Kultur
Rammsteins Bratwurst-Porno hat einen üblen Nachgeschmack
Von Mauro Guarise. Aktualisiert am 25.09.2009
Hier gehts nicht appetitlich zu: Rammstein wollen mit dem Video «Pussy» provozieren, hier ein vergleichsweise harmloser Auszug.
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Stellen wir uns vor, eine neue, sagen wir mal, Berliner Frauenband aus der Kunstschulszene träte mit einem Video über den Sextourismus deutscher Männer an die Öffentlichkeit. Stellen wir uns vor, es handelte sich dabei um einen Hardcore-Porno, in dem nicht nur nackte Frauen, sondern auch Männer mitsamt ihren Geschlechtsteilen zu sehen wären. Der Song hätte einen tanzbaren Beat und schwere Gitarren, der Gesang bestünde aus - ironisch gemeinten! - Parolen wie «Blitzkrieg mit dem Fleischgewehr» und «I can’t get laid in Germany». Das Feuilleton würde sich über die neuen Pop-Schlaumeiereien freuen und die junge Berliner Kunstschulfrauenband womöglich zu Exponentinnen eines neuen Pop-Feminismus hochjubeln. Und wäre das nicht auch schön?
Gut gemeint...
Aber es sind mal wieder Rammstein. Nach toten Kindern, Inzest und brennenden Menschen zeigt sich die Band auf «Pussy», dem Video zur neuen Single, explizit beim Sex mit Frauen. Abgesehen davon, dass im Unterschied zu den üblichen semipornografischen Musikvideos tatsächlich auch Penisse zu sehen sind, ist das nichts Neues. Man muss also von einem nicht ganz originellen, aber doch wirksamen Marketing-Gag reden: Das neue Album «Liebe ist für alle da» erscheint Mitte Oktober.
Dabei wäre das Lied stellenweise schlau und witzig. «You’ve got a pussy, I have a dick / So what’s the problem, let’s do it quick» bringt die thumbe Sicht der Sextouristen formal passend auf den Punkt. Das Problem ist aber, dass diese Mainstream-Rocknummer dann eben doch so produziert ist, dass sie auch dem geneigten Polenfahrer gefällt. Und auch die Ironie im Video ist so dosiert, dass es auch als Fun-Porno Gefallen findet.
Der Proll grölt mit
Das ist alte Rammstein-Dilemma: Trotz aller Bekenntnisse zur Demokratie und Menschenwürde bringt ihr Spiel mit Unterwerfungsfantasien nicht nur jene zum Schmunzeln, welche darin feine Ironie erkennen wollen. Die Tänzerinnen und Prosituierten in den deutschen und polnischen Schmuddelpuffs werden sich bald zu «Pussy» an der Stange räkeln, und die Prolls werden sich zuprosten und mitgrölen: «Schnaps im Kopf, holde Braut, steck Bratwurst in dein Sauerkraut». (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.09.2009, 13:40 Uhr









