Leben
Sind Linke bessere Menschen?
Von Peter Schneider. Aktualisiert am 13.01.2010
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Kürzlich hat sich an einer Party mit links-grün-alternativen Gästen eine politische Diskussion ergeben. Wobei das Wort «Diskussion» eine Beschönigung ist: Jeder hat einfach seine bereits seit langem festgefügten Standpunkte dargelegt. Ich habe als Einzige eine andere Meinung zu den vorgebrachten Themen (etwa zum Einsatz von militärischer Gewalt zur Erreichung humanitärer Ziele) vertreten und diese durchaus sachlich begründet. Darauf prasselte eine regelrechte Schimpftirade auf mich ein – ich sei menschenverachtend, mitleidslos, zynisch und dumm. Muss ich mich einfach an die Links-Grünen-Positionen halten, damit ich ja auf der Seite der Gerechten stehe? Sind Linke bessere Menschen? B. K.
Liebe Frau K. Das kommt darauf an, was man unter «links» versteht: Sie müssen nur möglichst viele Synonyme von «besserer Mensch» in der Definition von «Linker» unterbringen, und schon beantwortet sich die Frage wie von selbst. Aber was macht man dann mit den Linken, die selbst durch solche begrifflichen Taschenspielereien unverbesserlich bleiben? Sind das bloss «selbst ernannte Linke», gegen die man das wahre Linkssein in Schutz zu nehmen hätte? Ist man erst mal auf diese Denkfigur eingefuchst, kommt man (sehr unmarxistisch-idealistisch) zu Vorstellungen vom wahren Kommunismus, der von Leuten wie Stalin und Honecker leider missbraucht wurde. (Gibt es übrigens analog dazu ein nationalsozialistisches Ideal, das jedoch von Hitler verraten wurde?)
Redlicherweise kann man aber nun auch nicht behaupten, «rechts» und «links» (und die je damit verbundenen Vorstellungen, wie eine bessere Welt aussehen könnte) seien bloss leere Worthülsen. So widerlich mir solche Typen wie Ihre Mitgäste sind, so würde ich doch kaum zögern, mich selber als «links» zu bezeichnen. Aber, und das macht vielleicht einen Unterschied aus, nicht weil ich irgendwelche linken «Inhalte» vertrete, sondern weil ich Mühe habe, Kritik und Aufklärung als «rechte» Projekte anzusehen. (Aber ich könnte Ihnen kaum widersprechen, wenn Sie das nun Ihrerseits als blosse Begriffsnostalgie kritisieren würden.)
Offenkundig jedenfalls ist, dass aggressive Dummheit kein Privileg eines bestimmten real existierenden politischen Lagers ist. Und dass solche Borniertheit keinesfalls zu einem Konzept von Aufklärung passt, in dem es nicht darum geht, andere «aufzuklären» (d. h. ihnen ein für alle Mal klarzumachen, wo Gott hockt bzw. kein Gott hockt), sondern sich selber. Dazu wiederum gehört, Argumente nicht nachzubeten (oder zu verteufeln), sondern sie anzuhören und zu prüfen.
Fragen an: gesellschaft@tagesanzeiger.ch Aus zeitlichen Gründen können leider nicht alle Anfragen beantwortet werden. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.01.2010, 10:01 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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