Kultur
Der halbe Hammer
Von Jean-Martin Büttner. Aktualisiert am 13.05.2011 10 Kommentare
Artikel zum Thema
- Die höchstkarätige Band der Rockszene
- Das unrühmliche Ende der Rockmusik
- Die legendärsten Rock-'n'-Roll-Hotels
Stichworte
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Rockjournalisten übertreiben gern. So liest man über die Queens of the Stone Age: «Diese Band ist der volle Hammer», gelegentlich auch «der totale Hammer» oder «der Riesenhammer». Noch während man sich einen halben Hammer oder wenigstens einen Zwergenhammer vorzustellen versucht, beginnt die Band im Zürcher Komplex zu spielen. Und zwar, wie angedroht, ihr erstes von fünf Alben in voller Länge.
Mehr Meissel als Hammer
Das hat merkantile, gefühlsmässige und medizinische Gründe. Erstens hat das Quintett sein erstes Album von 1998 neu mastern lassen. Zweitens glaubt ihr Chef und Sänger Josh Homme, die Platte sei eine Wiederaufführung wert. Drittens hatte er unlängst einen Herzstillstand, was die Aufnahmen zur neuen Platte verzögerte. Viertens steckt die Band stilistisch fest, nachdem sie sich vier Alben lang dauernd gesteigert hat. Trotzdem versteht man, warum die Band vor vollem Haus spielen darf. Denn die Wüstenkalifornier spielen eine harte, aber melodische Musik und applizieren auf Songs wie «If Only» oder «Walkin’ on Sidewalks» Wucht und Präzision in Vollendung. Auch können sie Songs schreiben, sie verstehen etwas von Dynamik und musikalischer Dramaturgie. Nicht selbstverständlich in einem Genre, das seine Wirkung aus der Monotonie erzielt. Aber Queens of the Stone Age sind eben kein Hammer, der alles zu Brei schlägt, sondern wenn schon ein Meissel (samt Bildhauer).
Dennoch wird es nicht ihr Abend. Sie geben sich Mühe, heben aber nicht ab: Das erste Album bietet auf die Dauer zu wenig für eine Neuaufführung, das zeigen die Ausschnitte von «Lullabies to Paralyze», ihrem Meisterwerk von 2005, im ersten Zugabenblock. Ein halber Hammer sozusagen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 12.05.2011, 20:04 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
10 Kommentare
Nicht selbstverständlich in einem Genre, das seine Wirkung aus der Monotonie erzielt....????? Das kann nur von einem Genre-fremden kommen. Rock-Journalisten mögen übertreiben - aber das mit dem Hammer erkläre ich Ihnen gerne Herr Büttner. Antworten
Ich denke mit dieser meinung steht der autor ziemlich alleine da. Ich war ja schon auf vielen konzerten, aber dermassen explosiv und energisch war stimmung bis jetzt selten. Das lag auch daran, dass die QOTSA eben mit volldampf und nicht mit halbem hammer losrockten.
natürlich ist musik geschmacksache. Aber wer vor ort war, wird diesem artikel vehement widersprechen.
Antworten

Bitte warten






