Kultur
Fanfaren zum Feiern
Von Andreas Schneitter. Aktualisiert am 18.05.2011 2 Kommentare
Flinker Silberschuh: Jovanotti sorgte in der St. Jakobshalle für Bewegung. (Bild: Pino Covino)
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Anzug, Hemd, rote Krawatte, silbern glänzende Schuhe. Die Erscheinung, die der 45-jährige Jovanotti am Montag in der passabel gefüllten St. Jakobshalle gab, verdeutlichte: Hier gibts zuerst was für die gute Laune, erst danach kommt das Gewissen. Er wolle Konzerte machen, zu denen die Leute tanzen, sagte der Musiker vor einigen Wochen im Interview mit der BaZ.
Und so sah das aus: Bei «La notte dei desideri», einem ersten Höhepunkt, jagte die kompakt agierende Band das Lied mit einem wuchtigen House-Rhythmus die Decke hoch, dazu gabs breiige Gitarren und aufgekratzten Gesang, während auf der Leinwand die kontrastierenden Bilder liefen: Protestszenen von den saubereren Kapiteln der laufenden arabischen Revolutionsbewegungen, jubelnde Menschenmassen aus Ägypten und Tunesien.
Melodiearm
Diesen Spagat vollzieht Jovanotti seit 20 Jahren: Bekannt wurde er als Rapper mit mediterraner Andockung – und Spuren des Rap finden sich auch heute noch in seinem melodiearmen, erzählenden Gesang. Daneben haben sich andere Genres breitgemacht: Rock, Technobeats, geschmeidige Balladen. Auf der anderen Seite ist er ein Musiker geblieben, dessen Lieder auratisch in die Protestsphäre eindringen, ohne konkret politisch zu sein.
So trennte sich auf der Bühne der Humanist Cherubini vom Entertainer Jovanotti während des zweistündigen Konzerts immer vollständiger. Herausragend waren die beiden Akustiksets, eines mit Pianobegleitung unter ergreifendem Herzensgesang, das andere umrankt von der nicht mehr ganz sattelfest agierenden Band inmitten des Publikums.
Der Rest: überschäumende Feiermusik. «L’ombelico del mondo», diese augenzwinkernd hedonistische Partyhymne, geriet zu einem Trommelfeuer mit weltumarmender Hingabe, für das sich Jovanotti selbst kurz ans Schlagzeug setzte, «Il più grande spettacolo dopo il Big Bang» zu einem funkelnden Gitarrenbrett, das mühelos die mangelhafte Akustik der Halle ignorierte, seine neuste Single «Tutto l’amore che ho» wandelte sich von einer introspektiven Ballade zu einer wuchtigen Fanfare. Da lag er schon ganz richtig, der Jovanotti: Die Leute sollen was zu tanzen haben, wenn sie schon an seine Konzerte kommen. (Basler Zeitung)
Erstellt: 18.05.2011, 10:22 Uhr
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2 Kommentare
Melodiearm? Ich würde eher den heutigen Radio-Chartbrei als melodiearm bezeichen. Das Konzert war eine geniale Mischung aus Rock, Pop, Techno, Hip-Hop, Salsa, Afrodance, Walzer und Blues. Die Melodien bleiben auch nach dem Konzert noch lange im Gehörgang und die Stimmung war einfach nur sensationell! Abgesehen von der lausigen Akkustik der Halle, da bleibt Basel weiterhin Event-Entwicklungsland... Antworten

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