Kultur
«Der Pop-Preis ist Spitzenförderung»
Von Joel Gernet. Aktualisiert am 09.11.2011 2 Kommentare
Voting & Verlosung
Der 3. Pop-Preis wird heute Mittwoch (9.11.) in der Kaserne Basel verliehen. Wer den Publikumspreis gewinnt, könnt Ihr noch bis 12 Uhr im BaZ-Online-Voting mitbestimmen.
Bei der Verleihung heute Abend gibt es zudem ein Showcase-Konzert der letztjährigen Pop-Preis-Gewinner The bianca Story. Wir haben noch eine Hand voll Tickets für dieses Konzert – sie können noch bis 18 Uhr unter dem Stichwort «The bianca Story» am BaZ-Schalter am Aeschenplatz 7 abgeholt werden. S'hett solangs hett.
Die Pop-Preis-Fachjury
Philipp Schnyder von Wartensee (Migros Kulturprozent MGB/m4music, Zürich), Christof Huber (Openair St.Gallen), Marius Kaeser (Pro Helvetia, Zürich), Philippe Cornu (Gurtenfestival Bern) und neu David Bauer, Journalist und Herausgeber von 78s.ch.
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Anna Aaron scheint die Nomination zum Basler Pop-Preis abonniert zu haben: Seit drei Jahren gibts den Spitzenförderpreis des Rockfördervereins (RFV), jedes Mal gehörte die Basler Sängerin zu den fünf Anwärtern – bisher allerdings ohne Krönung. Auch Multitalent James Gruntz und die Elektro-Punker von Das Pferd sind heuer zum zweiten Mal im Rennen um den mit 15'000 Franken dotierten Jurypreis (der Publikumspreis wird via BaZ-Online-Voting vergeben), der heute Mittwoch in der Kaserne Basel verliehen wird. Neu dabei sind die Indierock-Bands Blush und Sheila She Loves You.
«Jedes Jahr das gleiche, mit den (fast) gleichen Akteuren. Kommt mir vor, dass man so lange mitmacht, bis man einen Preis bekommt!», schrieb BaZ-Leser Marco Lardi als im Oktober die Nominierungen bekannt gegeben wurden. Ähnliche Reaktionen erlebte man im Freundeskreis und unter Journalistenkollegen. «Hat Basel nicht mehr Spitzenbands zu bieten?» oder «Warum wird Sänger X oder Band Y nicht nominiert?», hiess es da zum Beispiel.
Nomination wird nicht ausdiskutiert»
«Solche Fragen stellen wir uns selber auch», erklärt Dänu Siegrist vom RFV und betont, dass der Pop-Preis ein Spitzen- und kein Nachwuchsförderpreis ist. Es kommen also nur Bands in Frage, die sich ihre Sporen abverdient und über die Kantonsgrenzen hinaus einen Namen gemacht haben. «Deshalb findet die Nominierung auch durch eine nationale Jury statt», sagt Siegrist. «Das Problem eines solchen Preises ist wahrscheinlich schon, dass das Feld nicht genügend breit ist.» Zudem könne man die produktivsten Köpfe ja nicht einfach ignorieren nur weil sie bereits nominiert waren. Auch Siegrist wäre froh, wenn es mehr neue Künstler unter die Nominierten schaffen würden.
Und was meint der Präsident der fünfköpfigen Jury zum Auswahlverfahren beim Pop-Preis? «Der vorgegebene Modus des RFV ist klar», sagt Philipp Schnyder von Wartensee, Leiter des m4music-Festivals und tätig bei Migros-Kulturprozent. «Die Idee ist nicht, dass man die Nomination ausdiskutiert», erklärt Schnyder. Dies geschehe erst bei der Bestimmung des Pop-Preis-Gewinners. Das dürfte heute Nachmittag der Fall sein bei der letzten Jurysitzung.
