Kultur
Das Modelabel Beatles
Von Daniel Arnet. Aktualisiert am 12.10.2011 2 Kommentare
Paolo Hewitt: «Fab Fashion - die Mode der Beatles», Prestel-Verlag, ISBN: 978-3791345642
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Im Februar 1964 äusserte John Lennon in einem Interview eine Idee: «Das ist noch so ein Traum von mir: ein paar Modeläden. Einfach die besten Klamotten anzubieten … Wahrscheinlich wäre ich selbst mein bester Kunde … dafür geht heutzutage das meiste Geld von mir drauf.» Anfang 1967 ging dann dieser Traum in Erfüllung: Die Beatles kauften ein vierstöckiges Gebäude an der Baker Street 94 in London.
In den oberen Stockwerken brachten sie ihre neu gegründete Firma Apple unter, in die die Beatles ihr Vermögen investierten, damit sie steuerlich besser wegkamen. Die Firma war ein Multikonzern mit vielfältigem Angebot: Apple Records, Apple Books, Apple Films, Apple Clothes. An Apple Computer dachte damals noch niemand. Dass sich Steve Jobs bei seiner Firmengründung zehn Jahre später von den Beatles beeinflussen liess, liegt auf der Hand.
Rote Zahlen mit eigener Boutique
In der untersten Etage an der Baker Street wollten die Beatles eine Boutique unterbringen, für die das niederländische Künstlerkollektiv The Fool Kleider und Schmuck gestalten sollte. Aber auch die Pilzköpfe steuerten selber geschneiderte Mode bei.
Am 7. Dezember 1967 wurde die Apple-Boutique mit einer rauschenden Einweihungsparty eröffnet. Unter den zahlreichen Gästen waren Cilla Black, Pattie Boyd und zwei Beatles: John Lennon kam im weissen Jackett zum schwarzen Rollkragenpullover und schwarzer Hose; George Harrison glänzte im grün gestreiften Anzug mit sehr eigentümlich geschnittenem Kragen und einem Halstuch als Sahnehäubchen.
Doch die Boutique schrieb bereits 1968 rote Zahlen. Am 31. Juli dieses Jahres willigten die Beatles ein, den gesamten Warenbestand zu verschenken, bevor die Apple-Boutique für immer geschlossen werden sollte. Während der Erfolg mit der Vermarktung eigener Mode ausblieb, stieg der Einfluss der Beatles auf den Zeitgeist. Alles, was die vier Musiker anhatten oder machten, wurde von der Jugend jener Zeit kopiert.
Da war zunächst die Frisur. Die Pilzköpfe machten das Tragen langer Haare auch für Männer populär, auch wenn sie zunächst noch gegen etliche Vorurteile ankämpfen mussten. So konterte John Lennon die Frage eines Journalisten, wie sie mit so langen Haaren nachts schlafen könnten mit der lapidaren Antwort: «Na ja, wenn du schläfst, merkst du das nicht.»
Letzter Gig an der Savile Row
Es waren auch die Beatles, die die Sonnenbrille zu einem Alltags-Accessoire machten. Die oftmals extravaganten Modelle – weit vor der Zeit von Elton John – verliehen den Musikern den Popstar-Nimbus.
Das Wirken der Beatles war relativ kurz, ihre Wirkung hält bis in die heutige Zeit an. Wenn die Red Hot Chili Peppers im Video zu ihrem aktuellen Hit «The Adventures of Raindance Maggie» auf einem Hausdach aufspielen, dann ist das eine klare Reminiszenz an den letzten Gig der Beatles, der am 30. Januar 1969 auf dem Dach ihres Bürogebäudes an der Londoner Savile Row stattfand – notabene an der Strasse, wo die feinen Anzüge für Männer herkommen. Die Beatles machten eben bis zuletzt Mode. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.10.2011, 12:17 Uhr
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