Kultur
«DNA» am Theater Basel: Der Tod ist nicht gut, aber irgendwie schon
Szene aus «DNA». (Bild: Simon Hallström, Theater Basel)
Treffpunkt ist ein Flachdach - man weiss nicht, ob im Bau oder im Abriss befindlich. Einige Löcher sind durch Netze gesichert, in andern lehnen Leitern, auf denen die Jugendlichen von unter der Bühne heraufklettern. Unten spielen Musiker zwischen den Szenen Paukenkonzerte.
Scheinwerfer aus dem Untergrund projizieren Schatten an die Bühnenrückwand, ein von schrägen Balken durchzogenes Gittermuster, gelegentlich durch die Umrisse der Darsteller oder die ausladenden Bewegungen der Trommler belebt.
Faszination für das Böse
Mit diesem Bühnenbild hat Beate Fassnacht sich selber übertroffen: Beim Anblick des Geflechts denkt man unweigerlich an Begriffe wie «soziales Netz» und «Verstrickung». Und auch die Jugendlichen in dem Stück sind wie das Flachdach zugleich unfertig und schon kaputt.
Ein Gitter war es auch, das Adam das Leben kostete. Der Junge hatte in die Clique aufgenommen werden wollen und deshalb alles gemacht, was man verlangte. Dass er beim Balancieren in einen Schacht gefallen ist, war vielleicht ein Unfall.
Falsche Spuren und ein imaginärer Mörder
Seinen Tod findet Cathy «aufregend», «nicht gut, aber irgendwie schon». Zusammenhalten und Stillschweigen sind die Gebote der Stunde. Der stets stoisch schweigende Phil entwickelt einen ausgeklügelten Vertuschungsplan samt falscher Spuren und einem imaginären Mörder.
Der erfundene Täter wird gefasst - nicht ganz zufällig allerdings: Cathy hat den Verdacht auf eine konkrete Person gelenkt, «in Eigeninitiative!», brüstet sie sich, und merkt nicht, was sie angerichtet hat.
Abgebrühtheit nimmt zu
Mitgehangen, mitgefangen. Nach der vorübergehenden Erleichterung steigt die Verzweiflung. Und dann taucht auch noch der tote Adam auf. Der echte? Ein Tatzeuge? Oder eine kollektive Phantasmagorie? Phil ergreift drastische Massnahmen, der sensible Brian wird vorgeschickt.
Obwohl nichts auskommt, zerfällt die Gruppe, die todeslüsterne Cathy wird straffällig, Brian verliert den Verstand. Und Phil, der nun die Liebe, die ihm Leah dauernd aufdrängte, brauchen könnte, wird verlassen und schliesst sich in sich selbst ein.
Die Quintessenz - das Böse, auch wenn es nur versehentlich unterläuft, wird immer bestraft - kommt im Stück keineswegs didaktisch daher. Dafür ist Dennis Kellys Sprache zu authentisch und sein Gespür für jugendliche Interessen zu gut ausgeprägt.
Prima inter pares
Die grösste Herausforderung ist die Rolle der Leah, von Irina Reinke glänzend gespielt. Zunächst ist sie nichts weiter als eine Plaudertasche, die den stummen Phil verliebt volllabert.
Doch im Verlauf des Abends entwickelt sie sich. Der Mensch sei genetisch am nächsten mit den Bonobos verwandt, sagt sie ganz treffend, und nicht, wie angenommen, mit den Schimpansen. Hätte man das früher gewusst, die Menschheit hätte ein anderes Bild von sich, denn Schimpansen töten Eindringlinge, Bonobos dagegen kümmern sich umeinander.
Während Phil das Hirn der Clique ist, ist Leah deren Seele und Gewissen. Sie wird als Einzige die Sache einigermassen unbeschädigt überstehen. Dass das weibliche Empfinden der männlichen Strategie überlegen ist - auch das eine bedenkenswerte These. (jg/sda)
Erstellt: 14.03.2010, 16:24 Uhr
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