Leben
Katholischer Pfarrer outet sich als Vater
Von Martin Gmür. Aktualisiert am 17.08.2009 16 Kommentare
Jozef Kuzar.
Freude herrscht bei den rund 3300 Katholiken von Wollerau am Zürichsee. Seit kurzem haben sie wieder einen Pfarrer – und was für einen. Bei seinem ersten Gottesdienst am Sonntag gestand Jozef Kuzar: «Im Dezember 2007 bin ich Vater geworden.» Für manche Gläubige wars eine Überraschung, andere hatten gerüchtweise davon gehört, und der Wollerauer Kirchenratspräsident Albert Bodmer hatte es dem Priester freigestellt, ob er sein ungewöhnliches Geheimnis preisgeben wolle oder nicht. «Alle in der Kirche haben sich gefreut», sagte Bodmer am Tag danach. Von kritischen und skeptischen Kirchgängern habe er keine Kenntnis.
Kuzar selber sagte in der Kirche, Mutter und Kind würden nicht in der Schweiz leben und er nehme seine «Verantwortung im Rahmen der Möglichkeiten wahr», wie es in einem Bericht der «Zürichsee-Zeitung» heisst. Darüber hinaus wolle er keine Auskunft geben und er bitte darum, seine Privatsphäre und jene von Mutter und Kind zu achten.
Bischofsvikar setzt sich für Kuzar ein
Kuzar war der Wunschkandidat des Wollerauer Kirchenrats für die vakante Pfarrstelle, weil man ihn als Stellvertreter von 2005/06 kannte. Dass er in der Zwischenzeit Vater geworden war, hätten einige aus der Behörde gewusst, sagte Bodmer. Er sei höchst erfreut gewesen, als der Urschweizer Bischofsvikar Martin Kopp, ein Stellvertreter des Churer Bischofs Vitus Huonder, den Namen Kuzars ins Spiel gebracht habe. Vier weitere Kandidaten habe man in Erwägung gezogen, doch die Wahl fiel auf Kuzar.
Seit Anfang dieses Monats wohnt dieser nun im Pfarrhaus von Wollerau. Allerdings «nur» als sogenannter Pfarradministrator – öffentlich-rechtlich angestellt, nicht gewählt. Doch auch als solcher darf er alle kirchlichen Handlungen vollziehen. Die Erlaubnis aus Chur, die Missio, hat der Slowake Kuzar trotz seiner Vaterschaft bekommen.
Einzelfall – Zölibat bleibt Grundsatz
Bischofsvikar Martin Kopp betont, Kuzar habe immer mit offenen Karten gespielt. Er habe versichert, nicht mit Mutter und Kind zusammenzuleben, und die Beziehung zur Frau sei beendet. Kuzar habe sich nach anderthalbjähriger Auszeit entschieden, das Zölibat als Priester zu leben. Er werde das Kind finanziell unterstützen und es gelegentlich auch sehen dürfen.
Um ihn in ein Pfarramt zu bringen, sei das Ja seines Bischofs in der Slowakei nötig gewesen. Dieser habe zugestimmt, worauf auch Chur eingewilligt habe. Als Lockerung des Zölibats, der Ehelosigkeit, will Kopp Kuzars Anstellung aber nicht verstanden wissen – «dazu könnte Bischof Huonder nicht Hand bieten». Kuzar sei ein Einzelfall, die Kirche habe dem beliebten Seelsorger eine zweite Chance geben und Menschlichkeit zeigen wollen.
Vorerst ist Kuzar mit einer Probezeit von einem Jahr angestellt. Laut Kopp ist das der übliche Weg und kein Zeichen von Misstrauen. Eine Wahl als Pfarrer schliesst Kopp nicht aus, doch werde das nicht so schnell gehen, weil wieder Kuzars Bischof in der Slowakei sein Einverständnis geben müsse.
«Eine neue Art der kirchlichen Solidarität»
Kirchenratspräsident Bodmer in Wollerau wertet diese Wendung zum Guten als «fantastisch – aber Tauwetter wäre dafür ein zu grosses Wort». Der Priestermangel habe sicherlich zum Umdenken beigetragen. Bischofsvikar Kopp hatte im letzten Jahr explizit auf den Personalmangel und auf die «Bedürfnisse der Basis» hingewiesen und zur Lösung «eine neue Art der kirchlichen Solidarität» gefordert. Seinen Worten liess er nun eine Tat folgen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 17.08.2009, 22:42 Uhr
Kommentar schreiben
16 Kommentare
Zölibat: tja, wer nicht geht mit der Zeit, der geht mit der Zeit. Die Generation meiner Eltern umfasste noch überzeugte Kirchgänger. Unsereins zahlt aus Solidarität zu den Eltern noch Kirchensteuern. Die nächste Generation wird wohl nichts mehr bezahlen ... der letzte macht das Licht aus, Amen. Antworten
herr kuzar scheint ein gutes beispiel für einen pfarrer zu sein. das zölibat aber scheint viele "komische" männer anzuziehen. solche, die mit frauen nicht zurechtkommen oder pädophil sind. zudem werden der katholischen kirche durch die regel viele ausgezeichnete männer und potentielle pfarrer vorenthalten. ob sich das die katholische kirche leisten kann und will, muss sie selber entscheiden. Antworten
Leben
Grandioses Berg-Erleben.
Weltberühmte Berge und 100 Jahre Jungfraubahn: Sommerurlaub vor der schönsten Kulisse der Welt!







