Leben

Ganz schön alt

Von Marie Dové (Clack). Aktualisiert am 29.03.2012

Ein Silikonbusen mit 80 Jahren? Kein Problem. Die Schönheitschirurgie umwirbt eine neue Klientel: Die Seniorinnen und Senioren.

Wieder toll in Form: Die 84-jährige Marie Kolstad mit ihrem Schönheitschirurgen Michael Niccole und mit neuer Oberweite in den Ferien auf Hawaii.

Wieder toll in Form: Die 84-jährige Marie Kolstad mit ihrem Schönheitschirurgen Michael Niccole und mit neuer Oberweite in den Ferien auf Hawaii.
Bild: Keystone

Gesundheitliche Risiken nicht grösser? Plastischer Chirurg Joachim Graf von Finckenstein.

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Üblicherweise schrecken die Skalpellkünstler die Öffentlichkeit mit Meldungen auf, wonach sich bereits 12-Jährige einen Nose-Job, eine Nasenkorrektur, verpassen lassen, oder schon Teenager sich Silikonimplantate in die Brust operieren lassen. Doch der Eindruck, dass die Schönheitschirurgie sich eine immer jüngere Klientel erschliessen will, täuscht. In Tat und Wahrheit spielt sich der Kampf um neue Kundinnen und Kunden am entgegengesetzten Pol des Altersspektrums ab: bei den Senioren. Die Schönoperierten, das zeigen neueste Branchenzahlen, werden immer älter. In den USA, aber auch in Europa. (Lesen Sie dazu auch: «Silikon in Busen: Ein runder Geburtstag»)

Sie sind zuweilen schon uralt, zählen gar 83 Jahre wie die einstige Immobilienmaklerin Marie Kolstad aus Orange County, Kalifornien. Die zwölffache Grossmutter und dreizehnfache Urgrossmutter machte unlängst in den USA Schlagzeilen, weil sie sich als womöglich bisher älteste Frau Brustimplantate einoperieren liess und sodann die neue Oberweite freizügig in der Boulevardpresse herumzeigte.

Neues Volumen für die «zwei Girls»

Eine ihrer Töchter prophezeite Kolstad zwar am Tag der Operation, sie würde an den Folgen des Eingriffes sterben – doch dies konnte sie nicht davon abhalten. Kolstad lebt mit ihren neuen, 5000 Dollar teuren Brüsten nach eigenem Bekunden vergnügter als je zuvor; vor der Operation, so plauderte sie im nationalen TV, hätten ihre «zwei Girls» kein Volumen mehr gehabt – nun seien die wieder toll in Form.

Der Fall Marie Kolstad mag schrill sein – er steht jedoch durchaus für den neuesten Trend in der Schönheitschirurgie. Will die traditionelle Klientel, die 30- bis 40-Jährigen, nicht alt werden, so verspricht sich die neue, die Senioren, von den vermeintlichen Segnungen der plastischen Chirurgie das Wunder, wieder jung zu sein. In den USA machen die über 65-Jährigen schon acht Prozent der Klientel der Schönheitskliniken aus.

So weist die American Society for Plastic Surgery in ihrer Statistik für das Jahr 2010 fast 700'000 ärztliche Schönheitsbehandlungen für die Altersgruppe der über 65-Jährigen aus. Die in die Jahre gekommene Babyboomer-Generation hat ganz offensichtlich Geld und Zeit für eine neue Leidenschaft: sich die goldenen Jahre mittels der plastischen Chirurgie aufzupolieren. (Lesen Sie auch: «Das Silikon der Luxushühner»)

Hals-Stirn-Lifting als Topseller

Dieselbe Tendenz zeichnet sich in Europa ab. In Deutschland beispielsweise sind 7,4 Prozent aller Patienten, die sich den Händen eines Schönheitsmediziners anvertrauen, über 60 Jahre alt, wie kürzlich von der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) veröffentlichte Zahlen belegen. Bei Frauen ab 60 sind das Hals-Stirn-Facelift, die Lidstraffung und die Faltenunterspritzung die häufigsten Eingriffe. Bei den älteren Männern Lidstraffung und Bauchdeckenstraffung.

Gegenüber der Website Senioren-ratgeber.de gibt der bekannte deutsche Schönheitschirurg Joachim Graf von Finckenstein Auskunft: «Das gesundheitliche Risiko einer Schönheitsoperation ist bei älteren Patienten im Prinzip nicht grösser als bei den jüngeren.» Zwar daure die Wundheilung länger, je älter die Patientin, der Patient sei – indes: «Beim Facelift ist dies aber sogar von Vorteil. Die Narben verheilen meist unsichtbar.»

Die jung operierten Alten

Man mag diese optimistische Einschätzung teilen oder nicht: Die in die Jahre gekommenen Babyboomer, also die geburtenstarken Jahrgänge 1946 bis 1964, werden dafür sorgen, dass der Anteil der Alten am Kundenkreis der Schönheitschirurgie weiter wächst. Diese neuen Senioren vom Typus Marie Kolstad führen sich bekanntlich schon in anderen Lebensbereichen auf, als gäbe es kein Alter, kein erstrebenswertes Altern mehr und die Schönheitsindustrie wird diesen Trend bereitwillig unterstützen.

Was allerdings die Brust-OPs bei Frauen anbelangt: Hier wählen, das soll nicht unerwähnt sein, die meisten Seniorinnen eine andere Variante als die Silikon-Grossmama aus Kalifornien: Die Mehrzahl lässt sich den im Alter gross und schwer gewordenen Busen verkleinern. (Lesen Sie dazu auch: «Unsere lieben Kleinen»)

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Dann lesen Sie auch: «Männer und Schönheitschirurgie: Dieser Wunsch nach Grösse» auf Clack.ch – Ihrem Online-Magazin. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.03.2012, 22:10 Uhr

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