Kultur
Sie könnens immer noch
Von Bettina Weber . Aktualisiert am 15.07.2011 20 Kommentare
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Man hatte ihn ja etwas aus den Augen verloren. Und dann stand er da, im Zürcher Letzigrund-Stadion, in einer roten Admiralsjacke und einer verspiegelten Pilotenbrille und sah verdammt gut aus. Nach dem zweiten Song, «You Give Love a Bad Name», hatte Jon Bon Jovi sein Publikum im Sack. Zu Recht. Die Musik der Band wurde ja wegen der liebevoll und aufwendig toupierten Frisuren der Bandmitglieder auch «Hair Metal» genannt, und natürlich ärgerte Bon Jovi das sehr.
Hätte es nicht müssen. Die Band ist immer noch da, seit drei Jahrzehnten, und angesichts dessen sowie der 125 Millionen verkauften Platten können ihre Kritiker stänkern, so lange sie wollen. Die Haare sind ab, Sänger Jon Bon Jovi wurde dieses Jahr 49, aber Geld verdienen sie immer noch – und wie: 2010 waren die Altrocker mit ihrer Welttournee «The Circle» und einem Umsatz von 260 Millionen Dollar auf Platz 1 der bestverdienenden Live-Acts – vor AC/DC, U2, Lady Gaga. Man mag Bon Jovi immer noch.
Ein Gute-Laune-Konzert
Vielleicht, weil sie nicht ganz so dreckig sind. Weil sie Rock machen, der zwar knackig klingt, aber nie wehtut und auch noch schön aussieht und zudem massentauglich ist mit seinen geschmeidigen Mitsing-Refrains und Balladen. Und vor allem ist auch viel Nostalgie dabei, denn das famose Album «Slippery When Wet» lag damals, 1986, wohl in jedem Teenagerzimmer. Musik, die einen an jene Zeit erinnert, in der die Hormone erwachten, vergisst man nicht. Es pilgerten also 40'000 Mittdreissiger in den Letzigrund, und sie bekamen eine Show präsentiert mit einem Jon Bon Jovi in Hochform. Die Band bot über zweieinhalb Stunden eine mitreissende Show, perfekt orchestriert, versetzt mit all den Hymnen, für die man sie liebt.
Aber sie schafften das Kunststück, dass nie das Gefühl entstand, hier zieht eine routinierte Truppe eine einstudierte Nummer ab. Und als Bon Jovi bei «Bed of Roses» und «I’ll Be There For You» auf dem halbrunden Laufsteg alleine mit Gitarre sang, blickte selbst der Security-Mann verzückt und lagen sie sich in den Wohnungen gegenüber auf den Balkonen in den Armen. Das war ein Gute-Laune-Konzert mit einer Band, die ganz nach amerikanischer Manier nur ein Ziel hat: das Entertainment des Publikums. Vergnügter kann man an einem Donnerstagabend nicht nach Hause gehen.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 14.07.2011, 22:34 Uhr
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20 Kommentare
Kann die Meinung nicht ganz teilen. Zwar solide, aber irgendwie fehlte die Inspiration. Kaum Solis, keine Improvisationen. Die Songs plus/minus ab Album runtergespielt. Da hätte ich mehr Engagement erwartet. Jon wirkte auf mich doch etwas müde. Lags am stressigen Tourneeplan? Gestern noch in Düsseldorf... Antworten
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