Bruchfeste Biergläser für Pub-Schlägereien
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Pub-Gäste in Grossbritannien sollen sich ihre Halbe künftig aus unzerbrechlichen Gläsern zu Gemüte führen - sicherheitshalber. Die Regierung hofft, Unsummen an Gesundheitskosten zu sparen, wenn die Zecher ihre Pint-Gläser nicht mehr zertrümmern und bei Kneipenschlägereien als gefährliche Waffe missbrauchen können.
Jahr für Jahr gibt es im Vereinigten Königreich rund 87'000 Glas-Attacken in Zusammenhang mit Alkohol, die für viele Beteiligte im Krankenhaus enden. Gläser verursachten schreckliche Verletzungen, beklagte Innenminister Alan Johnson am Mittwoch bei der Vorstellung zweier bruchfester Prototypen. «Ich hoffe, dass diese Entwicklungen solchen Angriffen ein Ende machen.»
Zwei Varianten sind in Arbeit: Ein Glastyp ist innen mit einer dünnen Kunstharzschicht versehen, der andere besteht aus Verbundglas ähnlich wie Autoscheiben. Beide sind nur schwer kaputt zu kriegen, und im Fall des Falles halten die Scherben zusammen. Geplant ist, die Neuerungen auf freiwilliger Basis in den Pubs einzuführen, wenn sie sich in Tests als haltbar, kostengünstig und sicher erweisen.
Blutbad im Pub
Alcohol Concern, eine Organisation gegen die Auswüchse des Alkoholmissbrauchs, hat für die Idee viel übrig. «Wir sind sehr dafür», erklärte Geschäftsführer Don Shenker. Bei der Hälfte aller Tätlichkeiten in Grossbritannien sei Alkohol im Spiel, und es komme häufig vor, dass Gläser zerschlagen und als Waffe benutzt würden. Die Wahrscheinlichkeit, in eine Tätlichkeit verwickelt zu werden, sei in oder vor Kneipen fünf Mal grösser als sonst. «Da gibt es einen eindeutigen Zusammenhang.» Alkoholbedingte Probleme kosten das staatliche Gesundheitswesen schätzungsweise 2,7 Milliarden Pfund (gut drei Milliarden Euro) im Jahr.
Die Beschäftigten im Elephants Head im Londoner Stadtteil Camden jedenfalls würden Sicherheitsgläser begrüssen, wie Tresenkraft Mirjam Linzie versicherte. «Einmal gab es eine grosse Schlägerei, und in einer Minute gingen 50 Pints zu Bruch», berichtete sie. «Ein Mann zerschlug einem anderen das Glas auf dem Schädel. Einem quoll das Auge raus. Es war ein Blutbad. Es hat Scherben gehagelt. Die Leute sind hinter dem Tresen in Deckung gegangen.»
Plastik geht gar nicht
Auch Wirte anderer Pubs, denen solche Erfahrungen bislang weitgehend erspart blieben, können bruchfesten Gläsern etwas abgewinnen - allein schon deshalb, weil im Normalgebrauch so viele kaputt gehen. Plastikbecher seien keine Alternative, weil Biertrinker sie aller Erfahrung nach nicht leiden können, sagte Glasdesigner Matt Cotterill. «Glas liegt gut in der Hand, fühlt sich kühl an», erklärte er. «Plastik wird warm.»
Roger Protz, Autor eines Bierführers, hält Plastikbecher ebenfalls für eine Beleidigung in den Augen eines jeden Biertrinkers. Dass Pint-Gläser böswillig zweckentfremdet würden, habe er selbst aber noch nie erlebt. «Vielleicht gehe ich in die falschen Pubs», mutmasst der Kenner.
Abgesehen von der Sicherheit hätte das Verbund-Bierglas möglicherweise sogar noch einen Zusatznutzen, mutmasste Designer Cotterill: «Dieses Glas könnte das Bier länger kühlhalten.» (vin/ddp)
Erstellt: 05.02.2010, 13:44 Uhr
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