Kultur

Satan im Kuhstall

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 04.08.2011 7 Kommentare

Einmal im Jahr fallen Horden von Metal-Fans aus der ganzen Welt ins Bauerndorf Wacken ein. Heute ist es wieder so weit.

1/11 Der Tod trinkt Cola: Ein Besucher posiert am Mittwoch 3. August auf dem Gelände des Heavy Metal Festivals Wacken

   

Trailer Full Metal Village

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1850 Einwohner hat das deutsche Dorf Wacken in Schleswig-Holstein. Ländlich geht es dort zu und her. Viehzucht, Landwirtschaft und Blasmusik. Einmal im Jahr aber ist alles anders. Dann schiebt sich eine schwarze Leder-Lawine durchs Dorf. Laut und unaufhaltsam.

In Wacken beginnt heute das grösste Heavy-Metal-Festival der Welt. Die 75'000 Karten für das Wacken Openair (W:O:A) sind seit Monaten vergriffen. Per Spezialzug, dem «Metal-Train», der von Zürich nordwärts fährt, wurden die Besucher aufgesammelt und ans Festival gebracht. Das Festivalgelände ist insgesamt 220 Hektar gross. 1600 Toiletten stehen bereit.

Kultfigur Bauer Trede

Bis Sonntag werden auf den Bühnen über 100 Bands, darunter die Heavy-Metal-Grössen Ozzy Osbourne, Motörhead und Judas Priest, spielen. Bereits seit Tagen richten sich die aus aller Welt angereisten Rocker in ihren Zelten ein – zwischen Traktoren und Kuhfladen. Die Kühe selbst wurden rechtzeitig evakuiert. Die Lautstärke der Beschallung entspricht jener eines startenden Jumbojets.

Genauso berühmt, wenn nicht sogar kultverdächtiger als die internationalen Bands, sind die «W:O:A Firefighters». So nennt sich die lokale Blaskapelle, ihr Auftritt gehört zu den Höhepunkten des Festivals. Zu ihrer Musik verfallen die Metaller in ironisches Schunkeln, und wenn die Kapelle eine Coverversion von AC/DCs «Highway to Hell» hinschmettert, gibts kein Halten mehr. Eine weitere Kultfigur ist Bauer Uwe Trede. Dank ihm findet das Gelage überhaupt statt – er vermietet das Festivalgelände. Und so gibt er den ganzen Tag über Autogramme oder lässt sich mit Fans fotografieren.

Neben den 120 Bands wird aber noch mehr geboten – vom Wet-T-Shirt-Contest über Wrestling bis zum Wikingerdorf. Weil die Hauptstrasse von Wacken während des Festivals zur Partymeile wird, gibt es für die Dorfbevölkerung kein Entkommen von den Schwermetallern. Einige verlassen denn auch ihr Zuhause fluchtartig. Die meisten aber feiern mit oder machen das Beste aus der Situation: Sie decken die Zehntausenden Fans eine Woche lang mit Kaffee und Brot, Grillfleisch und natürlich reichlich Alkohol ein.

Alles glückliche Menschen

Die Wackener hatten mittlerweile genügend Zeit, sich an die Leute mit den Satan- und Runen-T-Shirts zu gewöhnen: Bereits 1990 fand die erste Ausgabe des Festivals statt, damals reisten 800 Besucher an. Weil das Zusammentreffen der Kulturen so malerisch ist, ist es inzwischen auch filmisch dokumentiert. Die Südkoreanerin Sung-Hyung Cho zeigt in ihrer Dokumentation «Full Metal Village», wie die Horden von Metal-Fans alljährlich ins kleine Dorf einfallen. Der Film wurde als erste Dokumentation überhaupt mit dem renommierten Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet.

Auch unter den Fans herrscht eitel Minne. Grössere Zwischenfälle wie Massenschlägereien hat es in den vergangenen Jahren nicht gegeben. Nicht nur, weil Mama und Papa längst den Nachwuchs mit nach Wacken schleppen. Die Polizei führt die friedliche Stimmung auch auf die homogene Struktur des Publikums zurück. «Wenn man glückliche Menschen sehen will», sagte Deutschlands oberste Metal-Sängerin Doro Pesch einmal: «Muss man nach Wacken fahren.» (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.08.2011, 12:53 Uhr

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7 Kommentare

Tim Keller

04.08.2011, 14:45 Uhr
Melden 46 Empfehlung

Sollte bekannt sein, dass es wenig Probleme an Metal Openairs gibt.... Grösste Probleme sind bei Hip Hop Openairs auszumachen. Antworten


dan meier

04.08.2011, 14:12 Uhr
Melden 40 Empfehlung

Martialisch aussehen und friedlich feiern, geht bei den Metallern und den Gothik-Leuten... sagt mal wieder einiges über den westlichen Wertekanon... Rockt die Weide, ihr riffgierigen!!! Antworten




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