Das Band-Trauma

Am Konzert der Eagles of Death Metal starben 89 Menschen. Was macht das mit einer Band?

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Auf einem Foto, das vier Tage nach den Anschlägen von Paris entstand, kündigt die Anzeigetafel über dem Eingang zum Bataclan noch immer die Eagles of Death Metal an. Die Band hat Paris zu diesem Zeitpunkt längst verlassen. Die Europatournee ist abgesagt, die Eagles of Death Metal sind untergetaucht.

89 Menschen starben am Konzert der kalifornischen Rockband, als Terroristen den Konzertsaal stürmten und um sich schossen. Unter den Toten befindet sich auch ein britisches Crew-Mitglied der Eagles of Death Metal. In der Musikgeschichte findet sich kein vergleichbares Ereignis. Und doch ist eines klar: Was in Paris passierte, wird nicht spurlos an der Band vorübergehen. Das zeigen andere Vorfälle an Konzerten, von denen Gruppen noch Jahre verfolgt werden.

Great WhiteRhode Island

An die Schallisolation über der Bühne hatte niemand gedacht. Am 20. Februar 2003 spielt die Hardrock-Band Great White im Club The Station in West Warwick, Rhode Island. Wie gewohnt zündet die Band ihre pyrotechnischen Effekte. Doch diesmal setzen die sprühenden Funken die Isolation über der Bühne in Brand. Panikartig versuchen die Zuschauer, aus dem Club zu fliehen. Im Getrampel und dem sich rasch ausbreitenden Feuer sterben 100 Menschen, darunter auch der Gitarrist der Band, Ty Longley.

Der Tragödie folgt eine Reihe von Prozessen gegen den Tourmanager und die Clubbesitzer. Die Band weist stets jegliche Schuld am Feuer von sich. Dennoch wollen gewisse Opferorganisationen noch heute kein Geld annehmen, das Sänger Jack Russell seit Jahren für die Hinterbliebenen sammelt.

Pearl JamRoskilde

Die Geschichte von Pearl Jam müsse man unterteilen, sagt Sänger Eddie Vedder in der Dokumentation «Pearl Jam Twenty», und zwar in vor und nach Roskilde. Am 30. Juni 2000 spielt die Band aus Seattle am dänischen Festival vor 50'000 Besuchern. Diese drängen während des Konzerts immer stärker Richtung Bühne. Im Getrampel sterben neun Menschen, 26 weitere werden verletzt.

Der Vorfall wird für Pearl Jam zum Trauma. Das Quintett sagt Konzerte ab, zieht sich zurück, zerbricht beinahe. Gitarrist Stone Gossard: «Menschen, die tot über die Absperrung gereicht werden – was das in uns auslöste, geht nie wieder weg.» Und Bassist Jeff Ament: «Ich wusste nicht, ob ich noch Musik machen wollte.»

Pearl Jam machten weiter. Eddie Vedder und Stone Gossard nahmen Kontakt zu den Familien der Opfer auf, sind heute mit einigen der Angehörigen befreundet. Zehn Jahre danach gedachten Pearl Jam an einem Konzert in Deutschland der Opfer von Roskilde:

The WhoCincinnati

Was Pearl Jam in Roskilde erleben, widerfährt The Who 1979 in Cincinnati, Ohio. Vor dem Konzert kommt es im Eingangsbereich des Riverfront Coliseum zu einem Gedränge, in dem elf Menschen ums Leben kommen. Die Band erfährt erst nach dem Konzert von den Todesfällen und ist schockiert. Sänger Roger Daltrey will den Rest der Tour absagen. Pete Townsend besteht darauf, weiterzuspielen: «Wenn wir morgen nicht spielen, spielen wir nie wieder.»

(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.11.2015, 13:55 Uhr

Artikel zum Thema

Madonna, U2 – Musiker machen Front gegen Terror

Cartoons für Paris, Blumen vor dem Bataclan, ein Stinkefinger für den Terrorismus. Nach den Anschlägen in Paris reagieren Musiker und Künstler weltweit auf die Bluttat. Mehr...

Momente, bevor die Schüsse fielen

Manu Wino fotografierte das Konzert der Eagles of Death Metal im Pariser Bataclan. Mehr...

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Blogs

Nachspielzeit Petkovic darf kein Mitleid zeigen

Sweet Home Chinoiserie – very chic!

Die Welt in Bildern

Kuschelalarm: Zwei weisse Tigerbabies kuscheln sich aneinander. Vier kleine Tiegerbabies kamen am 21. März im Zoo von Borysew (Polen) zur Welt (26. März 2017).
(Bild: Grzegorz Michalowski) Mehr...