«Koks in praktisch jedem Club»

Im Vergleich zu anderen Drogen wie Heroin oder Extacy hat der Konsum von Kokain in den letzten Jahren zugenommen. Das Nachtleben hinterlasse überall weisse Spuren, sagt der 31-jährige Berner Adrian Meier*.

Immer populärer: Der Konsum von Kokain. (Szene gestellt)

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Bild: Keystone

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Anzahl Kokser nimmt zu

«Koks ist eine Zeitdroge. Sie passt zu unserer Gesellschaft», sagt Fritz Brönnimann von der Berner Suchtstelle Contact Netz. Die Konsumenten seien jung, nicht unter zwanzig, gesellschaftlich gut integriert und hätten Jobs und Beziehungen. Brönnimann nennt den tiefen Preis des Kokains als Grund, weshalb die Einstiegsschwelle gesunken sei. Wie die Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme kürzlich öffentlich machte, stieg der gesamtschweizerische Konsum von Kokain im Vergleich zu 2002 an. Stabil blieb der Konsum von Heroin, Methadon, Extacy.

«Koks ist salonfähig geworden. Heute kaufen Büezer bei den Dealern auf der Grossen Schanze ein, oder man sieht weisse Spuren in den WCs bei den YB-Heimspielen. In praktisch jedem Berner Club bekommt man Koks. Die Frauen in der Tübeli-Bar verkaufen das Zeug wie auch Prostituierte in der Altstadt, 100 Franken pro Gramm.

Ich konsumiere seit neun Jahren. Erst habe ich ein- bis zweimal im Jahr mit Freunden gekokst. Dann drei- bis viermal – immer mit Freunden. Später begann ich alleine zu ‹rupfen›, oder mit Kollegen. Wie ein Feierabendbier. Am Schluss zog ich mich zurück mit einem Joint und dem ‹Faden› – alleine. Zwischen solchen Exzessen lagen manchmal zwei Monate, dann wieder nur drei Tage. Es gab Zeiten, da habe ich Wochenende für Wochenende gekokst. Von Donnerstag bis Montag.

In diesem Jahr war ich drei Monate in einer psychiatrischen Klinik – nicht nur, aber auch wegen meinem Suchtverhalten. Nach der Matur habe ich mit Kollegen eine Firma geführt. Wir waren in Zürich und Bern im Multimediabereich aktiv. Wir hatten namhafte Kunden. Da brach alles auseinander: Es begann mit internen Differenzen, es folgten Geldsorgen. Ich kam mit dieser Situation nicht zurecht und fiel in ein grosses Loch.

Die Therapeuten stufen mich als manisch-depressiv ein. Damit verbunden sind häufig auch Suchtprobleme. Ich zweifle, dass ein Koks-Süchtiger therapierbar ist. Heute stecke ich in einer ähnlicher Situation wie letztes Jahr. Ich habe offene Rechnungen, kiffe immer noch und kokse wieder. Mein Studium an der Uni Bern habe ich inzwischen wieder aufgenommen. Kokain ist kein Genussmittel wie etwa ein Glas Rotwein. Sieht ein Kokser Kokain, denkt er: «Es muss weg.» Man kann nicht drei Gramm vor sich haben mit Freunden und es in einer Nacht nicht aufbrauchen. Koks betäubt nicht.

Mit Koks bist du voll dabei. Das ist das grosse Problem. Die Sucht nach dem weissen Pulver ist im Kopf. Ich lehnte oft ab diesen Frühling. Immer wieder. Dann auf einmal dachte ich: ‹Jetzt hätte ich wieder mal Lust.› Da war es schon zu spät. Du schiebst es erst ein paar Wochen vor dich hin. Und dann nimmst du wieder.»

Aufgezeichnet: saz

*Name von der Redaktion geändert. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.11.2009, 10:54 Uhr

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