Die Vormacher

Internetstars wie Bendrit Bajra zeigen den traditionellen Medien, wie man heute Teenager erreicht.

Das Internet schafft neue Stars: Die Könige der Likes. Foto: iStock

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Was für ein Phänomen! Ein TA-Artikel über einen 18-jährigen Autoverkäuferlehrling aus Schwamendingen verbuchte letzte Woche online ähnlich viele Klicks, wie wenn Roger Federer Wimbledon gewinnt. Die Erklärung ist so einfach wie eindrücklich: Dem 18-jährigen Bendrit Bajra folgen auf Facebook über 129'000 Menschen – mehr, als in Winterthur wohnen. Wenn er eines seiner Comedy-Videos veröffentlicht, klicken 10'000 bis 20'000 seiner Anhänger auf «Like». Wenn er einen Beitrag kommentiert oder teilt, wird dieser von seinen Fans gelesen, kommentiert und ebenfalls geteilt. So gelangten überdurchschnittlich viele Leser auf die TA-Website.

Diese Art der Verbreitung funktioniert nicht viel anders als die gute alte Mundpropaganda. Neu sind die Dimensionen: Dank mobiler Geräte und sozialer Netzwerke wie Facebook oder Twitter verbreiten sich Beiträge rasend schnell und weit. Firmen beschäftigen heute Social-Media-Manager mit dem Ziel, die digitale Mundpropaganda für kommerzielle Zwecke zu nutzen. Wirklich erfolgreich aber sind junge Menschen mit grossen Ambitionen, die kein Produkt verkaufen, sondern sich selbst in kurzen Videos darbieten. Weitgehend unbemerkt von den traditionellen Medien hat sich im Netz so eine Subkultur selbst gemachter Stars entwickelt.

Die sogenannten Youtuber veröffentlichen kurze Videos, in denen sie Slapstick, Schminktipps oder Kommentare zu Computerspielen («Let's Play») zum Besten geben. Den Themen sind keine Grenzen gesetzt. Der Qualität schon: Viele der Beiträge sind laienhaft und langweilig, und nur für Teenager verständlich.

Millioneneinkünfte

Doch die Zahl der professionellen und erfolgreichen Youtuber wächst. Der weltweit populärste «Let's Player» ist PewDiePie: 32 Millionen Abonnenten, die meisten Teenager, verfolgen, wie sich der 24-jährige Schwede Felix Kjellberg auf Englisch durch Spiele jauchzt, grunzt, singt und flucht. Dass viele Erwachsene darüber die Nase rümpfen, dürfte ihm egal sein. Rund 4 Millionen Dollar im Jahr verdient PewDiePie mit Werbung, die Youtube auf seinem Kanal zeigt.

Die Google-Tochterfirma bemüht sich, erfolgreiche Youtuber an sich zu binden. Denn diese bringen regelmässig Nutzer auf die Site. Darum beteiligt Youtube nun die erfolgreichsten Selbstinszenierer mit 55 Prozent an den Werbeeinnahmen. Und hilft ihnen dabei, ihre Beiträge professioneller zu gestalten. Youtubern mit mehr als 5000 Abonnenten stehen Studios in Los Angeles, London und Tokio offen. Bald kommen weitere dazu.

Doch nicht nur Youtube umwirbt die Newcomer. Auch Werbeindustrie und Onlinemedien möchten von ihrer Reichweite im Netz profitieren. Indem sie die Internetstars in ihren Videos für bestimmte Produkte werben lassen. Oder die Stars als sogenannte Contentpartner engagieren. Bendrit Bajra zum Beispiel arbeitet für Likemag, eine Social-Media-Plattform aus Zürich, die unterhaltsame Inhalte verbreitet.

Das Problem ist allerdings: Die Fans reagieren empfindlich auf zu viel Hype und Kommerz. Kaum war der Artikel über Bajra aufgeschaltet, schrieben einige seiner Anhänger in Kommentaren, dass er jetzt nur nicht abheben soll. Schliesslich stehen und fallen die selbst gemachten Stars mit ihrer Authentizität. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.12.2014, 23:38 Uhr

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