Kultur
So waren die Cranberries im Hallenstadion
Aktualisiert am 18.03.2010 6 Kommentare
Stichworte
Das am Mittwoch mit 5500 Besuchern nicht einmal zur Hälfte gefüllte Hallenstadion hat gewiss schon lebendigere Abende erlebt. Allerdings ringt die Band um die Sängerin Dolores O'Riordan während eineinhalb Stunden durchaus engagiert um die Gunst des Publikums.
Die vierfache Mutter fegt unermüdlich über die Bühne und versucht beständig - wenn auch weitgehend erfolglos -, die kleine Masse zum kräftigen Mitsingen zu bewegen. Möglicherweise haben sogar die alten Fans die Songs der Cranberries während der mehr als siebenjährigen Abwesenheit der Band etwas aus den Ohren verloren.
O'Riordan lässt sich davon nicht beirren und plaudert freundlich in den Saal. Gleich zu Beginn des Konzerts erinnert sie daran, dass die Iren just an diesem Tag ihren Nationalheiligen St. Patrick feiern. Er soll das Christentum nach Irland gebracht und dabei alle Schlangen von der grünen Insel vertrieben haben.
Ohne neue Songs unterwegs
In den letzten Jahren machte das Land vor allem als von der Finanzkrise besonders heftig gebeutelter Staat Schlagzeilen. Vielleicht wäre es gewagt, einen Zusammenhang herzustellen: Einen zwingenden musikalischen Grund für das Comeback der Cranberries in Originalbesetzung gibt es allerdings nicht.
Die Band bestreitet die aktuelle Tournee, ohne auch nur einen neuen Song im Gepäck zu haben. Einige der Lieder, die The Cranberries am Mittwochabend spielen, hat O'Riordan in den Nullerjahren als Solo-Künstlerin präsentiert, etwa «Switch Off the Moment» oder «The Journey». Ansonsten stammt das Material aus den Neunzigern.
Nachdem in Zürich auch ehedem so bekannte Hits wie «Just My Imagination» (1999) oder «Ode To My Family» (1994) keine riesige Reaktion auslösen, wird O'Riordan beim Song «Zombie» (1994) im ersten Zugaben-Block endlich für ihre Anstrengungen belohnt. Das mit Abstand erfolgreichste Lied der Band zieht noch immer.
Protestantisch-zurückhaltend
In einem Pailettenkleid tanzt O'Riordan bei der zweiten Zugabe über die mit glänzenden Platten und leuchtenden Säulen dekorierte Bühne. Für den kurzen Rest des Abends feiert das Hallenstadion - wenn auch protestantisch-zurückhaltend, ohne die ausgelassene Fröhlichkeit, mit der das katholische Irland den St. Patrick' Day begeht.
Die Ballone in den irischen Nationalfarben, die unter dem Dach des Hallenstadions hängen, bleiben jedenfalls oben im Netz, wohl wegen eines technischen Defekts. The Cranberries spielen sehr bald wieder in der Schweiz: am 9. April in Genf. (phz/sda/)
Erstellt: 18.03.2010, 14:29 Uhr
WRITE A COMMENT
6 Kommentare
Im grossen Ganzen hat es mir gefallen. Es ist halt live genauso wie auf dem IPod: Zwischendurch mal ein Cranberries Lied ist cool, eine ganzes Album am Stück nervt mit der Zeit. Und dass Frau O Riordan nach jeder Textzeile das Mikrofon in die Luft streckt, ob es etwas mitzusingen gibt oder nicht, sieht eher komisch aus.Positiv überrascht hat mich die Vorgruppe. Kannte ich vorher noch nicht. Antworten
The Cranberries ist einer meiner Lieblingsmusikgruppen aus meiner Jugend - und ich war gestern am Konzert. Ich gebe Dave recht, Dolores ist sicher nicht die begnadeste Sängerin (was Live besonders auffällt). Doch wenigstens war es Live nicht wie andere Gruppen die mit einer reinen Playback Show auf Tourne gehen. Mein Fazit: Alte Lieder top, neue Lieder flop. Stadion war zu gross gewählt. Antworten
@davemcwide: ja, sie singt immer noch falsch, aber das schien niemand zu bemerken. grauenvoll auch die choreografie. ein gittarist scheint von gicht geplagt, denn während dem ganzen konzert schaffte er es lediglich mit einem knie leicht zu wippen. der andere marschierte wie an der bushaltestelle hin und her. tja, und die sängerin hat als hauptattraktiion den stechschritt durchs kinderzimmer intus. Antworten




Peter Bolliger
Die Stimme gefällt mir gut, und so falsch gesungen wurde nicht. Man müsste zuerst einmal definieren, was bei Pop denn falsch überhaupt sein soll. Mir ist es nur recht, wenn's nicht genauso wie auf CD tönt, denn die kann ich auch zuhause hören. Was mich jedoch stört ist der Umstand, dass zunehmends an grossen Konzerten nur noch gerade 1h gespielt wird, mit Zugabe dann 1.5h, das ist etwas knapp... Antworten