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Neue Technik
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Die Grundlage des Durchschnittsautos, der Verbrennungsmotor, ist um die 150 Jahre alt. Klar ist beim Drumherum viel gelaufen, und das moderne Auto ist nicht das gleiche wie die Urversionen. Doch die Basis ist gleich geblieben, und brauchbare Alternativen in der Mobilität sind kaum vorhanden (mal abgesehen von Zügen). Wie ist es möglich, dass sich so eine veraltete technische Grundlage immer noch, fast diskussionslos, halten kann? C. S.
Lieber Herr S. «Diskussionslos» würde ich nun nicht gerade sagen; aber brauchbare Alternativen zu den jetzt in Betrieb befindlichen Mobilitätssystemen sind tatsächlich nicht in Sicht, und zwar zu allen existierenden nicht, nicht nur zum Auto. Das ist angesichts des rasanten Tempos der technischen Innovationen wirklich höchst erstaunlich. Aber nicht unerklärlich. In einem Satz: Es sind der bisherige Erfolg der existierenden Verkehrssysteme und die daraus resultierende weltweite Verbreitung, die einer fundamentalen Innovation im Weg stehen.
Man kann sich diese Stagnation evolutionstheoretisch veranschaulichen. Es gibt keine genügend grossen Nischen, in denen sich eine völlig neuartige Form der Mobilität entwickeln und, das ist wichtig, darüber hinaus auch stabilisieren und verbreiten könnte. Die biologische Artenvielfalt auf der Erde ist ein Produkt der Vielfalt der Lebensräume. Die «Lebensräume» für Autos sind jedoch weltweit annähernd gleich.
Sie können Elektroautos erfinden, gasgetriebene Offroader und vielleicht sogar Lastwagen – aber all diese Fahrzeuge werden sich auf den nun einmal bestehenden Strassen bewegen müssen. Ein windgetriebenes Gefährt, das wie ein Schlitten auf einer selbst erzeugten, dünnen Flüssigkeitsschicht auf Teflonbahnen dahingleitet, ist ein prima Gefährt für einen Erlebnispark oder eine Weltausstellung; aber es kann sein enges Biotop nicht verlassen, weil es dazu auf dem gewöhnlichen Strassennetz müsste fahren können.
Die Stabilität des «Systems Auto» verdankt sich einem Rückkoppelungseffekt: Das Auto hat seine Umwelt geprägt, und darin kann sich nur noch bewegen, was annähernd ein Auto ist. Das bedeutet natürlich nicht, dass sich diese Mobilitätstechnik bis in alle Ewigkeit, bzw. bis uns der Sprit ausgeht, nicht mehr gross verändern wird. Wohl aber, dass eine bedeutsame Innovation des Individualverkehrs sich zunächst tendenziell an die fürs Auto geprägte Umwelt anpassen muss, bevor es ihr gelingen kann, ihrerseits – wie einst das Auto – die Umwelt zu verändern.
Fragen an: gesellschaft@tagesanzeiger.ch
Erstellt: 21.04.2010, 09:17 Uhr
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