Leben

Was taugt die Biostruktur-Analyse?

Aktualisiert am 16.06.2010

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Als Aussendienstmitarbeiter werde ich gegenwärtig geschult, meine Ansprechpartner mittels der Biostruktur-Analyse zu analysieren. Kernthese ist, dass aus dem Zusammenwirken des instinktivgefühlsmässigen Stammhirns, des impulsiv-emotionalen Zwischenhirns und des kühl-rationalen Grosshirns das menschliche Verhalten entsteht. Was taugen solche Methoden im Alltag? B. K.

Das werden Sie dann ja bald selber erkunden können, sobald Sie Gelegenheit haben, die frisch gelernte BiostrukturAnalyse bei Ihren Kunden anzuwenden. Man kann sich natürlich auch noch fragen, woher die Entschlossenheit rührt, eine im Grunde simple Typenlehre partout hirnwissenschaftlich zu unterfüttern. Denn eigentlich ist es ja wurscht, ob man die Typen nun dem Stammhirn, dem Zwischenhirn und dem Grosshirn zuordnet oder sie, wie die klassische vierteilige Typenlehre des Hippokrates (mit den Typen des Phlegmatikers, des Sanguinikers, des Cholerikers und des Melancholikers), aus der Verteilung der vier Körpersäfte Schleim, Blut, gelbe und schwarze Galle ableitet.

Ob nun Drei-Hirn- oder Vier-SäfteTypen: Der Clou solcher Einteilungen besteht stets in der Einsicht, dass reine Typen in der Realität nicht existieren. Damit wird die genaue Diagnose und Behandlung der je individuellen Typenmischung zur eigenen Kunst, die mit einem gewissen Aufwand erst erlernt werden muss. Freilich würde kein Unternehmen in einen Kurs in Verkaufspsychologie investieren, dessen Grundlage die antike Humoralpathologie wäre. Man bedarf vielmehr des Arguments, hier gehe es um konkrete, praxiserprobte Anwendungen «neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse». Die freilich im Fall der Biostruktur-Analyse auch nicht mehr ganz so taufrisch sind, sondern in ihren Grundzügen auf Arbeiten des US-amerikanischen Neurologen Paul MacLean aus den Fünfzigerjahren zurückgehen.

Das ist aber nicht weiter schlimm, da nur schon das Etikett «Neuro» allein wissenschaftliche Aktualität signalisiert und mit der Vorstellung hochmoderner

Apparaturen einhergeht, von denen man schliesslich weiss, dass man mit ihrer Hilfe dem Hirn beim Funktionieren zuschauen kann. Es ist die Bild-Rhetorik der Hirn-Scanner, welche die Biostruktur-Analyse oder sonstige Methoden des Neuro-Marketings legitimiert. Wohingegen Schleim, Blut und gelbe beziehungsweise schwarze Galle keine Argumente mehr liefern, sondern bloss noch eklige Körperflüssigkeiten sind.

Erstellt: 16.06.2010, 10:51 Uhr


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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

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