Milo Rau sagt in Zürich ab – und in Gent zu

Der Theatermacher war als Intendant für das Zürcher Schauspielhaus in der letzten Runde. Nun verbleiben zwei deutsche Regisseure.

Der neue Intendant des Zürcher Schauspielhauses? Nein, das ist Milo Rau, der ab Spielzeit 2018/19 das NT Gent übernimmt.

Der neue Intendant des Zürcher Schauspielhauses? Nein, das ist Milo Rau, der ab Spielzeit 2018/19 das NT Gent übernimmt. Bild: Keystone

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Es war ein relativ offenes Geheimnis, dass Milo Rau nach zehn erfolgreichen Jahren in der freien Szene, an Stadttheatern und an Schauplätzen wie dem Kongo ein eigenes Theaterhaus übernehmen will. Nun hat sich der 40-Jährige entschieden: Auf die Spielzeit 2018/19 wird Rau Intendant des Nationaltheaters im belgischen Gent. Zugleich zieht Milo Rau seine Kandidatur für das Schauspielhaus Zürich zurück: Hier sucht man gegenwärtig einen Nachfolger für die Basler Regisseurin Barbara Frey, die auf Spielzeit 2019/20 nach insgesamt zehn Jahren den Pfauen und den Schiffbau abgeben wird.

Nach Informationen, die baz.ch/Newsnet vorliegen, war Rau in Zürich in der letzten Runde des Bewerbungsprozesses, der in den nächsten Tagen zum Abschluss kommen wird. Nach seinem Rückzug verbleiben noch die beiden deutschen Regisseure Sebastian Nübling und Nicolas Stemann im Rennen um den Pfauen. Als möglicher Kandidat gehandelt wird aber auch der Schweizer Regisseur Stefan Bachmann, der aktuell Intendant des Kölner Schauspiels ist.

Das Nationaltheater Gent ist das grösste Ensembletheater im flämischsprachigen Raum mit vier Bühnen. Milo Rau übernimmt ein Haus aus besten Händen: Geleitet wurde es zuletzt vom niederländischen Regisseur Johan Simons, der seit seiner Intendanz an den Münchner Kammerspielen als wichtiger Erneuerer des Stadttheater-Systems gilt.

Globaler Realismus

In der Nachfolge von Simons erlaubt das NT Gent die Verschränkung zweier Produktionsmodelle, die in der Schweiz noch immer strikt getrennt gehalten werden: internationale Tourneen wie in der freien Szene und den Aufbau eines eigenen Ensembles und Repertoires wie es an Stadttheatern üblich ist. Am Schauspielhaus Zürich wäre die Kombination dieser beiden Produktionsmodelle wohl erst nach einer Übergangszeit von ein bis zwei Spielzeiten möglich gewesen.

In Gent will Rau einer Pressemitteilung zufolge seine «konsequente Arbeit an einem globalen Realismus» fortsetzen – und sich auf die Suche nach einem Theater der Zukunft begeben, welches «das Lokale mit dem Europäischen verbindet».

Für Raus Eröffnungssaison sind unter anderem eine Regiearbeit des Belgiers Luk Perceval und eine Produktion von Rau geplant, der in Gent mit dem Campo-Theater bereits das Stück «Five Easy Pieces» über den belgischen Kinderschänder Marc Dutroux inszeniert hat, das zum diesjährigen Berliner Theatertreffen eingeladen ist. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.04.2017, 14:51 Uhr

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