Kultur

Munteres Rätselraten für Bob-Dylan-Fans in Basel

Aktualisiert am 15.04.2009 9 Kommentare

Nicht zum ersten Mal auf seiner "Never Ending Tour" hat Bob Dylan auf ein leichtverdauliches Programm verzichtet. In Basel spielte er Songs aus fünf Dekaden. Nach zwei Stunden eher düsterem Rock entliess ihn ein dankbares Publikum mit Ovationen - trotz Schwächen.

1/4 29446304.JPG
Schweigsam und karg trat Bob Dylan in den letzten Jahren stets auf. Hier 2006 am Jazz and Heritage Festival in New Orleans.
Bild: Keystone

   

Artikel zum Thema

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Wie bereits Legende - Dylan verzichtete auch am Dienstagabend in der nicht ganz ausverkauften St. Jakobshalle auf Show oder grosse Gesten, angesagt wurden nur gerade die Musiker. Zumeist über sein Keyboard gebeugt, auf die Gitarristen fixiert, liess er seine 18 Songs für sich sprechen, auf äusserst eigenwillige, ja sperrige Art - statt "Belcanto" eher harter Rock.

Das Programm begann mit "Cat's In The Well" (1990). Seine fünf Musiker, in schwarzen Anzügen und wie der Chef mit breitkrempigen Hüten, spielten zumeist hart und stampfend. Dann und wann eine Spur weicher mit Kontrabass, Geige und der Mundharmonika des Meisters. So etwa im Song "Visions of Johanna" aus dem 66er Album "Blonde on Blonde".

Bis auf die Zugaben - "All Along the Watchtower" (1968), "Spirit on The Water" (2006) und "Blowin' in the Wind" (1963) - ist bei der aktuellen Tour Überraschung angesagt, eine "Set List" wie sie andere Popstar jeweils runterspielen, kennen "Bob Dylan and his Band" nicht.

Antikriegshymnen

Munter wechselt der Musiker die Songs aus, dann und wann kommen gar echte Raritäten zum Zuge. So spielte Dylan in Basel den Anti-Kriegssong "John Brown", eine Ballade über den Sohn, auf den die Mutter stolz war, als er in den Krieg zog und den blinden Krüppel, der zurückkehrt und von der Sinnlosigkeit des Krieges spricht.

Und dann folgte anklagend "Masters of War", ebenfalls ein Song aus dem Jahr 1963, einer Zeit in der sich die USA mehr und mehr militärisch in Vietnam engagierten. Es war, als ob der Protestsänger aus den 60ern nun auch die Sinnlosigkeit der Kriege in Afghanistan oder Irak anprangern wollte.

Die sonore Stimme des Jünglings aber, der damals im Greenwich Village in New York seine Lieder mit akustischer Gitarre begleitet hatte, sind längst Geschichte. Heute tönen die Dylan-Songs wie "Subterranean Homesick Blues" oder das auch in Basel gespielte "Highway 61 Revisited" (1965), monoton auf ein paar Noten beschränkt, im Staccato-Gesang, nun aber mit eher krächzender Stimme.

Wiedererkennung wurde zum munteren Rätselraten

Die genialen Texte des Poeten blieben in der St. Jakobshalle oft im Hall und den lauten Gitarren verborgen, die elegischen Melodien schimmerten nur dann und wann als Melodie-Skizzen durch.

Das Wiedererkennen der Songs wurde so zum munteren Rätselraten. Erst wenn man im lärmigen Ambiente eine Zitat aufgeschnappt hatte, konnte man auf den Song schliessen - ausser man gehörte zu den bestandenen "Dylanologen".

Mit der Erinnerung und der bereits 20 Minuten nach Konzertschluss auf dem Internet verfügbaren Song-Liste konnte man das eine oder andere Rätsel anschliessend lösen.

Die Graumelierten

Der Poet hatte mit seinen Liedern laut Bill Clinton "wahrscheinlich mehr Einfluss auf die Menschen meiner Generation als jeder andere Künstler". Die Mehrheit des Publikums in Basel gehörte denn auch zu den "Graumelierten", für die Dylan den Soundtrack des Lebens komponiert hatte. Nach zwei Stunden feierten sie den bald 68- Jährigen mit Standing Ovations. (amu/sda)

Erstellt: 15.04.2009, 14:38 Uhr

9

Kommentar schreiben ( Mit Bestätigungs-E-Mail )







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

9 Kommentare

Uwe Tittmann

15.04.2009, 12:33 Uhr
Melden

Ich war gestern Abend in diesem eindrucksvollen Konzert. Wir alle kennen Bob Dylan und seine Band und wissen, dass er ein genialer Songschreiber ist. Aber das ganze Konzert wurde mir sehr durch die absolut schlechte Soundqualität und viel zu hohe Lautstärke/Clipping verleidet - eine Bitte an das Management der Jakobshalle: bitte eine gute Anlage und Leute, die was vom Sound verstehen !!! Antworten


daniel merkli

15.04.2009, 13:59 Uhr
Melden

Ich war auch am Konzert und kann nur bestätigen, dass die Soundqualität einfach schrecklich war! Dylan musste regelrecht gegen seine eigene zu laute Stimme ankämpfen und alles dröhnte. Dylan und das Publikum taten mir einfach leid! Ich war letztes Jahr bei einem Neil Diamond-Konzert in der Köln-Arena und das war der Sound absolut perfekt. Antworten




Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!