Kultur
Auf den Pudding hauen
Gut gealtert: Comedypionier Hallervorden. (Bild: Oliver Leon Möder /zvg)
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Auftritte
Jubiläumsprogramm «Stationen eines Komödianten»:
bis 21.03. Häbsetheater, Basel
22. + 23. 03. Casinotheater Winterthur
24.03. Theater National Bern
25.03. Lorzensaal Cham
26.03. Stadtsaal Will (SG)
27.03. Kurtheater Baden
Video
«Stationen eines Komödianten» (mit Dieter Hallervorden und Harald Effenberg)
Herr Hallervorden, bevor Sie Komödiant wurden, wollten Sie den DDR-Staatsratsvorsitzenden und Chef der Sozialistischen Einheitspartei, Walter Ulbricht, ermorden. Haben Sie nie an den Sozialismus geglaubt?
Nein, ich fand nie, dass die DDR viel mit wahrem Sozialismus zu tun hatte. Dieser Staat trug ja die Lüge schon in seinem Namen: Deutsch – ja, Republik – auch, aber demokratisch? Nein.
Welche Rolle spielte die politische Gesinnung, als Sie 1960 in Berlin Ihre eigene satirische Kabarettbühne «Die Wühlmäuse» gründeten?
Ich habe Romanistik und Publizistik studiert und wollte Auslandskorrespondent werden. Politisch interessiert war ich seit meiner Jugend. Und als Hobby spielte ich Theater. Was lag also näher, als alle drei Interessen zu vereinen und ein politisch-satirisches Kabarett zu gründen?
Was hat Sie davon überzeugt, dass Kabarett das Richtige für Sie war?
Ich bekam als Amateur überdurchschnittliche Zuschauerreaktionen und gute Kritiken. Da schwante mir: Mensch, da könnste womöglich ’n Beruf draus machen!
Warum kam es 1974 zum Umstieg von Politkabarett auf Slapstickcomedy?
Nach 15 Jahren, in denen unsere Gruppe auf der Bühne politisch-satirisches Kabarett gemacht hatte, wollten wir uns eine Auszeit gönnen. Wir wollten ohne jede Rücksicht auf Tagesaktualität und politische Sachverhalte ein reines Unterhaltungsprogramm machen: dem Affen Zucker geben, chargieren, was das Zeug hält, mal so richtig als Komödiant auf den Pudding hauen, dem Publikum eine tüchtige Zwerchfellmassage verpassen. Wir traten an als «Des Wahnsinns kesse Leute». Ursprünglich war das Ganze lediglich als Samstagsprogramm gedacht, aber der Publikumsandrang war so gewaltig, dass wir es ins Abendprogramm übernahmen.
Ein Grosserfolg war Ihre ebenso lustige wie nervtötende Hauptfigur Didi Meisenkaiser. Was hat Sie dazu inspiriert?
Den Mut dazu hat mir ein Star wie Marty Feldman gegeben, den ich in vielen Folgen synchronisiert hatte. Und fast alle meine Rollen tragen eine gehörige Portion meiner persönlichen Erfahrungen, Ansichten und Erlebnisse in sich.
Nun feiern Sie Ihr 50-Jahr-Bühnenjubiläum. Hätten Sie das damals für möglich gehalten?
Erfolg lässt sich natürlich in meinem Beruf nicht einfach planen. Ein bisschen Begabung, viel Fleiss und sehr viel Ausdauer können zur Erreichung des Ziels, bekannt und anerkannt zu werden, durchaus von Nutzen sein. Und dass viele Menschen mich auch nach 50 Jahren noch kennen und sehen wollen – also dafür empfinde ich ganz ehrlich Demut und Dankbarkeit. (Berner Zeitung)
Erstellt: 19.03.2009, 17:10 Uhr
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