Kultur

«Ich habe ein neues Gleichgewicht in meinem Leben gefunden»

Alicia Keys veröffentlicht heute ihr viertes Album. Kurz zuvor erzählte die Sängerin und Pianistin von ihrer Liebe zu harten Beats und zu ihrer Heimatstadt.

Leichter, schwebender und poppiger: die neue Alicia Keys.

Leichter, schwebender und poppiger: die neue Alicia Keys.
Bild: Keystone

Das Album «The Element of Freedom»

Die gezähmte Alicia Keys Immer höher hinaus will sie, und wer kann ihr das verdenken: Alicia Keys transponiert ihre Musik auf ihrem vierten Album «The Element of Freedom» auf ein noch universelleres Level. Nicht, dass die 28-Jährige nun ein völlig neues Soundgemisch bieten würde. Doch ihre neuen Stücke sind leichter, schwebender, poppiger, breiter geworden. Ein Soulpop-Gemisch, das genau jenes grossstadtbetonharte Fundament zuweilen vermissen lässt, das ihre besten Songs wie «No One» vom letzten Album oder «Fallin’» aus dem Jahr 2001 ausmachte.

Dafür spielt sie ihre melodischen Qualitäten aus: In «That’s How Strong My Love Is», einer überzarten Ballade, eilen die Finger von Glück beseelt über die Klaviatur, und ihre ausgehaltenen Töne nisten sich in den Gehörgängen ein. Mit der Zeit wirkt die Platte, trotz vieler Referenzen an Prince und klanglich guten Einfällen, etwas zu zärtelig und matt. Auch dem Song «Empire State Of Mind», einer Koproduktion mit dem wortgewandten Jay-Z, vermag sie nicht mehr viel anzufügen. Dabei ist das Stück in Jay-Zs eigener Version der wohl beste Song des Jahres.

Alicia Keys «The Element of Freedom» (Sony BMG)

«Warum ich eine Hymne an meine Stadt geschrieben habe? Nun, ich wollte mit meinen eigenen Worten ausdrücken, was diesen Ort so speziell macht. New York ist die Stadt, in der ich geboren und aufgewachsen bin, und in der ich auch heute noch lebe. Es ist die Stadt, die ich am besten kenne und verstehe. Deswegen repräsentiere ich sie gerne. Der Song, der nun mein neues Album abschliesst, ist die Fortsetzung des Stückes‹Empire State of Mind›, das ich zusammen mit dem Rapper Jay-Z geschrieben habe. In der Originalversion erzählt er von seiner Heimat Brooklyn und darüber, wie er es in dieser Stadt zu etwas gebracht hat.

Da wollte ich selber auch noch meine Sicht einbringen und die Atmosphäre schildern: All die Orte, die man aus Filmen kennt, der Strassenlärm, die Sirenen, die Viertel mit ihren verschiedenen Gesichtern. Jeder trägt hier mindestens einen grossen Traum mit sich herum. Sie sagen:‹Wer es hier schafft, der schafft es überall.› Und ich glaube, das stimmt.

Auszeit genommen

Ich habe ein neues Gleichgewicht in meinem Leben gefunden. Das hat schon mit den Arbeiten an meiner letzten Platte ‹As I Am› begonnen. Davor habe ich aktiv nach jenem Gleichgewicht gesucht. Ich bin nach Ägypten und nach Italien gefahren und habe zum ersten Mal eine Auszeit genommen. Ich habe einfach mal einen Schritt zurück gemacht und mich und meine Situation analysiert. Normalerweise arbeitet man fünf Tage die Woche und am Wochenende hat man frei. Das hat seinen Grund. Früher habe ich mehr oder weniger ständig gearbeitet. Nun habe ich gelernt, mir diese Pausen zu nehmen. Und ich glaube, davon profitiert meine Arbeit.

Mein neues Album heisst‹The Element of Freedom›. Ich habe es sogenannt, weil ich alle Hindernisse aus dem Weg geräumt und es zugelassen habe, mich von der Musik an alle möglichen Orte tragen zu lassen. Das soll nun auch mit den Zuhörern passieren.

«Ich mag eine gewisse Härte»

Für die Platte habe ich zum ersten Mal mit Beyoncé zusammengearbeitet. Das hat richtig Spass gemacht. Die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern ist für mich überhaupt etwas vom Spannendsten in meinem Job. Im Vornherein weiss man nie, ob es funkt. Es ist immer ein Experiment. Besonders inspirierend war das Zusammenspiel mit dem Gitarristen und Sänger John Mayer. Er kam einfach bei mir im Studio vorbei, hat sich sein Instrument umgehängt und wir haben stundenlang gespielt. Ganz natürlich ist so das Stück‹Lesson Learned›, eines meiner absoluten Lieblingslieder, entstanden.

Ein perfekter Beat muss für mich zum jeweiligen Song passen. Ausserdem mag ich eine gewisse Härte. Er muss einen harten Basskick haben. Etwas, das den Raum in Schwingung versetzt.

Meine Musik ist meist eine Kombination von verschiedenen Stilen. Etwas Klavier, ein harter Beat, eine schöne Melodie und ein gutes Arrangement. Ich glaube, mit dem Song‹No One› von meiner letzten Platte ist mir das ganz gut gelungen. Aber ich versuche nie irgendwelche Stücke zu übertreffen, die ich früher mal gemacht habe. Ich will einfach etwas Neues, Frisches machen. Von meinem neuen Album gefällt mir das Stück‹Try Sleeping With a Broken Heart› besonders gut. Der Beat klingt nach einem frühen Stück des Rappers KRS-One, dazu kommen Synthesizer, die irgendwie an Prince erinnern und eine Melodie und ein Text, die einem das Gefühl eines gebrochenen Herzens unmittelbar spürbar machen - finde ich zumindest.»

Aufgezeichnet von Adrian Schräder (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.12.2009, 18:14 Uhr

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