Leben

Der Klick nach dem Akt

Von Marie Dové (Clack). Aktualisiert am 21.12.2012

Zwischen Höhepunkt und Griff zum Handy liegen nur noch ein paar Augenblicke. Dabei möchten doch Frauen so gerne kuscheln.

Dieser Kommunikationstrieb nach dem Sexualakt: Smartphone-User.

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Für die Klassiker, die noch grundsätzliche Aussagen wagten, war es klar: Post coitum omne animal triste est. Nach dem Sex ist der Mensch, so wie jedes Lebewesen überhaupt, traurig.

Die moderne Forschung jedoch begnügt sich nicht damit, postkoitale Depressionen zu diagnostizieren. Sie will es differenzierter wissen, zumal dem modernen, individualisierten Menschen auch im Bett mehr Optionen offenstehen als seinen Vorvätern. Studien zum Thema «post-coital behavior» sind derzeit irgendwie in Mode, jedenfalls dürfen wir regelmässig über die neuesten diesbezüglichen Erkenntnisse lesen.

Die Zigarette war gestern

War es früher die Zigarette, zu der Männer und Frauen nach dem Akt griffen, so zeichnet sich nun ein neues Suchtmuster ab. Immer mehr Frauen und Männer nehmen nach dem Sex umgehend ihr Smartphone in die Hand, um damit auf sozialen Netwerken zu verkehren, zu simsen, die E-Mail-Box zu checken oder ein wenig rumzutwittern. Gemäss einer Umfrage in Grossbritannien pflegt bereits jede Dritte und jeder Dritter dieses digitale Nachspiel, das von den Soziologen als weiteres Indiz für eine zunehmende Smartphone-Sucht in den westlichen Kommunikationsgesellschaften interpretiert wird.

Selbstverständlich gibt es auch heute noch Menschen, die nach dem Liebemachen als Erstes duschen gehen oder gemeinsam ein Sandwich essen oder womöglich einfach liegen bleiben, um gemeinsam zu verschnaufen. (Lesen Sie auch: «Die Orgasmus-Verantwortung») Aber Untersuchungen aus weiteren Ländern kommen zu ähnlichen Ergebnissen wie die britische Studie – so etwa eine Umfrage aus den USA, gemäss deren immerhin jeder fünfte Mann und jede fünfte Frau gleich nach dem Geschlechtsakt auf dem Handy rumklickt.

Das moderne Beziehungsleben ist vernetzt, digital vernetzt

Dies ist zwar nicht so riskant wie der ähnlich verbreitete Smartphone-Gebrauch im Individualverkehr (rund jeder vierte Smartphone-Besitzer tut es ungeachtet der Verbote auch am Steuer). Der ungehemmte menschliche Kommunikationstrieb nach erreichter sexueller Befriedigung zeigt allerdings in aller Deutlichkeit, in welchem Masse die neueste Informationstechnik in unser Beziehungsleben spielt. So sagte etwa der Schweizer Paartherapeut Klaus Heer kürzlich gegenüber dem «Blick»: «Das Handy ist ein Brandbeschleuniger in nahen menschlichen Beziehungen. Fast immer, wenn sich zwei Menschen finden, wirkt das Handy entscheidend mit.» Ob via SMS, Facebook oder E-Mails: Das moderne Beziehungsleben ist vernetzt, digital vernetzt.

Die Beziehung des Homo sapiens zu seiner neuen Liebe, dem Handy, ist dermassen leidenschaftlich, dass sie auch eherne Verhaltensmuster verändert. Denn eigentlich steht den Frauen nach vollzogenem Liebesakt der Sinn nach Kuscheln. Sie würden sich so der Liebe versichern, heisst es in einschlägiger Fachliteratur – dabei ist es sogar egal, ob der Sexpartner nur eine Affäre oder ein fester Partner ist. (Lesen Sie dazu auch: «Wer sagt zuerst: Ich liebe Dich?»)

Smartphone und Evolution – eine noch nicht restlos geklärte Beziehung

Männer hingegen, so hat sie die Evolution geformt und genormt, neigen zum schnellen Wegdösen nach erfolgtem Orgasmus. Die Sexualhormone Oxytocin und Serotonin machen Männer schläfrig und begünstigen das Einschlafverhalten.

Fragt sich somit, ob auch das Smartphone von der Evolution vorgesehen war oder nicht. Einen evolutionären Effekt allerdings könnte es bald einmal haben: Schon heute gibt jede fünfte Frau an, dass sie lieber eine Woche lang auf Sex verzichten würde als auf ihr Handy. Wenn das so weitergeht, verzichtet der Mensch bald einmal gänzlich auf das bisschen Sex vor dem Kommunikationsakt.

Diskutieren Sie hier mit! Darf man nach dem Sex zum Handy greifen? Wie reagieren Sie, wenn Ihr Partner dies tut? (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.12.2012, 18:16 Uhr

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