Kultur

Bowie und die Schweiz – das Chalet bei Vevey hasste er

Aktualisiert am 11.01.2016

Über zwei Jahrzehnte lang lebte der gestern verstorbene Musiker in der Schweiz. Über seine zwei Ehen, das Steuerasyl und die Flucht vor den Drogen.

1/21 Verstarb im Kreis seiner Familie: David Bowie, hier an einem Konzert in Hartford. (14. September 1995)
Bild: Bob Child/Keystone

   

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Die Legende will es, dass sich David Bowie damals, in der zweiten Hälfte der 70er, nur von Kokain, Peperoni und Milch ernährt haben soll. Sein damaliger Manager Stanley Diamond legte ihm dann offenbar nahe, in die Schweiz zu ziehen. Zur Ruhe sollte Bowie kommen, weg von den einfach erhältlichen Drogen. Und weg vom britischen Fiskus.

So verschlug es den ausgemergelten Musiker 1976 an den Genfersee. In Blonay bei Vevey bezog der Musiker das Haus Clos de Mesanges, ein ansehnliches Anwesen im Chaletstil. Seine damalige Frau Mary Angela «Angie» Barnett hatte das Haus ausgesucht. Die Amerikanerin aus gutem Haus war in Lausanne zur Schule gegangen.

«Ich habe nie einen Performer mit stärkerer Präsenz erlebt»: Popkritiker Christoph Fellmann über den verstorbenen Musiker.

In «Backstage Passes», ihren Memoiren über die Jahre mit Bowie, berichtet Angie, wie der Musiker auf seinen neuen Wohnsitz reagierte: «Er ging einmal durch das ganze Haus und konnte es nicht ausstehen. Er versuchte mir vorzugaukeln, er möge es. Aber ich konnte das Entsetzen in seinem Gesicht sehen. Das war überhaupt kein Ort für ihn.»

Steuerasyl versus Kreativität

Bowies Ehe mit Angie wurde 1980 geschieden. Doch Bowie blieb in der Schweiz. Bis 1982 lebte er in Blonay, zog dann in die Lausanner Agglomerationsgemeinde Epalinges. Dort hatte er sich das Château du Signal gekauft. Ein Anwesen mit rund zwanzig Zimmern, erbaut um die Jahrhundertwende.

(Bild: www.virtualglobetrotting.com)

Bowie lebte zurückgezogen in Epalinges. Manchmal sah man ihn spazieren, manchmal Ski fahren in Gstaad. Wer ihn in Lausanne nach einem Autogramm fragte, bekam ein höfliches, aber bestimmtes «I am not David Bowie» zu hören, wie Gregory Wicky vor zwei Jahren in einem Artikel für «24 Heures» zu berichten wusste. 1992 heiratete er Iman Abdulmajid. Die Zeremonie fand im Standesamt von Lausanne statt, Bowie und Abdulmajid hatten lediglich zwei Freunde mitgebracht.

Als Bowie das Anwesen 1998 verkaufte, war es, weil es ihn und Iman Abdulmajid nach New York zog. Weg von der Idylle am Genfersee, zurück ins pulsierende Leben der Grossstadt. Bowie hatte zu diesem Zeitpunkt in den Mountain Studios von Montreux zwar fünf Alben aufgenommen. Doch der Musiker hatte gemerkt, dass die Steuerflucht in die Schweiz seiner Kreativität nicht dienlich war. «Ich war stets eine Art kultureller Wetterhahn; ich spürte Stimmungen wie Angst und Zerfall», sagte er einmal in einem Interview. «Mein Steuerasyl in der Schweiz ruinierte das. Ich hatte gedacht, ich sei gross genug, um über die Alpen zu sehen. Irgendwann stellte sich heraus, dass dem nicht so war.»

«L’ancienne demeure de David Bowie»

Am Genfersee scheint man derweil noch immer stolz darauf zu sein, dass David Bowie in der Region lebte. Auf der Website der Stadt Lausanne findet man den Tipp für einen Spaziergang, der einen am Château du Signal vorbeiführt: «L’ancienne demeure de David Bowie». (kpn)

Erstellt: 11.01.2016, 11:18 Uhr

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