Guns N’Roses?
Ihr Leute seid alle so nostalgisch! Grundsätzlich denke ich nie über Vergangenes nach, ich lebe im Hier und Jetzt und vermisse nichts, weder den Alkohol noch die Drogen. Auch wenn ich damals eine Wahnsinnszeit hatte, muss ich sagen, dass ich jetzt alles viel bewusster wahrnehme und geniesse. Früher war ich auf der Bühne oft total breit; manchmal hatte ich keine Ahnung, in welchem Land, in welcher Stadt und auf welcher Bühne ich gerade spiele. Das ist heute anders

Hast Du Dich in Basel umgesehen?
Nein, dafür hatte ich leider keine Zeit. Wir sind gestern Abend angekommen und gingen etwas essen, das war’s.

Wo?
Irgendwo in der Nähe meines Hotels, ich habe den Namen vergessen. Aber es war richtig gut!

1992 gaben Guns N’Roses ihren Auftritt im alten Joggeli-Stadion, vor zwei Jahren kamst Du zurück und spieltest hier in der Halle. Ist das Zufall?
Nein, ich mag es, in Basel aufzutreten, Ihr habt eine gute Rock-Kultur, hier habe ich viele Fans. Basel ist eine tolle Rock n’Roll-City.

Slash kommt am 23. Juni 1965 im englischen Stoke-on-Trent als Saul Hudson zur Welt. Die Eltern arbeiten in der Unterhaltungsbranche. Sein Vater gestaltet Alben-Cover für Rock-Bands. Seine Mutter ist Kostümdesignerin und entwirft die Outfits für Künstler wie John Lennon und David Bowie. Mit Letzerem wird ihr auch eine Liaison nachgesagt.

Als Slash elf ist, trennen sich die Eltern, er zieht mit der Mutter nach Los Angeles. Mit 15 hält er zum ersten Mal eine Gitarre in den Händen – und verschreibt sich fortan dieser Kunst, lässt die Schule sausen und gründet 1983 die Motörhead-Tribute-Band Road Crew und 1985 Guns N’Roses, die er 1996 im Streit mit Frontmann Axl Rose verlässt. Heute lebt er mit seiner zweiten Frau und seinen beiden Söhnen in Los Angeles; auf dem Walk of Fame in Hollywood leuchtet ein Stern für ihn.

Wie sieht ein typischer Tag im Leben von Slash aus?
Ziemlich unspektakulär. Ich bringe meistens die Kinder zur Schule, das ist ganz früh morgens. Deshalb schätze ich es, auf Tour zu sein, da kann ich auch mal ausschlafen (lacht). Wenn die Kinder in der Schule sind, schreibe ich viel, schaue neue Filmprojekte an, erledige dies und das. Jeder Tag ist anders.

Du lebst in Kalifornien, bist aber gebürtiger Brite. Hast Du Dir jemals überlegt, wieder nach England zu ziehen?
Ich lebe schon so lange in Los Angeles; man kann sagen, ich bin «amerikanisiert». Hier fühle ich mich heimisch, deshalb kann ich mir das nicht vorstellen, nein.

Fühlst Du Dich nun als Amerikaner oder als Brite?
Ich bin wer ich bin, die Nationalität spielt keine Rolle. Natürlich habe ich wegen meiner Herkunft eine besondere Beziehung zu England. Aber in Amerika, speziell in Los Angeles zu leben, ist sehr inspirierend für mich, weil es ein kosmopolitischer Ort ist. Und mein Vater lebt auch da, sowie die meisten meiner Freunde.

Michael Jackson, Lenny Kravitz, Iggy Pop, Lemmy Kilmister – die Liste der Künstler, mit denen Du zusammen gearbeitet hast, ist lang. Mit wem hattest Du am meisten Spass?
Mit Myles Kennedy, mit dem ich ­derzeit auf Tour bin, ist es einzig­artig, wir harmonieren perfekt. Und mit Lenny Kravitz war das auch ganz besonders, weil wir uns schon eine Ewigkeit kennen; wir gingen beide in die Beverly Hills High School und sind seither enge Freunde. Aber es ist sehr schwierig, diese Frage zu beantworten, weil jede Zusammenarbeit war auf ihre Weise speziell.

Hat jemand Spuren hinterlassen, Dich künstlerisch beeinflusst?
Mit Ray Charles, James Brown oder Ozzy Osbourne war das schon eine grosse Sache, mit ihrem Sound bin ich aufgewachsen. Da fühlte ich mich sehr geehrt.

Diese Herren können sich aber auch geehrt fühlen, Du gehörst zu den besten Gitarristen der Welt.
So sehe ich das nicht. Ich spiele einfach immer noch wahnsinnig gerne. Das ist mein Leben.

Wie siehst Du Dein Spiel heute? Bist Du nah dran an der Perfektion oder kannst Du Dich noch weiter entwickeln?
Das kann man immer, man hört nie auf, zu lernen. Ich habe auch meine schlechten Tage. Es ist ein kontinuierliches «Work in Progress».

Was für Musik hörst Du privat gerne?
Ich mag den alten Rock n’Roll, aber auch gewisse Neuheiten. Hin und wieder höre ich auch Radio.

Und gefällt Dir, was Du da hörst?
Es geht so. Es ist irgendwie nichts mehr Magisches, Kreatives dabei, das mich berühren könnte. Gut produziert Popmusik ist das, ohne Seele. Aber es gibt da doch einige neue Metal-Bands, aus denen etwas werden könnte. Mastodon etwa hat eine tolle neue Platte, sehr vielversprechend.

Ist Rock n’Roll also doch nicht tot?
Wir befinden uns gerade an einer Kreuzung. Da hat es ein paar vielversprechende Kids in der Szene, die gute Musik schätzen und das Ganze drehen könnten. Es wird interessant zu sehen, was passiert. Musik ist einem steten Wandel ausgesetzt, hoffen wir, dass es in den nächsten Jahren zugunsten des guten alten Rock passiert. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.11.2014, 17:31 Uhr

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Slash in Basel

Slash in Basel Am Samstag trat der ehemalige Guns N' Roses Gitarrist mit seinem Soloprojekt in der Basler St.Jakobshalle Basel auf.

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