Leben
Die Internet-Nanny
Interview: Jan Derrer. Aktualisiert am 19.05.2011 2 Kommentare
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Ein unscheinbares Reihenhaus in Münsingen. Hier produziert Kathrin Buholzer im Wohnzimmer Youtube-Videos mit Erziehungstipps. Eine kleine Videokamera und ein Laptop sind ihre Arbeitsinstrumente. Bereits 15'000 Abonnenten folgen ihrem Kanal, mit dem sie 2009 online ging. Die Videos wurden insgesamt über 900'000-mal aufgerufen.
Die Mutter von zwei Töchtern (neun und sieben Jahre alt) gibt seit 2005 Erziehungskurse. Ihre Webseite Elternplanet.ch war zunächst nur als Ergänzung zu den Kursen gedacht. Bald meldeten sich jedoch immer mehr Hilfe suchende Eltern im Forum. Pro Tag beantwortet sie durchschnittlich drei bis fünf Fragen von Eltern. Wobei es mehrheitlich Mütter sind, die um Rat fragen. Dank Youtube ist sie bis nach Deutschland zur Anlaufstelle für Hilfesuchende geworden.
Am Rande des Nervenzusammenbruchs
Ihre Erfahrungen als Mutter waren für Kathrin Buholzer der Anstoss, sich zur Elterntrainerin ausbilden zu lassen. «Ich war gefrustet vom Mutteralltag, fühlte mich gestresst, war oft am Anschlag – sozusagen am Rande des Nervenzusammenbruchs», erzählt die Journalistin und ehemalige Lehrerin. «Meine Erziehungsausbildung beruht auf ‹Triple P.›. Diese Methode vertritt einen bestärkenden, positiven und konsequenten Erziehungsstil.»
Eine Onlineberatung ersetze keine persönliche Beratung, meint die Erziehungstrainerin. «Eine Online-Beratung ist ein Türöffner, eine erste Hemmschwelle wird überwunden.» Leute mit grösseren Problemen rate sie, sich weitere Hilfe zu holen. Und wie sieht sie die Erziehungskompetenz heutiger Eltern? Sind sie überfordert? «Das ist schwierig zu sagen. Vermutlich holen sich Eltern heute einfach schneller Hilfe. Zudem gibts viele Alleinerziehende. Man hat heute vielleicht nicht mehr die Möglichkeit, wie früher auf die Familie zurückzugreifen.»
Nachfrage nach Elternberatung steigend
Wie die «SonntagsZeitung» meldete, holen sich in der Schweiz immer mehr Eltern Erziehungshilfe. 3831 Ratsuchende meldeten sich 2010 beim Elternnotruf. Das sind ungefähr 250 Anrufe mehr als im Vorjahr. Auch bei Pro Juventute melden sich mehr Eltern als früher. Und sogar beim Sorgentelefon, das eigentlich für Kinder und Jugendliche gedacht ist, suchen Eltern Hilfe. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.05.2011, 10:08 Uhr
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2 Kommentare
Toll, gibt es so ein Angebot. Toll, gehen die Medien heute viel ehrlicher mit dem Thema Kindererziehung und deren vielen Herausforderungen um. Aber "Triple P" bleibt für mich eine nicht funktionierende Theorie. Da hoffe ich, ist die Online-Beratung von Frau Buholzer näher an der Realität. Antworten
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