Leben
Ticken Frauen auch auf der Strasse anders?
Von Peter Schneider. Aktualisiert am 06.05.2009 5 Kommentare
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Folgende Situation: Ich fahre auf einer Hauptstrasse, von rechts will jemand einbiegen. Ich (männlich) würde, an der Stelle des anderen, in Betracht meines Abstandes und meiner Geschwindigkeit noch einbiegen. Nun gibt es zwei Möglichkeiten. Fall 1: Das Auto biegt nicht ein und wartet: Es ist zu 95% eine Automobilistin am Steuer. Fall 2: Das Auto biegt noch ein: Es ist zu 95% ein Automobilist am Steuer. Dass Frauen nicht nur äusserlich anders gebaut sind als Männer, sondern, evolutionär bedingt, auch innerlich anders ticken, ist anscheinend erwiesen. Es würde mich nun interessieren, warum eine Frau mein Vorbeifahren abwartet: Weil sie a) vorsichtiger ist und Risiken eher klein halten will? Oder b) die Situation nicht richtig einschätzen kann? Beziehungsweise c) mich nicht hindern und zum Abbremsen bringen will? Was meinen Sie dazu? M.M.
Lieber Herr M.
In der Tat: Diese Frauen sind schon ein ziemlich eigenes Geschlecht für sich. Sie sind eben - anders. (Darum versteht man auch auf Anhieb, welches der beiden Geschlechter Simone de Beauvoir mit dem Titel ihres Buches «Das andere Geschlecht» gemeint hat.) So weit, so klar.
Aber sobald man - vom Unterschied der primären Geschlechtsorgane einmal abgesehen - diese so überaus fundamentale Differenz der Geschlechter im Einzelnen betrachtet, desto unübersichtlicher und rätselhafter wird sie.
Lassen wir einmal die Frage beiseite, ob Ihre persönliche Statistik den strengen Anforderungen der empirischen Sozialforschungen genügt, und tun wir einmal - gedankenexperimenthalber - so, als sei sie ein unumstössliches Ergebnisses der langjährigen Beobachtung des Verkehrsverhaltens von Männern und Frauen. Was schliessen wir dann aus dieser Beobachtung? Sind Frauen - evolutionär bedingt - risikoscheuer/desorientierter/rücksichtsvoller (Nichtzutreffendes bitte streichen), weil Eizellen ein kostbareres Gut sind als Spermien/die richtige Einschätzung von Entfernung nicht zum weiblichen Brutpflegeprogramm gehört/Empathie unabdingbar ist für die erfolgreiche Partnersuche und Vermehrung?
Eigentlich ist es wurst, welche Erklärung wir dafür ins Feld führen, dass Frauen beim Einbiegen zögern/nicht einparkieren können/mit Begeisterung Schuhe kaufen/besser zuhören… - denn am Ende läuft alles dann doch bloss auf eine simple Geschlechter-Metaphysik hinaus, die man auch ganz ohne alle evolutionsbiologischen Verrenkungen hätte haben können.
Fragen an Peter Schneider: leben@tagesanzeiger.ch
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 06.05.2009, 09:05 Uhr
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5 Kommentare
Ich verstehe gar nicht, wieso immer die Evolution als Erklärungslieferant herhalten muss - davon ausgehend, dass ich denke, MM hat mit seiner Beobachtung recht. Meine ganz persönliche Haltung tendiert eher zu biologischen Umständen, dass nämlich Männer testosteronbedingt einen eigentlich unerklärlichen Ehrgeiz in nichtigen Dingen entwickeln, anstatt durchschnittlich vorsichtig zu sein. Antworten
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