Leben
Gibt es ein Recht auf ein gesundes Kind?
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Auf Wikipedia finde ich zwei Argumente der Gegner der sogenannten Präimplantations-Diagnostik, bei der es darum geht, ob man einen Embryo überhaupt einpflanzen soll, wenn es klar ist, dass das Kind z. B. am Downsyndrom leiden wird. Erstens, es gebe kein Recht auf ein gesundes Kind. Zweitens, diese Art der Diagnose diskriminiere die Behinderten. Mir scheinen diese Argumente absurd. Sie liefen ja wohl auch darauf hinaus, künftig die Abtreibung wahrscheinlich behinderter Kinder zu verbieten. C. M.
Liebe Frau M.
Inzwischen, so war vor kurzem zu lesen, würden etwa 90 Prozent aller Föten mit Downsyndrom abgetrieben. Die «Mongoloiden» sind also nicht nur rein sprachlich eine aussterbende Spezies. Den allgemeinen freundlichen Beteuerungen, dass solcherart Behinderte genauso Menschen seien wie wir, ja sogar ganz besondere kleine «Sonnenscheinchen», die uns so unendlich viel geben könnten etc., steht eine Praxis entgegen, welche die euphemistischen Sprachregelungen als Sonntagsgeschwätz für die Galerie entlarvt. Oder aber es sind die üblichen Mutmach-Rationalisierungen der von behinderten Kindern «betroffenen» Eltern, die dem vorhandenen oder lediglich (aber keineswegs zu Unrecht) befürchteten Unverständnis ihrer Umgebung etwas entgegensetzen möchten.
Die «Absurdität» der von Ihnen zitierten Argumente scheint mir ein getreuer Spiegel der Situation zu sein, aus der sie entstanden sind. Die pränatale Diagnostik im Zusammenhang mit einem Kriterienkatalog für legale Abtreibung ermöglicht und erfordert eine Entscheidung darüber, was man als ein zu riskierendes Menschenleben und was man als ein in einem frühen Zustand legitimerweise zu beendendes betrachtet. Und ist es wirklich so absurd, sich vor einer Zukunft zu ängstigen, in der gefordert werden könnte, eine in vollem Wissen eingegangene «Risiko-Schwangerschaft» sei von der Krankenkasse gleich zu behandeln wie mutwillig herbeigeführtes Übergewicht oder eine Raucherlunge? Als ein Risiko nämlich, für das die Gemeinschaft künftig nicht mehr solidarisch zu haften bereit ist. – Und nun dürfen Sie mich zum Schluss noch fragen: Sie meinen also ernsthaft, es sei besser, man dürfte endlich wieder «Möngi» sagen, aber dafür keines mehr abtreiben? Und ich täte Ihnen darauf antworten: Sie können doch Ihrerseits nicht ernsthaft annehmen, ich wollte wieder mehr ungeborene Behinderte auf die Welt bringen, um diese dann als Kanonenfutter gegen mehr gesellschaftliche Normierung und die neoliberale «Selbstverantwortungs»-Ideologie in Stellung bringen zu können. Was Sie aber gewiss ernsthaft annehmen dürfen, ist, dass ich ziemlich viel dagegen habe, moralische Dilemmata ethikkommissionsgerecht stets so zu präparieren, dass ja niemand mit seiner Entscheidung ein schlechtes Gewissen zu haben braucht. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.01.2011, 10:54 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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