Lange weg, immer noch da

Freundeskreis verbanden am Live at Sunset das Publikum mit ihrem Nostalgie-Rap.

Nicht nur neben, sondern auch auf der Bühne ein schönes Paar: Max Herre von Freundeskreis mit Sängerin und Ehefrau Joy Denalane.

Nicht nur neben, sondern auch auf der Bühne ein schönes Paar: Max Herre von Freundeskreis mit Sängerin und Ehefrau Joy Denalane. Bild: Luxwerk/D. Jaggi/F.Candrian

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Als nach der Vorband Clueso und einem kurzen Umbau endlich das Xylofon des Intros von Freundeskreis’ Debütalbum «Quadratur des Kreises» erklang, leerte sich die Bar rasch, und die Stehplätze füllten sich dicht. Seit 2007 standen die Gründungsmitglieder von Freundeskreis – Max Herre, Don Philippe und DJ Friction – nicht mehr gemeinsam auf einer Bühne. Kein Wunder spielte die Show vor allem mit der Nostalgie, das letzte gemeinsame Album stammt von 1999. Ab diesem Zeitpunkt hatte sich vor allem Max Herre mit seiner Solokarriere beschäftigt.

Für das 20-jährige Jubiläum des Debütalbums hatten Freundeskreis im Vorfeld eine Minitournee mit «wenigen, exklusiven Konzerten» angekündigt, von der gestern Abend auch das Publikum am Dolder profitieren konnte. Ein Publikum, das für den vielleicht schönsten Kontrast des Abends verantwortlich war: auf der einen Seite die heimische Upperclass mit Rosé-Flaschen und Cüpli, andererseits die Mittdreissiger in Basketballtrikot und Baseballcap mit Bier und Joint, die mit Freundeskreis aufgewachsen sind.

«Wir bringen sie zurück, Raps goldene Ära»

Von ihrer zehnjährigen Bühnenabwesenheit war Freundeskreis nichts anzumerken. Das Publikum wurde vom Hitkatalog der drei Stuttgarter, die von Sängerin Joy Denalane und den Rappern Afrob und Megaloh unterstützt wurden, mehr als gut unterhalten. Jeder Text wurde vom begeisterten Publikum mitgerappt und -gesungen. Von «Esperanto» über «Tabula rasa» zu «Wenn der Vorhang fällt» und «Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte» war nicht nur Max Herre mit seinen Begleitern, sondern auch das Publikum äusserst textsicher. Verwunderlich ist das nicht, hat Freundeskreis doch seit 20 Jahren seinen Legendenstatus in der deutschsprachigen Rapszene zementiert.

Auf «Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte» verknüpft Max Herre Momente aus seinem Leben mit historischen Ereignissen.

Und dies, obwohl nur zwei reguläre Alben des Trios erschienen sind. Nach dem Debüt «Quadratur des Kreises» 1997 erschien zwei Jahre später «Esperanto», das zudem den Höhepunkt der Karriere der Stuttgarter markierte. Mit ihrem «Conscious-Rap», also Texten mit politisch oder sozialkritisch motivierten Inhalten, prägte Freundeskreis die Rap-Landschaft kurz vor den Nullerjahren und dem Beginn des Gangsta-Rap in Deutschland entscheidend mit. Das Lied «Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte», welches das Leben von Max Herre mit dem Weltgeschehen in Beziehung setzt, wurde auch schon für Geschichtsstunden am Gymnasium verwendet.

Bei «Mit dir» stand die Zeit still

Für den stärksten Moment des Abends sorgte klar die Darbietung des Liedes «Mit dir». Dieses wurde 1999 aufgenommen und markiert den Anfang der Liebesgeschichte zwischen Freundeskreis-Frontmann Max Herre und Joy Denalane, die kurz darauf heirateten. Dass die beiden während vier Jahren getrennt waren, nimmt dem Lied nichts von seiner Intensität. Es verstärkt sie vielleicht sogar, da Max Herre und Joy Denalane seit 2011 wieder ein Paar sind. «Mit dir» ist kein normales Liebeslied, davon zeugte sowohl die Nähe der beiden auf der Bühne als auch das Publikum, das sogar auf den Sitzplätzen aufstand, während der Darbietung fast ausschliesslich verstummte und mitwippte.

Das Liebeslied «Mit dir» war der Anfang sowohl der Zusammenarbeit von Max Herre und Joy Denalane, wie auch ihrer Liebesbeziehung.

Dass der «Freundeskreis» nicht nur die Künstler auf der Bühne, sondern auch das Publikum einschliesst, wurde beim von Bob Marleys «Jammin’» unterlegten Abschied überdeutlich. Die Künstler wurden zu Animateuren, das Publikum sprach nach, sang mit, tanzte und feierte. Allgemein war die Stimmung über die gesamte Konzertdauer sehr familiär, Unbekannte wurden durch die Energie des Auftritts und durch die Freude an der Reunion zu Komplizen und hätten ihre mitrappende Darbietung auf der Tribüne ebenso gut auf der Bühne präsentieren können. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.07.2017, 15:00 Uhr

Heute Patricia Kaas

Auf der Frontseite des heutigen «Tages-Anzeigers» wurde fälschlicherweise das Freundeskreis-Konzert angekündigt. Richtig ist, dass heute Patricia Kaas und Stiller Has auftreten werden.

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