Leben

Es ist zum Davonlaufen

Von Roger Zedi. Aktualisiert am 10.10.2009

Nach dem Abgang von SVP-Kandidat Ernst Stocker: Eine kleine Sammlung frühzeitiger Abgänge von Politikern, Wissenschaftlern, Künstlern und anderen ganz normalen Menschen aus aller Welt.

Keine Lust mehr: Ueli Maurer macht in einer Talkshow den vorzeitigen Abgang – geplant, wie er später bahauptet.

Keine Lust mehr: Ueli Maurer macht in einer Talkshow den vorzeitigen Abgang – geplant, wie er später bahauptet.

Artikel zum Thema

Vor zwei Tagen verlässt SVP-Kandidat Ernst Stocker ein Interview von Radio DRS, weil er nicht über die Minarett-Initiative reden möchte, die sein SP-Gegenkandidat Daniel Jositsch als Thema aufbringt.

In den USA verlassen vorwiegend Prominente im Zorn Radio- und TV-Studios, weniger Politiker. Jüngstes Beispiel ist Taylor Swift, die 2009 ein Radio-Interview abbricht, weil sie nicht über den Vorfall mit Kayne West an den MTV Video Music Awards reden will.

«Nie mehr Davos»

Mit den Worten «Ich werde nie wieder nach Davos kommen» verlässt der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan aufgebracht ein Podium am WEF 2009, da der Moderator ihn wiederholt unterbricht und darauf aufmerksam macht, dass er die Veranstaltung aus Zeitgründen zu einem Abschluss bringen müsse.

Zu bunt wurde es 2008 dem ZDF-Wissenschaftsjournalisten Joachim Bublath in der Talkshow von Kollegin Sandra Maischberger. Nicht, weil er angegriffen wurde, sondern weil ihm das Geschwätz über Engel und UFOs der anderen Gäste, darunter Nina Hagen, zu doof wurde. «Das ist hier eher so etwas wie eine Gruppentherapie, keine Debatte», so der Physiker.

Einer in 50 Jahren

Bei CNN-Talkhost Larry King ist in 50 Jahren erst ein einziger Gast raus gelaufen. 2007 verlässt Dr. Jan Adams die Sendung, nachdem er sich zuvor weigert, über seine kosmetischen Eingriffe bei der Mutter von Kanye West kurz vor ihrem plötzlichen Tod zu reden.

Der italienische Premier Silvio Berlusconi will 2006 in einem Interview auf Rai nicht über seine Freundschaft mit George W. Bush reden. Lieber möchte er der Moderatorin Lucia Annunziata vorschreiben, was sie ihn zu fragen hat und dann verlässt er das Studio. «Das wird ein Fleck bleiben auf Ihrer Karriere», sagt er zur Moderatorin.

Affekt oder Plan?

Als 1999 Roger Schawinski im Sonntalk Ueli Maurer «Parteipräsident von Blochers Gnaden» nennt, verlässt dieser das Studio von Tele24. Vor kurzem hat der heutige Bundesrat gesagt, er habe dies geplant und nicht im Affekt gehandelt.

Der Philosoph Peter Sloterdijk verlässt 1999 die Sendung Baden-Badener Disput des SWR, weil ihm die Diskussion über Globalisierung zu sehr auf Stammtischniveau verläuft. Zur Moderatorin Gertrud Höhler sagt er noch «Wenn Sie solche Figuren einladen, dann ist es vorbei» und zeigt mit dem Finger auf Pater Basilius Streithofer.

Keine würdigen Gegner

Peter Bodenmann läuft 1995 aus der Arena, weil es ihm an kompetenten Gegnern fehlt.

Die Nerven und die Fassung verloren hat 1992 die Schriftstellerin Karin Struck in einer Talkshow des NDR. Sie wirft dem Moderator vor, ihr einen Maulkorb verpassen zu wollen, da dieser der ebenfalls anwesenden Angela Merkel eine Frage stellt und Struck bittet, diese sprechen zu lassen. Darauf hin reisst sich Struck das Mikro vom Leib, wozu sie gleich die ganze Strumpfhose vor laufender Kamera auszieht, das halbe Mobiliar quer durchs Studio wirft und dieses dann unter Buhrufen des Publikums verlässt.

Chris von Rohr rastet 1990 im Fokus auf DRS3 aus, wirft Moderator Ueli Schmezer ein Buch nach und läuft raus.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.10.2009, 06:36 Uhr


Grandioses Berg-Erleben.

Weltberühmte Berge und 100 Jahre Jungfraubahn: Sommerurlaub vor der schönsten Kulisse der Welt!