Leben
Entspannung an der Körperfront?
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- Beauty-Salon für Kinder
- Fashion-Weeks im «Tages-Anzeiger»
- Kommentar auf «Daily Beast»
- «Zeit»-Artikel «Die Vermessung der Frau»
Artikel zum Thema
Neue Kolumne: Die Teilzeitprinzessin
Clack präsentiert eine neue Kolumne: Meret Steiger ist die Teilzeitprinzessin von Clack.ch. Unsere Teilzeitprinzessin richtet ihren scharfen Blick und ihren Sinn für Humor auf die kleinen Alltäglichkeiten, mit denen sie sich herumschlagen muss, und berichtet davon jede Woche auf Clack.ch. Lesen Sie hier, weshalb sich die Teilzeitprinzessin durchaus eine Karriere als Männerbeauftragte vorstellen kann.
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Guter Rat ist wie immer nicht ganz billig. Frauen ringen um Figur und Körperbild, da geht es um Ästhetik, um Gesundheit, manchmal um mehr. Kunst und Natürlichkeit der Selbstdarstellung spielen mit, Schönheitsideale und der fremde Blick auf sich.
Was Wunder, gehen dann die Wogen hoch, wenn die Gründe dafür gehandelt werden, warum die Geschichte des Bilds von sich selbst so kompliziert ist: Liegt es an den rosaroten Kinderüberraschungseiern und allem anderen Fragwürdigen, das die Pink-Debatte ankreidet; an Barbies; «den Medien» und Castingshows; am Streit, ob Frauen nun «alles» haben können oder nicht?
Liest man es als Signal für all die zementierten festen Vorstellungen, wenn ein neu eröffneter Beauty-Salon Fünf- bis Fünfzehnjährigen Maniküre anbietet und den «Umgang» mit Beauty-Produkten lehrt? Man kann sich dort für Gesichtsbehandlungen und Make-up anmelden und sich die Wimpern machen lassen. Die Initiantin hat den zumindest denkwürdigen Satz geprägt: «Mädchen werden ständig mit dem Thema Frausein konfrontiert. Wir müssen sie fachgerecht an das Thema heranführen.» (Lesen Sie auch: «Der Vagina-Komplex»)
Herrlich hedonistisch
Fachgerecht oder nicht: Heranzuführen wäre wohl am ehesten gegen eine wie auch immer formulierte Vorschrift, wie man auszusehen hat. Ausgerechnet von den Laufstegen der Herbstmodeschauen, von denen man gemeinhin Imperative erwartet, was auftrittsmässig geht und was nicht, kommen nun pluralistische Signale. Natürlich ist die Haute Couture nicht eins zu eins zu nehmen, das versteht auch jemand, der nichts von Mode versteht. Sie ist kunstverwandt und kunstvolle Inszenierung, illuster besetzt und feiert den ultimativen Luxus des Kleiderhypes und der schönen Frauen. Die Show der neuen Kollektionen als Uraufführung, warum nicht herrlich hedonistisch? Irgendwie übersetzt sich das alles vielleicht auch ins wirkliche Leben, aber dann sieht es ganz anders aus. (Lesen Sie auch: «Der Schönheitsneid»)
«Wer Mode verstehen will, muss sich anschauen, welches Bild sich eine Gesellschaft von der Frau macht, und das zeigt sich am deutlichsten in der weiblichen Silhouette», schrieb die «Zeit» anlässlich der Paris Fashion Week. Es mag sich nun herumgesprochen haben, dass einige Designer auf bequem und praktisch zielen und flache Schuhe angesagt sind. Stella McCartney polsterte taillierte Kleider an der Hüfte aus und erfand die «Furkenstocks» (eine Art fellgefütterte Birkenstocks). Bei Sarah Burton sahen die Frauen, so die «Zeit», aus «wie Baumkuchen, Lampenschirme oder Riesenküken», und selbst Corsagen von Dolce & Gabbana firmieren unter dem neuen Bekenntnis zur Alltagstauglichkeit.
Signal freie Wahl
Gute Nachrichten von den Fashion Weeks! Die Selbstverständlichkeit aus einem Alltag, in dem es Jeans und Blusen gibt und eine limitierte Kreditkarte, klingt plötzlich wie News, die eine Saison überdauern werden: Es ist die Frau, die ihre Silhouette auswählt und bestimmt, wie sie aussieht. Denn Kleider entsprechen weder dem Selbstbild der Frau noch einer männlichen Idealvorstellung von ihr, sondern, nochmals die «Zeit», «aus einer Mischung von erotischen Signalen, gesellschaftlichen Konventionen und Machtverhältnissen». Die Freiheit der Wahl hat nun auch in der Mode Signalcharakter.
So allgemein hatte man die Modeindustrie eher mit ultradünnen Models und ästhetischen Verkündungen von Designerstars in Verbindung gebracht. Dann heizte «Vogue» die Size-Zero-Debatte an und rief die Designer auf, in Grössen zu entwerfen, in die Models auch tatsächlich passen. In einer neueren Initiative sendet die höchste aller Modestimmen nun die Message, mit gesunden Models zu arbeiten und ein «gesundes Körperbild» zu fördern. «‹Vogue› believes that good health is beautiful», gab Jonathan Newhouse, Präsident des Verlags Condé Nast International, bekannt. «Brigitte» wiederum kehrt gerade unter neuer Chefredaktion zu professionellen Models zurück – aber noch vor zwei Jahren hat sie sich mit dem Bekenntnis «Ohne Models» lebensnah positioniert (wir zeigen Mode an Frauen wie dir und mir) und erst noch als engagiert in Sachen Körperbild – gegen das Diktat der Industrie. (Lesen Sie auch: «Die Ästhetik des Widerstandes»)
Revolution für Verständnis
Sicher, das sind gut inszenierte Auftritte in eigener Sache. Bekanntlich ist der Zusammenhang zwischen Körperbild, Medien und Mode höchst umstritten. Wie widersprüchlich Mode in sich selber funktioniert, fasst ein Kommentar auf «Daily Beast» so zusammen: Obschon die Modeindustrie im besten Fall eine gute Beziehung zwischen einer Frau und ihrem Körper ermögliche, sei sie eben meist selbst «ihr schlimmster Feind – indem sie Frauen unendlich viele Gründe in die Hände spielt, sich vom Spass an ihr und ihren Spielarten abzuwenden». Statt Freude permanente Erinnerung daran, dass man den strengen und ständig wechselnden Standards nie entspricht. Wie sieht denn der lockere und wunderbar elegante Look von Céline an jemandem aus, der einen Kopf kleiner und kaum leichter ist als das Model, das ihn vorführt.
Auch andere Zeichen stehen auf Entspannung. Lady Gaga (Lesen Sie auch: «Die Lady und das Gewichts-Gaga») hat die Body Revolution ausgerufen, als sie ganz offensichtlich ein paar Kilos mehr auf der Bühne zeigte als sonst. Sie postete Bilder von sich und zeigt sich kurvig, erzählte von ihrer jahrelangen Bulimie und Anorexie, und auch wenn sie sonst nicht unbedingt zu den Lieblingsvorbildern zählt, für einmal könnte man sich einem Spruch der Lady anschliessen: In der Body Revolution wirbt sie – in etwa, Himmel noch mal! – darum, um Verständnis zu wecken: «Some motherfucking compassion!»
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(baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.10.2012, 12:10 Uhr
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