Künstler müssen sich bereits durchgesetzt haben
Die Nomination zum Pop-Preis erfolgt nach klar vorgegebenen Regeln: Jedes der fünf Jurymitglieder (siehe Box) nennt fünf Künstler – ohne die Vorschläge der Kollegen zu kennen. Dann wird eine Rangliste gemäss den 25 vergebenen Punkten erstellt, die ersten Fünf dieser Liste werden nominiert. Punkt. Bei Gleichstand kommt es zum Stichentscheid. «Natürlich werden da auch andere Bands genannt, das ist logisch», meint Siegrist. Das kann auch Philipp Schnyder von Wartensee bestätigen – er hat etwa für die Basler Eurovision-Teilnehmerin Anna Rossinelli votiert. Vergebens. «Für mich ist vor allem wichtig, dass die Band noch Potenzial hat», erklärt Schnyder. Daneben ist für ihn entscheidend, dass eine Band sich bereits über die Region hinaus einen Namen gemacht hat und dass deren künstlerischer Ausdruck überzeugt – nicht in Bezug auf seinen Musikgeschmack, sondern in ihrem jeweiligen Genre.
Der RFV-Grundgedanke, mit dem Pop-Preis neben Fördermitteln wie dem RegioSoundCredit auch ein Tool zur Spitzenförderung zu schaffen, ergibt Sinn. So sollen Basler Bands auf dem Sprung nach Oben zusätzlich einen Kick erhalten. Und das nicht nur finanziell: Im besten Fall wird der Pop-Preis Gewinner schweizweit wieder – oder weiter – ins Gespräch gebracht und in seinem bisherigen Weg bekräftigt. Musiker sind ja oft Zweifler – und in der Schweiz zudem oft zu wenig wagemutig, um alles auf eine Karte zu setzen. Bis sich der Pop-Preis etabliert hat, dürfte es – in Anbetracht der Diskussionen um die Nominierungen – noch ein Weilchen dauern.
Kein Preis fürs Lebenswerk
Dass es künftig auch zu einzelnen Anpassungen kommt, schliesst Dänu Siegrist vom RFV nicht aus. Nach der Verleihung des Pop-Preises werde man zusammen sitzen und sich über die Ausrichtung des Spitzenförder-Tools Gedanken machen. «Wir wollen uns ja auch damit auseinandersetzen», so Siegrist, der betont, dass man sich noch immer in der Etablierungsphase befindet. Bei der Debatte um das Pop-Preis-Nominationen zieht er das Positive heraus: «Dass das die Leute kümmert, ist ein gutes Zeichen», findet Siegrist. Man müsse solche Anliegen ernst nehmen – zudem achte man darauf, dass jedes Jahr neue Köpfe in die Jury kommen, um so für Abwechslung zu sorgen.
Zu wünschen wäre es jedenfalls, dass man sich beim RFV Gedanken darüber macht, ob man die Auswahlkriterien anpasst, um so über die Jahre zu einem breiteren Feld an Nominierten (und einer breiteren Legitimierung) zu kommen – das Potenzial ist nämlich da, wenn man an Namen denkt wie Anna Rossinelli, Schwellheim, We Invented Paris, More Experience, Lombego Surfers, Denner Clan oder Kalles Kaviar. Alles Künstler, die im Rahmen dieser Diskussion – nicht von mir – ins Spiel gebracht wurden. Dass diese Liste beliebig verlängert werden kann, versteht sich von selbst.
Wenn dann dennoch die gleichen Basler Bands wie «allewyyl» auf sich aufmerksam machen (und nominiert werden), nützt allerdings auch diese Öffnung nicht viel (der Pop-Preis bezieht sich auf das jeweilige Jahr und ist kein Preis fürs Lebenswerk) und die Geschichte wiederholt sich nächstes Jahr. Damit steht der Pop-Preis nicht alleine da, wie RFV-Sprecher Chrigel Fisch via Mail mitteilt: «Beim Oscar werden ja auch immer wieder mal die gleichen Leute nominiert, ebenso beim Schweizer Sportpreis... und beim Bambi..... und beim Spieler-des-Matches-Pokal.» Na dann…freuen wir uns auf die Preisverleihung heute Abend. Und die Nominationen 2012.
Zum Abschluss nochmals die Nominierten zum Pop-Preis 2o11… (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.11.2011, 01:17 Uhr
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2 Kommentare
Dänu Siegrist, es stimmt eben leider nicht, wie Du sagst, "dass das die Leute kümmert.". Auf den Baz-Artikel gab es über Wochen nur etwa 5 Kommentare. Drei davon von der selben Person, aber unter verschiedenen Namen: Von mir.
Die Vorschläge More Experience, Lombego Surfers, Denner Clan oder Kalles Kaviar kamen auch nur von (m) einer Seite. Nominiert lieber 20 Bands, dann interessiert`s mehr Leute.
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