Kultur

Choreografin Pina Bausch gestorben

Die weltberühmte Choreographin Pina Bausch ist am Dienstagmorgen im Alter von 68 Jahren gestorben, fünf Tage nach einer Krebsdiagnose. Am Sonntag vor einer Woche ist sie noch auf der Bühne gestanden.

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Erfinderin des «Tanztheaters»: Pina Bausch (1940 – 2009).
Bild: Keystone

   

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Ausschnitt aus Igor Strawinskys «Sacre du Printemps» in der Interpretation von Pina Bausch, Tanztheater Wuppertal, 1973:

Die mit höchsten Preisen ausgezeichnete Bausch erlag einem Krebsleiden. Erst vor fünf Tagen sei die Erkrankung bei ihr festgestellt worden, sagte die Sprecherin.

Noch am Sonntag vor einer Woche habe Bausch mit ihrem Tanzensemble im Wuppertaler Opernhaus auf der Bühne gestanden. Unter ihrer Leitung wurde das Wuppertaler Tanztheater, wo sie seit 1973 als Chef-Choreografin wirkte, weltberühmt.

Die ganze Kunst beeinflusst

Die legendäre wie medienscheue Choreografin sei «eine Künstlerin, die den Weg für eine neue Art des Körperausdrucks auf der Bühne geöffnet hat, einen Körper, der tanzt und spricht. Ihre Arbeit hat nicht nur das zeitgenössische Ballett, sondern die ganze Kunst beeinflusst», hiess es, als sie 2007 an der Tanzbiennale von Venedig den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk erhielt.

Die zierliche Frau revolutionierte die Tanzkunst: Über vier Jahrzehnte lang stand die 68-Jährige für anspruchsvolles, experimentelles Tanztheater. Charakteristisch für ihr Schaffen war dabei die Form der Präsentation, die inhaltliche Auseinandersetzung mit Grundfragen der menschlichen Existenz und die Orientierung an fremden Kulturkreisen. In ihren weit mehr als 40 Stücken, die sie weltweit präsentierte, verschmelzen Schauspiel, Modern Dance, Pantomime und Musical zu einem neuen Stil. «Körper und Bewegung sind die beste Möglichkeit, um auszudrücken, was mich und uns alle bewegt», sagte Bausch einmal. «Es ist keine Kunst und kein Können, sondern Leben.»

Angst, Tod und Liebe

Geboren wurde Josephine (Pina) Bausch am 27. Juli 1940 in Solingen. Ihre tänzerische Ausbildung begann sie 1955 an der von Kurt Joos gegründeten Folkwangschule in Essen. Nach ihrem Abschluss wechselte sie an die berühmte Juilliard School in New York. 1962 kehrte Bausch nach Deutschland zurück, wo sie zunächst in dem von Joos neugegründeten Folkwang-Ballett tanzte.

Nur sechs Jahre später wurde sie Direktorin des neugegründeten Tanztheaters Wuppertal – das unter ihr Weltruhm erlangte. Die ersten eigenen Choreografien Bauschs sind noch stark dem Modern Dance verpflichtet. Ab Mitte der 1970er Jahre änderte sie aber nach und nach ihren Stil und integrierte immer mehr Gesang, Sprache, Alltagsgesten und Pantomime in ihre Werke. Ihre Stücke handeln von persönlichen und gleichzeitig universellen Themen wie Angst, Tod, Liebe und Sehnsucht. Was die Menschen bewegt, das interessiere sie viel mehr als wie sie sich bewegten, sagte Pausch einmal.

Wütendes Publikum

In Wuppertal erregte sie zuerst mit ihren Tanzversionen von Gluck- Opern und Strawinskys «Sacre du Printemps» (siehe Video) Aufsehen. Ihre radikale tänzerische Umsetzung der Bartok-Oper «Herzog Blaubarts Burg» (1977) wurde von einem wütenden Publikum seinerzeit mit Türenknallen quittiert.

Choreografie, Kostüme und Musik der Bausch-Produktionen brachen radikal mit gängigen Vorstellungen. Getanzt wurde bei ihr mitunter in knöcheltiefem Wasser, auf Torf oder zwischen Plastik-Nelken. In der Öffentlichkeit nahm Bausch selten Stellung zu ihren Produktionen. Sie blieb bei Premierenfeiern lieber kettenrauchend im Hintergrund. (rb/ap/sda/)

Erstellt: 30.06.2009, 16:45 Uhr

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