Leben
Dr. Mangs gruselige Anatomiekunde
Von Ulrike Hark. Aktualisiert am 25.09.2009 19 Kommentare
Das Buch
Werner Mang: Verlogene Schönheit, Bertelsmann Verlag 2009, 253 S., ca. 36 Fr.
Ausgerechnet jemand, der 12 Stunden am Tag Nasen korrigiert, Männern die Tränensäcke leert, schmächtige Busen vergrössert und Fett absaugt, setzt zur kritischen Innenschau der eigenen Branche an. Kann das gut gehen? Es ist zumindest amüsant. Werner Mang, 60, bekannt als «Nasen-Mang» (Eigenzitat: «Jede Nase macht ein neues Krankenzimmer!»), hat seine Bodenseeklinik in den letzten Jahren zu einem Imperium ausgebaut und gilt als reichster Beauty-Operateur Deutschlands. Der Blauäugige mit der Knubbelnase und den Löckchen hinter dem Ohr ist ein Leistungsmensch, der Ferraris sammelt und keine Ferien macht.
Doch der Job mache einfach keinen Spass mehr, «wenn Ärzte Rippen bei Frauen herausschneiden, damit die Taille noch schmaler wird, wenn Mittelfussknochen entfernt werden für noch steilere High Heels oder sich Männer Muskel-Sixpacks einpflanzen lassen, weil sie so aussehen wollen wie Arnold Schwarzenegger», schreibt er in seinem jüngsten Buch «Verlogene Schönheit». Solche und weitere Fehlentwicklungen, die in den USA bereits Praxis sind, findet Mang pervers und unmenschlich. Auch seriöse Chirurgen kämen durch diese Exzesse in Verruf.
Brad-Pitt-Nase für den Sohn
Schockierend sei gewesen, als vor einiger Zeit Eltern mit ihrem 14-jährigen Sohn in seiner Klinik in Lindau aufgetaucht seien und für den Kleinen eine Brad-Pitt-Nase verlangt hätten. Mang schickte die Leute wieder nach Hause. Zehn Prozent der Kundschaft nimmt er erst gar nicht an, weil die Wünsche zu weit von der Realität entfernt liegen. Jede vierte seiner Operationen ist heute bereits ein Rückbau, der auf einen missglückten früheren Eingriff zurückgeht – «Reparatur-OP von Promis» nennt er das. Namen hätten wir gerne erfahren, aber da schweigt der Meister beharrlich.
Schön ist für ihn, was «natürlich» wirkt: «Man darf nicht sehen, dass und was man operiert hat.» Das typische Hollywoodgesicht hingegen sei wegen der zahlreichen Botox-Spritzen maskenhaft starr, mit aufgepolsterten Apfelbäckchen und Schlauchbootlippen. Die Liste seiner Negativbeispiele aus der Promiwelt ist lang, allesamt «Pillow-Faces», mit Eigenfett und Hyaluronsäure aufgeplusterte Kopfkissengesichter, darunter Melanie Griffith, Daryl Hannah, Mickey Rourke und Kylie Minogue, «die inzwischen so aussieht wie die kleine Schwester von Madonna», findet Mang. «In jüngster Zeit fallen mir Madonnas Apfelbäckchen auf», schreibt er süffisant, «in ihrem Alter ein Wunder der Natur!»
Gottjämmerliches Ergebnis
In vielem folgt die Leserin Werner Mang gern, wenn er etwa kritisiert, dass sich das schrankenlos Machbare ums wirkliche Alter foutiert und das Ergebnis gottsjämmerlich aussieht, Beispiel Cher oder Donatella Versace. Wenn er mit den «Sugar-Daddys» ins Gericht geht, die, dickbauchig, ihre junge Freundin in die Praxis schieben und ihr einen grösseren Busen verpassen lassen wollen. Solche Typen schickt Mang wieder weg. Oder wenn er die Risiken von OPs sachlich benennt und Ratschläge gibt, wie man dank gesunder Lebensführung bis ins Alter gepflegt aussehen kann. Nur wenn er über den «schablonenhaften Einheitslook» einer Victoria Beckham, Jennifer Lopez oder Angelina Jolie lamentiert, denkt man: Da hätte er ein schärferes Messer ansetzen können, da bleibt die angekündigte «Abrechnung» bloss homöopathischer Eingriff. Unterhaltsam sind dagegen seine Abstecher zum Thema vermeintliche Schönheit. Etwa der böse Witz vom Herrgottsschnitzer in Oberammergau, der von einem Touristen gedrängt wird, den Gesichtsausdruck des Gekreuzigten noch schmerzverzerrter aussehen zu lassen. Der Handwerker macht und tut, schnitzt und schwitzt, bis er entsetzt das Messer in die Ecke wirft und ruft: «Sakra! Jetzt lacht er!»
Schlägt man das Buch zu, fallen einem auf der letzten Seite Mangs Tränensäcke auf. Sollte der Meister da nicht einmal tätig werden? Das habe er sich auch schon überlegt, sagte er jüngst in einem Interview. Aber seinen Kollegen sei ja nicht zu trauen!
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.09.2009, 08:45 Uhr
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19 Kommentare
Mal ganz ehrlich: Wer findet gewisse Reiche, die mit sich selber ständig unzufrieden sind und das Umfeld mit ihrer Dekadenz verblüffen, den schön? Ich persönlich finde ein Botoxgesicht, Plastikbrüste und aufgespritzte Lippen, als würde die Dame aus Entenhausen kommen, scheuslich und lächerlich zugleich. Über den Charakter will ich schon gar nicht erst schreiben! Antworten
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