Kultur

Carmen-Premiere begeistert Basler Publikum

George Bizets Oper Carmen hat unzählige Choreografen inspiriert. Jetzt auch Basels Tanzchef Richard Wherlock. Die Premiere vom Freitag auf der Grossen Bühne des Theater Basel erntete beim Publikum begeisterten Applaus.

Carmen in Basel: George Bizets Oper, umgesetzt von Richard Wherlock.

Carmen in Basel: George Bizets Oper, umgesetzt von Richard Wherlock. (Bild: Ismael Lorenzo/Theater Basel)

Nicht nur bei Flamenco-Choreografen ist die Geschichte der unzähmbaren, leidenschaftlichen Carmen seit jeher beliebt. George Bizets Oper, 1875 in Paris uraufgeführt, hat auch klassische Ballettstars fasziniert, und in den 80er Jahren erlebte der Carmen- Stoff auch in der Film- und Unterhaltungsindustrie einen eigentlichen Boom.

Dass sich nun Richard Wherlock an das Drama des verschmähten Don José, der seine geliebte Carmen tötet, wagt, mag erstaunen, aber überrascht nicht. Denn obwohl Wherlock nicht unbedingt ein Meister der Handlungsballette ist, kommt die direkte, erotische Körperlichkeit des Carmen-Motivs Wherlocks Stil sehr entgegen: Wherlock versteht sich auf eine ganz aus der Physis entwickelten, hoch dynamischen Tanzsprache.

Beziehungsgeometrie

Wherlock gestaltet Bizets Musik insofern um, als er die Carmen Suiten, Teile der L'Arlésienne Suiten, der Petite Suite und der Kontertsuite Roma durch Perkussionssequenzen (Komposition: Siegfrid Kutterer) ergänzt. Dieses straffe musikalische Setting erlaubt dem Choreografen, die Geschichte zu markanten Spannungsmustern zu verdichten.

Die Spannungsmuster, welche Wherlock ausleuchtet und varriert, sind diejenigen der Beziehungen: von Don José und seiner geliebten Carmen, die ihn verschmäht, von Escamillo, der von Carmen vorgezogen wird und von Don José, der von Michaela geliebt wird. Dabei stehen sich auch zwei Formen von Liebesbeziehungen gegenüber: die unverbindliche, leidenschaftliche Liebe, wie sie Carmen verkörpert, und die traditionelle, auf Treue bestehende Liebe, wie sie Michaela von Don José will.

Ausdruckskraft

Dazu kreiert Richard Wherlock expressive, schnörkellose Szenen von drängender Körperlichkeit. Unterstützt wird diese Schnörkellosigkeit des körperlichen Ausdruck vom Bühnenbild (Bruce French): Durch unmittelbares Verschieben von Wänden und Luken werden mit wenigen Mitteln wechselnde Schauplätze verdeutlicht.

So stark die Ausdruckskraft der unmittelbaren Körperlichkeit des Tanzes ist, so deutlich fehlt ihr jedoch zuweilen die Differenziertheit. Wherlocks Tanzsprache kann zwar meisterhaft starke Stimmungen und Emotionen vermitteln, aber eine Handlung zu erzählen, vermag sie nur bedingt. Dramaturgisch trägt die Choreografie nicht durch alle Handlungsebenen hindurch.

Starke tänzerische und musikalische Leistung

Das ändert aber nichts daran, dass die Tänzerinnen und Tänzer des Basler Ensembles eine grossartige Leistung zeigen. Ayako Nakano begeistert als Carmen, Jorge Garcia Perez als Don José, Sergio Bustinduy als Escamillo.

Eine wunderbare, präzise Spann-und Leuchtkraft entwickelt sich auch im Spiel des Sinfonieorchesters Basels unter der Leitung von David Garforth. Das Premierenpublikum vom Freitag zeigte sich begeistert und bedankte sich mit tosendem Applaus. (jg/sda/)

Erstellt: 16.01.2010, 17:43 Uhr

Kultur

Populär auf Facebook Privatsphäre

 

Lokale Suche

Marktplatz