Leben

Harte Kerle, süsse Mädchen

Von Nina Toepfer (Clack). Aktualisiert am 16.03.2012

Es wird derzeit wieder viel über richtige Männer und ideale Frauen diskutiert. Wie modern sind eigentlich Ihre Geschlechtervorstellungen? Unser Fragebogen gibt Antwort.

Typisch Mann? Typisch Frau? Kampagne für die Jeans-Marke Colcci (mit Ashton Kutcher und Alessandra Ambrosio).

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Männer sind bekanntlich nicht einfach «so», Frauen auch nicht. Nur werden Männer und Frauen derzeit gerne besprochen, als wären sie einfach «so». Sprich: Als wären alle gleich.

Die Männer zum Beispiel wegen ihres Rollenverlusts zaudernd und zagend, wie im «Zeit»-Essay über die «Schmerzensmänner» zu erfahren war, was prompt Gegenstimmen auf den Plan rief, zum Beispiel in die Richtung: Es braucht zwei für das Wunder eines Kusses. (Lesen Sie auch: «Was ist mit der guten alten Romantik?»)

Danke herzlich für diesen Hinweis: Wir brauchen ihn offenbar. Denn gern durchgespielt wird auch die These, dass der Beitrag des Mannes sich in Beruf, Familie und Liebesbeziehungen überhaupt erübrigt habe. Klar meldet sich sofort eine Gegenmeinung: Feminismus habe viel Gutes hervorgebracht, aber in der Art, wie über Männer gesprochen werde, habe sich eben auch «weiblicher Sexismus» durchgesetzt (so kürzlich These und Replik im «Tages-Anzeiger»).

Ja – Sexismus lebt, lesen wir, Thesen blühen, Stereotype auch, und zwar tatsächlich auf beiden Geschlechterseiten: Dem zugrunde liegen wohl trotz allem Feminismus noch immer fest verankerte Rollenbilder. (Lesen Sie auch: «Versaut fraulich, mit viel Dampf im Arsch») Da gibt es die eindeutig übergriffigen Sprüche, etwa die aggressive, die Grenzwerte der Satire überschreitende Verbalattacke des amerikanischen Radio-Talkers Rush Limbaugh gegen eine Studentin: Er nannte sie «Schlampe» etc., weil sich die junge Frau für Verhütungsmittel ausgesprochen hatte.

Limbaugh wurde dafür auf allen Kanälen blossgestellt. Die unauffälligeren Fälle in Sachen Sexismus sind komplizierter. Und weit interessanter: So brachte kürzlich eine Waschanleitung in der Jeans ihres Freundes eine Autorin des britischen «Telegraph» in Aufruhr und entfachte Diskussionen in der Blogosphäre, etwa in der «Huffington Post» (dort auch mit Gegenvorschlägen). Als Waschmaschinen- und Tumbler-tauglich beschreibt sich die Hose auf dem Zettel und schlägt dort alternativ vor: «Give it to your woman, it's her job» (Geben Sie sie Ihrer Frau, das ist ihr Job). Empörende Arroganz oder witziger – und wie die Aufmerksamkeit zeigt: gelungener – Werbespruch, jedenfalls muss, wer sich darüber aufregt, gleich mit dem Vorwurf der humorlosen Feministin rechnen. (Lesen Sie auch: «Weshalb sich viele Männer so toll fühlen»)

Frauen sind nicht «so», und Männer auch nicht. Aber Genderthemen sind wieder allgegenwärtig: Wenn die junge britische Autorin und Aktivistin Laurie Penny in der «Zeit» besprochen wird, wie sie für einen starken Feminismus und die Abschaffung der Show «Germany's next Topmodel» plädiert und eine Utopie der Gleichheit vorschlägt, lebt ein altes schönes Anliegen wieder auf: Das Bild einer Gesellschaft, in der es «so viele verschiedene Geschlechteridentitäten gäbe wie Menschen». Klingt gut, aber was haben die ganzen Gender-Thesen mit dem gelebten Alltag zum Beispiel in einer Beziehung zu tun? Und was die fixen Vorstellungen über Rollenmuster in unseren Köpfen?

Hier ein kleiner Beziehungs-Fragebogen:

  • Was bedeutet Ihnen Macht?
  • Scheuen Sie sich vor dem Ärger, die Macht in der Liebe, im Beruf, im Freundeskreis mit sich bringt?
  • Wie automatisch überreichen Sie Ihrem Partner die Proseccoflasche zum Öffnen, weil Ihre Gäste mit leeren Gläsern dastehen, Sie aber das Soufflé aus dem Ofen holen, jemandem Ihre Ferienpläne erörtern und eigentlich noch Ihre Lippen nachziehen müssten? Oder andersrum: Wie sehr fühlt sich Ihr Partner mit einer spezifisch männlichen Aufgabe betraut?
  • Was ist gegen Empfindsamkeit einzuwenden?
  • Natürlich soll man Ihnen die Tür aufhalten und dergleichen, aber für wie selbstverständlich halten Sie es, dass Ihr Partner die Spinnen rauswirft?
  • Obschon man darüber streitet, ob es nicht Frauen sind, die den ersten Schritt machen bei Bekanntschaften: Erwarten Sie, dass der Mann die Frau anspricht?
  • Wen behandelt die Kindergärtnerin Ihrer kleinen Schätze wie einen Statisten – Mutter oder Vater?
  • Warum lesen Männer in der Regel den Wein zum Essen im Restaurant aus?
  • Frauen reden, Männer nicht. Halten Sie das für ein Klischee? (Lesen Sie auch: «Was Männer hören wollen»)
  • Streiten Sie sich jetzt? Amüsieren Sie sich? Respektive würden Sie das tun, wenn Ihr Partner das hier mit Ihnen beantworten würde?

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(baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.03.2012, 22:48 Uhr

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