Leben
Ist Komplementärmedizin zweitklassig?
Von Peter Schneider. Aktualisiert am 20.05.2009 4 Kommentare
Was halten Sie eigentlich von der sogenannten Komplementärmedizin? Ist es nicht arrogant, etwas als «unwissenschaftlich» zu verwerfen oder mindestens als zweitklassig abzutun, obwohl diese Verfahren einer oft jahrtausendealten Tradition entstammen?
E. F.
Lieber Herr F.
Ich weiss nicht, was ich von der Komplementärmedizin halte. Und zwar deshalb, weil ich sie nicht in Anspruch nehme und daher auch keine Erfahrungen damit habe. Ich muss mich also auf Ihre zweite Frage beschränken. Ich glaube keineswegs, dass es ausserhalb der Wissenschaft keine Wahrheit und kein Heil gibt; das Urteil, dass etwas unwissenschaftlich sei, kann mich also durchaus nicht schrecken. Auch sehe ich keinen Widerspruch zwischen Wissenschaft und Tradition denn die Wissenschaft ist selber eine Tradition neben anderen Traditionen, oder genauer: eine soziale Praktik unter anderen sozialen Praktiken. Andererseits macht es mir aber auch wenig Eindruck, dass schon Hildegard von Bingen vor knapp 900 Jahren wusste, wie man mit dieser oder jener Pflanze Kopfweh beseitigt, wenn es doch ein schlichtes Aspirin genauso gut tut. Und erst recht sehe ich keinen Grund, zur Methode der Schädelöffnung zu greifen, bloss weil diese zu therapeutischen Zwecken nachweislich schon im Neolithikum praktiziert wurde.
Fragen an Peter Schneider: leben@tagesanzeiger.ch
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 20.05.2009, 08:45 Uhr
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4 Kommentare
Wissenschaftlich" ist eine Methode, wenn ihre Wirkung nachgewiesen ist u n d wenn diese Wirkung verstanden wird. Viele Alltagsverfahren sind wirksam, ohne, dass deren Wirkung verstanden wird. Bei den komplementärmedizinischen Verfahren ist meist die Wirkung nicht nachgewiesen und wenn doch, ist ihre Wirkungsweise nicht bekannt. Wäre sie es, wäre gehörte es zur Schulmedizin! Antworten
in der TCM ist ein "simples Kopfweh" nicht nur ein Kopfweh, das mit einem Aspirin geheilt wird. Wohl verschwindet dann das Kopfweh, aber die Ursache vielleicht nicht: Verdauungsprobleme, Angst, Entscheidungsdruck. Das heisst, ein Kopfweh ist ein Symptom auf Distanz, weil das Hirn als solches nicht schmerzt (ausser bei einem Hirntumor etwa). Die Behandlung der Ursache ist wichtig, nicht das Symtom. Antworten
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