Leben

Wie ist das nun mit Küng und Drewermann?

Von Peter Schneider. Aktualisiert am 28.10.2009

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Sie haben vor einiger Zeit in Ihrer Kolumne die beiden Theologen Eugen Drewermann und Hans Küng als «Dünnbrettbohrer» respektive «Zeitgeistanbiederer» tituliert. Für eine nähere Erklärung dazu wäre ich ihnen dankbar. A.W.

Lieber Herr W. Ich fürchte, meine Erläuterungen werden Ihnen gleich apodiktisch vorkommen wie die zitierten Schmähungen. Seis drum. Ich finde z. B. das küngsche Projekt «Weltethos» eher läppisch als grossartig: Als schlügen sich verfeindete Völker und Gruppen mit Berufung auf ihren Glauben vor allem deshalb die Köpfe ein und ab, weil ihnen noch niemand mitgeteilt hat, dass das von allen grossen Religionen eigentlich nicht erlaubt ist. Wenn Hape Kerkeling als Horst Schlämmer eine friedensstiftende «Ach Kinders, lasst doch den Scheisss!»-Kampagne in die Welt setzte, wäre das nicht weniger wirkungslos, aber immerhin lustig. Bei Küng ist es, mit Verlaub, eher unfreiwillig komisch.

Kommen wir zu Eugen Drewermann. Wen juckt es heutzutage, unter dem Motto «Jesus als Heiler» «Tiefenpsychologie und Exegese» miteinander zu versöhnen, wo doch die Krankenkasse weder das eine noch das andere bezahlen will? Dass die Karawane des Zeitgeists weitergezogen ist, hat allerdings auch Drewermann gemerkt. Wie stets auf der Höhe neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse, setzt er auf die unschlagbare Verbindung von Neurowissenschaft und Theologie: «Atem des Lebens. Die moderne Neurologie und die Frage nach Gott. Band 1: Das Gehirn». Wer es lesen will, der lese es. Man kann es auch bleiben lassen.

Kurzer Rede kurzer Sinn: Wahrscheinlich läuft mein Verhältnis zu Küng, Drewermann u. ä. letztlich bloss auf ein ästhetisches Missbehagen hinaus: Da wird mit viel Papier und grossem rhetorischem Aufwand für oder gegen Dinge gekämpft, deren Relevanz sich mir nicht erschliessen will. Wer ernsthaft glaubt, die selben Menschen, die sich um das kirchliche Verbot ausserund unehelichen Geschlechtsverkehrs foutieren, warteten auf nichts sehnlicher, als dass der Papst ihnen den Gebrauch eines Kondoms gestattet, mag Trost aus der küng-drewermannschen Kirchenkritik ziehen. Ich tue es nicht. Die Problematik des interkonfessionellen Abendmahls erhitzt mein Gemüt so wenig wie die Frage des Zölibats und das Problem der Wiederverheiratung geschiedener Priester.

Ob Naturwissenschaft und Glaube zusammenfinden oder nicht – mir ist es eigentlich wurscht. Nur ab und zu sticht mich offenbar doch der polemische Hafer. Soll möglichst nicht wieder vorkommen. Aber versprechen kann ich natürlich nichts.

Fragen an: gesellschaft@tagesanzeiger.ch Aus zeitlichen Gründen können leider nicht alle Anfragen beantwortet werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.10.2009, 10:25 Uhr


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