Kultur

AC/DC: Mit Vollgas ins Rock-Delirium

Von Simone Matthieu . Aktualisiert am 07.04.2009 15 Kommentare

Selten hat sich Warten so gelohnt: AC/DC brachten das Zürcher Hallenstadion an ihrem nachgeholten Konzert mit Hits von «Hell's Bells» bis «Highway to Hell» zum Kochen.

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AC/DC eröffneten das Konzert im Hallenstadion im Frühling 2009 mit «Rock'n-Roll Train».
Bild: Keystone

   

Teufelshörnchen blinken überall auf den Köpfen der Fans; auch der bulligste Rocker findet nicht, dass das Plastik-Spielzeug seiner Coolness Abbruch tut. Wir sind am Schweizer AC/DC-Konzert 2009, dem verschobenen Zürcher Gig der «Black Ice»-Tour. Gleich zu Beginn fahren die Australier voll ein. Wortwörtlich. In einem auf Leinwand projizierten Comicstrip lässt der Teufel mit Angus' Antliz eine Dampflok ausser Kontrolle geraten. Das Ungetüm rast ungebremst in die Nacht und kommt mitten auf der Bühne des Zürcher Hallenstadions zum Stillstand.

Mit ihrem neuen Song «Rock 'n' Roll Train» geben die fünf von Downunder schon mal die Stimmlage vor. Hat jemand am Dezibelmessgerät geschraubt? Konzerte in der Schweiz sind doch sonst nicht so laut? Aber sonst stehen ja auch nicht die Erfinder und Helden des Proleten-Rock auf der Bühne.

Das Publikum lässt sich willig mitreissen

Beim dritten Song, «Back in Black», haben AC/DC ihr Publikum voll im Griff. Sänger Brian ist blendend gelaunt, zeigt eine publikumsnahe und energiegeladene Show. Die Rhythmusgruppe hinter ihm - Gitarrist Malcolm Young, Drummer Phil Rudd und Bassist Cliff Williams - steht den Abend über mehr oder weniger am selben Platz. Aber das tut sie schon seit dreissig Jahren. Sie bildet den sicheren Boden, auf dem die beiden Frontmänner Brian und Angus ihre Showmätzchen machen können.

Leadgitarrist Angus Young braucht ein bisschen Anlaufzeit. Bei «Shot Down in Flames» hat er seine Kappe und seine letzte Zurückhaltung abgeworfen. Er zieht die Show ab, für die ihn seine Fans lieben: Headbangend, irgendwo in seinem eigenen Rock-Delirium, wirbelt er über die Bühne.

Andere Rock-Dinosaurier locker in den Schatten gestellt

Viele Rockgrössen haben sich in letzter Zeit wieder vor Publikum gewagt. Mit mehr oder weniger Erfolg. Oft lächerlich, wenn die Kostümparade aus der Jugendzeit nicht mehr zu den mittlerweile grauen Haaren passt. Oft bemitleidenswert, wenn der Zauber der alten Tage einfach nicht mehr aufkommen will und die Freude, Musik zu machen, sichtlich zu einem Job geworden ist. Anders AC/DC. Sie haben ihren minimalistischen Rock nie einer Modeströmung unterworfen und sich selber auch nicht. Wie alt Angus' Kostüm wohl ist? Wie alt Brians Jeans? Egal. Ihre unverkennbaren Posen, ihre Freude am Abrocken, an stampfenden Beats und heulenden Gitarren ist noch da. Ebenso ihr schelmischer Spass am Schabernack.

Brian schnappt sich bei «Hell's Bells» das Pendel der bekannten AC/DC-Glocke, die auf die Bühne herunterschwebt und schwingt daran wie ein Kind auf einer Schaukel. Und Angus merkt mit Genugtuung, dass sein hochprofessioneller, koketter Strip mit Gejohle und Gepfeife quittiert wird. Als er sich am Schluss an seinen Hosen zu schaffen macht, kommen keine blanken Backen hervor - das wäre zu billig - sondern sexy Shorts mit AC/DC-Schriftzug. Die Band verabschiedet sich mit einem fast zehnminütigen Gitarrensolo von Angus und Knüllern wie «Highway to Hell».

Zeitlos

Der gestrige Abend zeigte, was Bewunderer der Australier schon lange wissen: AC/DC haben auch nach dreissig Jahren noch Freude daran, Konzerte zu geben, mindestens so sehr wie ihre Fans Spass haben, den Rock-Berserkern zuzusehen. Kein fahler Nachgeschmack nach dem Gig, dass diese älteren Herren vielleicht woanders besser aufgehoben wären. Nein, AC/DC gehören auf die Bühne. Immer noch. Sie sind zeitlos, genau wie ihre Musik. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.04.2009, 08:53 Uhr

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15 Kommentare

Jürg Walder

06.04.2009, 23:52 Uhr
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kurz und bündig....hammermässig!!!! Antworten


Peter Mueller

07.04.2009, 10:31 Uhr
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Hoffentlich war es nicht Ihr letztes Konzert in der Schweiz - Es war MEGA! Einfach gut, wie Sie rüberkommen! Nicht die Arroganz von anderen Bands. Danke AC/DC für ein SUPER-Konzert! Ich freue mich schon jetzt auf Hockenheim!!!! Antworten




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