Leben

«Ich stehe immer noch täglich auf dem Eis»

Der 23-jährige Westschweizer Stéphane Lambiel tritt am Donnerstag bei Art on Ice in Zürich, Lausanne und St. Moritz auf. Vor seinem Auftritt äusserte er sich zu seiner aktuellen Lebenssituation.

Stéphane Lambiel: «Ich bin extrem – bei mir gibt es nur schwarz oder weiss, und zwar in allen Belangen.»

Stéphane Lambiel: «Ich bin extrem – bei mir gibt es nur schwarz oder weiss, und zwar in allen Belangen.»

zur Person

Stéphane Lambiel gab vergangenen Oktober wegen gesundheitlichen Problemen seinen Rücktritt bekannt. Lambiel gewann 2005 in Moskau und 2006 in Calgary den Weltmeistertitel. Im gleichen Jahr wurde er EM-Zweiter und holte an den Olympischen Winterspielen in Turin die Silbermedaille.

Stéphane Lambiel, was erwartet das Publikum heute Abend bei Art on Ice?
Ich präsentiere im ersten Teil ein technisches Programm mit hohem Tempo und Tangomusik. Es beinhaltet viele Sprünge und schwierige Schritte. Im zweiten Teil folgt mein Auftritt mit den Sugababes, in dem ich wie mit Marionetten mit ihnen spiele. Ausserdem möchte ich den vierfachen Toeloop zeigen, damit das Publikum sieht, dass ich ihn noch kann.

Das klingt ganz so, als ob Sie Ihren Rücktritt bedauern würden.
Natürlich vermisse ich die Wettkämpfe. Aber ich hatte eine wunderbare Karriere, in der ich so ziemlich alles erreicht habe, was ich wollte. Nun kann ich mich als Showman präsentieren. Ich will weiterhin zeigen, was ich kann, das liegt mir im Blut und ist meine grösste Leidenschaft.

Bleiben Sie dem Wettkampfsport trotzdem verbunden, zum Beispiel als Trainer?
Mit 23 Jahren fühle ich mich zu jung dafür. Da ich immer noch in Shows auftrete, bin ich meistens auf Reisen. Als Trainer muss man sich aber ganz dem Schüler widmen können. Diese Zeit habe ich nicht.

Was braucht es, um so weit zu kommen wie Sie?
Zuerst Talent, und dann den Willen, viel zu arbeiten. Und ein Quäntchen Glück, um zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein.

Wie hat sich Ihr Leben seit dem Rücktritt vor vier Monaten verändert?
Ich stehe immer noch täglich auf dem Eis. Daneben pflege ich meine Adduktorenverletzung mit Therapie und Elastikbandübungen. Oft spüre ich sie, wenn ich länger als eine Stunde trainiere. Ansonsten gebe ich Interviews und lebe wegen der Shows die meiste Zeit in Hotels. Insofern hat sich nicht so viel verändert.

Sie haben sich schon öffentlich Gedanken über Ihre Zukunft gemacht. Haben Sie Angst, nach dem Profisport in ein Loch zu fallen?
Nein, das Glück von uns Eiskunstläufern ist, dass es nach der Karriere als Wettkampfläufer mit Gala-Auftritten weitergeht. Ich bin sehr froh darum, denn das Eis ist meine Welt, in der ich mich länger aufhalten möchte.

Braucht es wirklich nie Überwindung fürs Training?
Doch, natürlich, es gibt Tage, an denen lasse ich es bleiben, weil ich keine Lust habe. Trotzdem ist Eiskunstlauf meine grösste Leidenschaft und ich weiss, dass ich auch in Zukunft die Bühne brauche.

Interessieren Sie sich deshalb für Schauspielerei?
Ja. Es könnte aber auch Theater, Musical oder Gesang sein. Ich bin ein Mensch, der sich präsentieren will und der das Rampenlicht braucht.

Wie stehts denn um Ihre Gesangskünste?
Na ja, mit Whitney Houston kann ich es nicht aufnehmen, aber singen kann ich schon (lacht).

Verspüren Sie nie den Wunsch nach Rebellion, nachdem Sie in Ihrer Jugend dafür kaum Zeit hatten?
Nein. Meine Eltern haben mich cool erzogen und mich Teenager sein lassen. Ich durfte so viel ausgehen, wie ich wollte. Sie überliessen mir die Verantwortung zu entscheiden, ob ich trotz Ausgang am nächsten Tag genug fit fürs Training bin.

Was ist Ihr nächstes Ziel?
Nach Art on Ice gönne ich mir zehn Tage Ferien. Die erste Hälfte in Nordspanien mit einer Freundin, die zweite bei meiner Grossmutter in Lissabon. Dort werde ich es ruhig nehmen, mit ihr kochen und am liebsten den ganzen Tag im Pyjama bleiben.

Wo werden Sie in Zukunft leben?
Sicher in der Schweiz. Hier ist die Lebensqualität am höchsten. Wegen des Flughafens wären Zürich oder Genf ideal, ausserdem brauche ich das kulturelle Angebot einer Stadt.

Fühlen Sie sich in Hotels daheim?
Ja, wenn ich Computer, DVDs, Handy und meine Parfums dabei habe, fühle ich mich überall daheim. In Hotelzimmern ist auch der Morgenmantel ganz wichtig. Darin TV zu gucken macht mich zufrieden.

Welches ist Ihre Traumdestination?
Mich reizt Südamerika. Und die Malediven, da möchte ich zehn Tage faulenzen.

Schaffen Sie das tatsächlich?
Ich denke schon, wobei ich es noch nie ausprobiert habe. Ich bin extrem – bei mir gibt es nur schwarz oder weiss, und zwar in allen Belangen.

Ist es nicht anstrengend, zwischen den Extremen zu leben?
Für mich nicht, für mein Umfeld schon. Wobei ich mit meinem engsten Kreis so verbunden bin, dass es jeweils keiner Worte bedarf, um mir zu signalisieren, dass es jetzt reicht. Sie sagten kürzlich in einem Interview, Sie wollen eine Familie gründen.

Fühlen Sie sich mit 23 Jahren nicht zu jung dafür?
Den Wunsch verspürte ich schon mit 18 Jahren. Ich selbst bin in einem so stabilen Umfeld gross geworden, dass ich das weitergeben möchte. Ausserdem muss ich früh anfangen, denn ich wünsche mir sieben Kinder (lacht).

Dann träumen Sie ganz bieder von einer hübschen Frau, süssen Kindern und einem Eigenheim?
Ja. Ich weiss sogar schon, was ich zu meiner Hochzeit tragen würde: einen Smoking von Tom Ford, meinem Lieblingsdesigner.

Diese Aussagen stehen im krassen Gegensatz zu den hartnäckigen Gerüchten um Ihre angebliche Homosexualität.
Dazu äussere ich mich nicht.

(NEWS)

Erstellt: 29.01.2009, 09:14 Uhr

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2 Kommentare

Zdravka Boban

01.02.2009, 18:44 Uhr
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ich finde es so primitive herrn lambiel sollche fragen zu stellen, tagi und srf sind bald primitiver als irgendeine boulevard zeitng. herr lambiel ihr privat leben ist ihr gut, schützen sie es! Antworten


Heinz Moll

28.01.2009, 23:46 Uhr
Melden

Überaus kluge Antworten auf kluge Fragen. Was geht es die Öffentlichkeit an, mit wem Herr Lambiel ins Bett steigt? Hauptsache, er ist ein guter Künstler. Weiterhin toi-toi-toi! Antworten



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