Die Vergewaltigung wird zum Erlebnis

Absurde Debatte zu sexueller Gewalt: Zwei Kulturwissenschaftlerinnen fordern, dass Vergwaltigungsopfer nicht mehr «Opfer» genannt werden.

Vergewaltige Frauen haben wohl andere Sorgen, als die Begrifflichkeit des Übergriffs. (Im Bild: Femen-Protest gegen Dominique Strauss-Kahn vor seiner Vernehmung im Prozess um Sex-Partys).

Vergewaltige Frauen haben wohl andere Sorgen, als die Begrifflichkeit des Übergriffs. (Im Bild: Femen-Protest gegen Dominique Strauss-Kahn vor seiner Vernehmung im Prozess um Sex-Partys).

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Vergewaltigungen sind eine üble Sache. Dem werden wohl nicht nur Feministinnen zustimmen. Letztere jedoch streiten sich seit Wochen heftig über den politisch korrekten Umgang mit sexueller Gewalt gegen Frauen. Zwei Kulturwissenschaftlerinnen haben mit einem Text in der deutschen Tageszeitung für Aufsehen gesorgt. Sie fordern, dass Vergewaltigungsopfer nicht mehr Opfer genannt werden, sondern «Erlebende sexueller Gewalt». Wer also in der Öffentlichkeit spricht, soll künftig Opfer nur noch als «Erlebende sexueller Gewalt» bezeichnen. Der neue Ausdruck soll auch in den Duden aufgenommen werden. Der Opferbergriff, so meinen die Autorinnen, sei ein wertender Begriff, weil Opfer «wehrlos, passiv und ausgeliefert» seien.

Dass es wohl zum Wesen einer Vergewaltigung gehört, dass das Opfer dem Täter wehrlos ausgeliefert ist, scheint für die Autorinnen irrelevant. Relevant ist hingegen offenbar, dass die Frau durch die falsche Sprache diskriminiert werde, weil der Opferbegriff suggeriere, dass die Opfer nicht mehr selbstständig über ihr Leben befinden könnten. Die betroffenen Frauen werden also auch für ihr Leben nach der Tat als Opfer stigmatisiert. Und das müsse verhindert werden.

Die Gesellschaft werde durch die Ablösung des Opferbegriffs Vergewaltigungen anders wahrnehmen.

Darum wollten die Autorinnen einen Begriff schaffen, der «höchstmögliche Wertungsfreiheit gewährleistet», damit die Betroffenen das Erlebte so bezeichnen können, wie sie wollen. Das sei darum zentral, weil die Gesellschaft durch die Ablösung des Opferbegriffs Vergewaltigungen anders wahrnehmen werde. Einerseits würde das Opfer nicht mehr als komplett passiv wahrgenommen, womit dann «Rollenverteilungen» aufgebrochen würden. Andererseits würde sich künftig der Fokus weg von der Tat und dem Täter auf das individuelle Erleben der Betroffenen verschieben.

Der Vorschlag dieser Autorinnen, die man in Fachkreisen offenbar zu den liberalen Queer-Feministinnen zählt, kam bei den Radikalfeministinnen schlecht an. In Blogs und in der Zeitschrift Emma wird mobilgemacht gegen den Begriff, weil die Tat damit nicht objektiv als Tat bewertet würde, sondern aufgrund des subjektiven Erlebens.

Für Juristen ist die Angelegenheit hingegen weniger komplex: Opfer und Täter sind für sie wertneutrale Begriffe. (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.03.2017, 10:15 Uhr

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