Kultur
«Wir sind nicht blöd, wir wissen, dass unsere Chancen gering sind»
Von Marc Krebs, Moskau. Aktualisiert am 11.05.2009 6 Kommentare
Probe für den grossen Abend: Adrian Sieber von Lovebugs in Moskau. (Bild: Keystone)
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Eurovision Song Contest: Dienstag, 21 Uhr, SF 2.
Adrian Sieber, Sie sind seit einer Woche in Moskau. Fällt es schwer, den Verlockungen zu widerstehen und sich hier auf die Proben zu konzentrieren?
Nein, denn wir haben eine klare Aufteilung in der Band: Ich werde täglich von einem strengen Vocalcoach in die Zange genommen, während die anderen Freundschaft trinken können.
Zu den Interviews, Empfängen und Proben werden Sie in einem Shuttlebus mit Polizeieskorte herumchauffiert. Muss sich olympisch anfühlen, was Sie hier erleben!
Ja. Die Menschen, die an diesem Wettbewerb teilnehmen, haben die verschiedensten Hautfarben, es werden 40 verschiedene Sprachen gesprochen, und alles ist auf einem guten, positiven Level. Deshalb wollte ich auch hier teilnehmen: All die Musiker aus all diesen Ländern stellen mit dem Eurovision Song Contest etwas weltweit Einzigartiges auf die Beine.
Seien Sie ehrlich: Es geht den Lovebugs in erster Linie darum, vor 100 Millionen TV-Zuschauern Werbung zu machen.
Natürlich. Wir sind ja nicht blöd, wir wissen, dass die Chancen der Schweiz gering sind. Aber was auch passiert: Morgen Abend werden viele Leute die Lovebugs kennen, die zuvor noch nie von uns gehört haben.
Verfolgen Sie die Proben der Konkurrenz vor Ort?
Wenn wir den ganzen Tag lang hier in der Olympia-Halle sitzen, die Performances der anderen anschauen und ihre Tricks analysieren würden, liefen wir Gefahr, unsere Stärken zu vergessen.
Nämlich als klassische Band aufzutreten, ohne Feuerspucker und Tamtam.
Genau. Wir haben drei grosse Nachteile: Wir sind Schweizer. Wir haben einen Gitarren-Song. Und wir treten als Band auf. Aber wer weiss, vielleicht ist diese Aussenseiterposition ja gerade auch von Vorteil.
Sollten Sie weiterkommen, was würde geschehen?
Ich würde mich unglaublich freuen. Ich wünsche mir, dass es bei diesem traditionsreichen Anlass wieder um den besten Popsong geht …
In den letzten Jahren mutierte der Anlass zur Freakshow, erinnern wir uns nur an die finnischen Horrorrocker Lordi. Und Dima Bilan, der letztjährige Gewinner, bot für seine Show einen russischen Jahrhundert-Schlittschuhläufer auf...
Stimmt, vielleicht hätten wir Roger Federer fragen sollen, ob er Luftgitarre spielen könnte, mit dem Tennisschläger! (Lacht.)
Ihre Teilnahme an diesem Wettbewerb haben Leute aus der Schweizer Rock-Szene mit Häme kommentiert. Was diese ignorieren: Die Lovebugs sind schon lange Pop. Sehen Sie das auch so?
Ja, wir sind durch und durch eine Popband, hatten immer schon ein Flair für Melodien. Aber wir sind eine verdammt laute Popband, wie unser Live-Publikum weiss. «The Highest Heights», der Song, den wir ausgewählt haben, repräsentiert uns sehr gut.
Auf wann haben Sie den Rückflug gebucht?
Auf Sonntag.
Dass heisst, Sie sind Optimist?
In erster Linie Realist. Ich vermute, dass wir morgen rausfliegen. Vielleicht ist es ja dann ganz gut, hier noch einige Tage abzutauchen, ehe wir in die Schweiz zurückkehren (lacht). (Basler Zeitung)
Erstellt: 11.05.2009, 13:51 Uhr
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