Leben

Fesselnde Lektüre

Von Marie Dové (Clack). Aktualisiert am 13.03.2012

Eine Roman-Trilogie um Bondage-Sex, Züchtigungsrituale und Handschellenspiele stürmt die US-Bestsellerlisten und erregt das weibliche Lesepublikum. «Fifty Shades of Grey» begeistert die Frauen wie einst «Sex and the City».

Züchtigungsrituale als Mainstream-Geschmack: Auslage mit entsprechenden Sex-Utensilien an einer Erotikmesse in Sydney.

Züchtigungsrituale als Mainstream-Geschmack: Auslage mit entsprechenden Sex-Utensilien an einer Erotikmesse in Sydney.
Bild: Reuters

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Bereits 250'000 Mal verkauft: «Fifty Shades of Grey».

«Mommy Porn»-Schreiberin: Die englische Autorin E. L. James.

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Das Buch gilt nicht bloss als derzeit heissester Lesetipp für Frauen, sondern versetzt auch die angelsächsischen Medien in Auf- und Erregung, wie man für einmal mit Fug und Recht kalauern kann. «Fifty Shades of Grey», verfasst von der bis vor kurzem unbekannten englischen Autorin E. L. James, ist der erste Band einer über 1200 Seiten starken Erotik-Trilogie, die über weite Strecken unzweideutig pornografisch ist und sich um die Themen Liebe, Hiebe, Handschellen und weibliche Lust an der Unterwerfung dreht.

Das kommt an, vor allem bei den Frauen. «Fifty Shades of Grey» stürmt derzeit die US-Bestsellerlisten. Und nicht mehr nur «The Huffington Post», «The New York Times» oder der TV-Sender ABC debattieren über das pikante Werk, das zum Phänomen gerät. Vor ein paar Tagen schaltete sich auch das Fachorgan «Psychology Today» in die Diskussion ein, um mit dem gebotenen Ernst die Frage aufzuwerfen, ob denn Sexualpraktiken wie Sadomasochismus, Fesselungsspiele oder Züchtigungsrituale tatsächlich den Bedürfnissen der modernen Frau entsprechen. (Lesen Sie auch: «Frauen suchen im Bett das Abenteuer»)

Die Lust an der sexuellen Versklavung

Tun sie es? Anastasia Steele, die Heldin in «Fifty Shades of Grey», würde die Frage selbstverständlich mit einem Ja beantworten. Als noch jungfräuliche Studentin lernt sie den 27-jährigen Telekommunikations-Tycoon Christian Grey kennen, einen millionenschweren, äusserst dominanten Alpha-Mann, dessen liebste Lust es ist, Frauen zur Hörigkeit zu verführen. Tatsächlich lässt sich Anastasia, eigentlich eine selbstbewusste, unabhängige Person, gewissermassen sexuell versklaven – und das Schlimmste daran aus emanzipatorischer Perspektive: Sie tut es freiwillig, ohne Not und unter grösster Lustempfindung.

Bestsellerautorin E. L. James verfasste eine Art neue Geschichte der O., stilistisch und atmosphärisch angelehnt an die «Twilight»-Saga: ein bisschen schaurig, ein wenig spooky und mystisch. Bei E. L. James wird allerdings nicht gebissen, sondern penetriert, und es fliesst nicht Blut, sondern Sperma – dies alles dermassen explizit, dass man nur hoffen kann, der «Mommy Porn» («New York Times») möge nicht in Kinderhände geraten. (Lesen Sie auch: «Die Pornografinnen»)

«Mein Mann will nun auch Rollenspiele im Bett»

Bislang sind von der Trilogie («Fifty Shades of Grey», «Fifty Shades Darker», «Fifty Shades Freed») 250'000 Exemplare verkauft, ein grosser Teil davon als digitale Exemplare für den Kindle-Reader. Der erste Teil der Frauen fesselnden Lektüre steht neu auf Rang eins der «New York Times»-Bestsellerliste, und das Verlagshaus Vintage Anchor lässt derzeit 750'000 Exemplare nachdrucken, um die ungehemmte Nachfrage des Marktes zu befriedigen.

«Fifty Shades of Grey» und die Folgebände sind derzeit ein Phänomen, wie es Ende der 1990er-Jahre die TV-Serie «Sex and the City» war. In Onlineforen tauscht die Leserinnenschaft ihre Begeisterung aus, in Zeitungen und im Fernsehen gestehen Frauen, wie die Lektüre der Bondage-Bände die eigene Lust entfesselt (Beispiele: «Jedes Mal, wenn ich das Buch zur Hand nahm, bekam ich schon nach fünf Minuten Lust auf Sex», «Mein Mann will nun auch Rollenspiele im Bett»). Und in der «New York Post» meint eine 42-jährige «Fifty Shades of Grey»-Anhängerin: «Noch nie haben Amerikas Kinder ihre Mütter so intensiv lesen sehen.»

Diskret digital

Der immense Erfolg der Sex-Schmöker für Frauen hat viel zu tun mit den neuen Möglichkeiten der digitalen Distribution und Konsumation von Büchern. Pikante Werke können diskret via Download gekauft werden, mittlerweile hat das weibliche Lesepublikum E-Reader wie den Kindle oder das iPad für sich entdeckt; diese Geräte sind definitiv keine Boy-Tools mehr.

Im bereits erwähnten Artikel von «Psychology Today» heisst es: «So wie Männer sich im Internet Pornovideos anschauen, so beschaffen sich Frauen online erotische Bücher.» Und tatsächlich würde diese Art Frauenliteratur oft Fantasien aus der BDSM-Ecke thematisieren (die Abkürzung setzt sich übrigens zusammen aus den Anfangsbuchstaben der englischen Begriffe Bondage, Discipline, Submission und Masochism). Doch diese Praktiken, so heisst es im Psychologiejournal weiter, seien weder «bizarr» noch «pathologisch». Sie bedeuteten heutzutage schlicht «Geschmacksrichtungen der Erotik». (Lesen Sie auch: «Wie viele Männer hatten Sie?»)

Wie beruhigend, das alles ist offenbar eine Geschmackssache.

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Erstellt: 12.03.2012, 21:35 Uhr

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